Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
20. April 2018


Spargel - ein geschätzter Frühlingsbote

Ausgabe Nummer 17 (2017)

Impulse für den Spargelanbau

Ein Infoanlass für Spargelproduzenten, organisiert durch das BBZ Arenenberg, den Strickhof, die Liebegg und die Landi Hüttwilen, lieferte praxisnahe Impulse für diese Dauerkultur.

Als gastgebender Betrieb wirkte Stefan Madörin mit. Er zeigte den Besuchern den Hofladen, der für seine Spargelvermarktung eine wichtige Rolle einnimmt. Spargeln sind das erste Frischgemüse nach dem Winter. Dadurch haben sie eine besondere Wertigkeit und wecken hohe Erwartungen, sowohl beim Handel wie bei den Konsumenten. Die Bedeutung des Minitunnels für eine gute Verfrühung und konstante Belieferung hat zugenommen. Der Tunnel schützt gut vor Frost, welcher im April vielerorts die Kulturen heimsuchte und grosse Schäden und Ernteausfälle verursachte. Der Nachteil des Minitunnels ist, dass keine Temperatursteuerung möglich ist.
Nach einem kurzen Flurgang wurden in der Halle von Madörin Apfelcar fachliche Informationen geboten. Dabei richtete der Hauptreferent Dr. Ludger Aldenhoff vom Beratungsdienst Spargel und Erdbeeren aus Bruchsal (D) das Augenmerk auf vermeidbare Produktionsmängel, wie zum Beispiel Kopffäule. Falsche Ernte begünstigt diese. Deshalb empfahl der Referent, dass Betriebsleiter immer wieder einmal auf dem Feld die Ernte kontrollieren. Das Sortierpersonal sollte entsprechend instruiert sein, damit schlechte Ware gar nicht erst zum Konsumenten gelangt. Ludger Aldenhoff wies auf Vermeidung von Infektionen während der Ernte hin: Altes Laub muss im Frühjahr und/oder Herbst eingearbeitet werden, um das Infektionspotenzial durch Ascosporen zu reduzieren. Der Einsatz von Herbiziden erlaubt eine Kontrolle über Unkräuter, die ein Kleinklima für Infektionen darstellen.

Zurückhaltung bei Ernteprognosen
Ebenfalls vorbeugend ist der Einsatz abbaubarer Folien oder Minitunnel. Phytophthora ist latent in vielen Spargelkulturen vorhanden. In manchen Jahren sind die Symptome oberirdisch fast überall. Der Ausbruch erfolgt am Rhizom, vor allem bei Stickstoff- und Kaliummangel. Zu den vorbeugenden Massnahmen gegen Phytophthora zählt unter anderem grober Kompost im Herbst für eine gute Infiltration. Mangelernährung zeigt sich beim Spargel aufgrund des Speichersystems erst sehr spät. «Wer gute Qualität zu höherem Preis erzielen will, sollte auf einen ‹weissen Kranz› achten. Dieser gehört zu den Vermarktungsnormen für Grünspargel», sagte Ludger Aldenhoff.
Jürg Weber, Präsident AG Spargel Markt und Geschäftsführer der Landi Hüttwilen, thematisierte die Ernte- und Vermarktungsaussichten 2017. Er betonte, es sei ein Risiko, bereits vor der Ernte zu positive Prognosen zu verbreiten. Dies könne zu unrealistischen Erwartungen führen. Derzeit beträgt der Flächenanteil beim Grünspargel 57 %, die Tendenz in der Konsumvorliebe zwischen Grün- und Bleichspargel wechsle alle paar Jahre wieder ab. Er wies die Produzenten auf ein Pressedossier und Werbematerial des VSGP hin, um den Spargel entsprechend zu bewerben. Das Ziel der Werbemassnahmen ist es, die Qualität und die Verfügbarkeit von einheimischem Schweizer Spargel zu kommunizieren.

Prävention ist möglich
Das Potenzial für einheimischen Spargel ist wohl vorhanden. Eine weitere Ausdehnung der Fläche müsse jedoch sehr umsichtig in Betracht gezogen werden, empfiehlt Jürg Weber. Potenzial bestehe allenfalls noch in der Direktvermarktung und im Bio-Anbau (aktuell 3 % Flächenanteil in Bio). Beat Schindler, Berater bei Syngenta Agro AG, thematisierte die kleiner werdende Palette an Herbiziden, die noch zur Verfügung steht. Die Zukunft liege deshalb vermehrt in der mechanischen Bodenbearbeitung, unter Einsatz von Grubber und Scheibenegge. Wenn Schädlinge wie das Spargelhähnchen auftreten, lägen die Ursachen dafür meist im Vorjahr (zum Beispiel nicht sauber entferntes Laub im Herbst). Problemunkräuter müssen vor Kulturbeginn eliminiert werden. Eine chemische Unkrautbekämpfung hat im Frühjahr vor dem Durchstossen der Sprossen und dann erst wieder nach Ernteschluss zu erfolgen. Unterblattherbizide eignen sich hierfür besonders gut. Sie können in der Regel mit Balkenhöhe 80 bis 100 cm auf die fast eingeebnete, unkrautfreie und zu diesem Zeitpunkt aufrechtstehende Pflanzreihe gespritzt werden. Ein gut durchlüfteter Boden stelle die beste Prävention gegen Phytophthora dar.

Bei der Gruppe Obst, Gemüse, Beeren TG/SH, BBZ Arenenberg, Margareta Scheidiger, Beraterin Gemüsebau, ist für den Profianbau ein ausführliches «Kulturblatt Spargel» erhältlich unter: margareta.scheidiger@tg.ch.


Isabelle Schwander







« zurück zur Übersicht