Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
12. Januar 2018


Spannende Ziegenexkursion

Ausgabe Nummer 24 (2015)

Am 30. Mai nahmen etwa 20 Personen des Ziegenzuchtvereins Thurgau an der alle zwei Jahre stattfindenden Lernexkursion teil. Unter sachkundiger Führung unserer langjährigen Experten, Ruedi Rutishauser (Präsident) und Paul Gehrig (Zuchtbuchführer) sowie der Organisation von Marc Gerber reisten wir diesmal zu zwei angesehenen Betrieben ins Luzerner Hinterland.

Der erste Hof war der Nebenerwerbsbetrieb von René und Theresia Marbach in Mauensee, die auf acht ha Nutzungsfläche eine Mutterkuhherde mit Simmentaler und Limousin betreuen hauptsächlich zirka 35 Milchziegen (je zur Hälfte Anglo-Nubian und Saanenziegen) halten. Die Anglo-Nubianziegen wurden vor allem zur Erhöhung des Eiweiss- und Fettgehaltes der Milch aus England importiert. Die Ziegenmilch wird auf dem Hof gekühlt und geht zwei Mal pro Woche zur Käseproduktion nach Dallenwil NW.

Komfortabler Ziegenlaufstall mit Tiefstreu
Der Betrieb wurde vor einigen Jahren aus dem Dorf Mauensee in das jetzt umgebende Kulturland verlegt. Im Stallgebäude befinden sich unten die Mutterkühe im Laufstall. Im oberen Stock, wo früher Truten gehalten wurden, befindet sich ein komfortabler Laufstall mit Tiefstreu und einem erhöhten Fress- und Melkplatz. Das Betriebsleiterpaar arbeitet zu 80 bis 90 Prozent auswärts in den erlernten landwirtschaftsnahen Berufen, die ihnen aber genügend Flexibiltät in den Hauptarbeitszeiten, wo auch der Vater des Betriebsleiters noch mithilft, lassen. Wir sahen ein sehr gutes Management für die Ziegen, die meist ab Mittag Weidegang erhalten und sonst mit qualitativ gutem Heu und Emd und wenig Kraftfutter sehr ausgewogen verpflegt werden. Die zur Zeit vorhandenen acht Ziegenböcke werden erfolgreich in einer Gruppe gehalten; das Zusammenführen dieser Tiere erfordert ein gutes Beobachten, geht aber in der Regel problemlos. Die Böcke werden im Juli zu den Ziegen gelassen, wonach in kurzer Zeit sämtliche Ziegen bockig und belegt werden, so dass die Gitzi früh im Jahr geboren werden.

Züchterische Herausforderungen
Die Euterformen und die Milchmenge der Anglo- Nubierziegen möchte man noch züchterisch verbessern und auch eine genetisch zu enge Population vermeiden. Dabei ist ein Problem, dass aus seuchenpolizeilichen Gründen immer wieder Importverbote aus England bestehen. Glücklicherweise ist der ganze Betrieb, wie auch der nachher besuchte Hof von Thomas Hodel, bis jetzt beim Abtasten der Lymphknoten sowie in den Blutuntersuchungen frei von den Erregern der Pseudotuberkulose (= Lymphknotenvereiterung). In beiden Betrieben waren wir sehr beeindruckt, wie geschickt und nachhaltig die Parasitenbekämpfung vorgenommen und wie regelmässig und gekonnt fünf- bis sechsmal pro Jahr die Klauenpflege ausgeführt werden.

Besuch eines Musterbetriebes in Schötz
Nach einem fürstlichen Apéro mit Ziegenprodukten und Wein bei Familie Marbach ging es zum geselligen Mittagessen ins Restaurant Post, Kottwil, und anschliessend zum Musterbetrieb «Lindenmatthof» von Thomas Hodel und Familie in Schötz LU. Der vor sechs Jahren neu bezogene, sehr modern eingerichtete Hof wurde auch vom vorherigen Standort im Dorf in das umgebende, meist flache und gepflegte Kulturland verlegt. Thomas Hodel bewirtschaftet mit seiner Familie und einem Lehrling 25 ha mit Wiesland und etwas Ackerbau, wobei in Spitzenzeiten des Betriebsleiters oft noch die Eltern und Geschwister der Familie mithelfen.
Neben einer ausgeglichenen, gepflegten Braunviehherde mit beachtlichen Milchleistungen, gehalten im Laufstall, hält Familie Hodel eine Herde von zirka 40 Milchziegen. Diese besteht je zu einem Drittel aus Saanenziegen, Gemsfarbigen und Toggenburger Ziegen. Sie werden in einem grosszügigen Laufstall gehalten und gehen zum Füttern und Melken auf einen erhöht stehenden Fress- und Melkstand.

Hervorragendes Exterieur
Beim Betrachten der Ziegen fällt das hervorragende Exterieur mit aussergewöhnlich guten Euterformen auf – ein Zeichen langjähriger konsequenter züchterischer Selektion. Die Milchleistungen und der Milchgehalt sind daher sehr erfreulich. In einer aufschlussreichen Diskussion wurde auch darauf hingewiesen, dass der normale Zellgehalt der Ziegenmilch wesentlich höher liegt als beim Rind und diese Befunde schon vor über dreissig Jahren in bakteriologisch gesunden Eutern erhoben wurden. Der Betrieb liefert die Kuhmilch zur Produktion von Emmentaler Käse und muss daher auf Silage verzichten. Die Ziegenmilch wird im Tank gesammelt und geht zwei Mal wöchentlich zur Käsefabrikation ins nahe gelegene Sursee. Für beide Tierarten ist neben der Grasfütterung im Sommer Heu oder Emd das wichtigste Grundfutter, wobei die Ziegen betreffend der Heuqualität bevorzugt werden. Kraftfutter wird jeweils nur zurückhaltend eingesetzt.

Grosse Nachfrage nach Zuchttieren
Die Ziegenböcke sind nach der Decksaison ausser Haus bei verschiedenen Betreuern. Sie kommen erst im Juli in den Betrieb, wonach in kurzer Zeit alle Ziegen bockig und erfolgreich belegt werden. Damit liegt die Ablammzeit sehr früh im Jahr, so dass die Gitzi rechtzeitig zum Verkauf fertig sind. Da die Nachfrage nach Zuchttieren durch die vielen Kontakte der Familie im In- und Ausland gross ist, werden viele weibliche Jungtiere aufgezogen; grössere Posten von Zuchttieren können natürlich erst nach langen Lieferfristen weitergegeben werden.
Wir danken beiden Familien in Mauensee und in Schötz für die herzliche Aufnahme, die sehr bereichernden Einblicke in ihre Betriebe und die gute Verpflegung. Wir wünschen weiterhin viel Erfolg, Freude und Befriedigung in der landwirtschaftlichen Tätigkeit und so auch zum Wohl vieler Ziegen.


Ziegenzuchtgenossenschaft Thurgau,
Hans Geyer







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