Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
14. September 2018


Sparpotential beim Abschluss von Versicherungen

Ausgabe Nummer 42 (2015)

Versicherungen sind auf einem Landwirtschaftsbetrieb ein bedeutender Kostenfaktor. Rund 30 000 Franken gibt man im Durchschnitt für Betrieb und Familie im Jahr für Versicherungen aus. Etwas über 8300 Franken davon für betriebliche Versicherungen. Wenn so viel Geld ausgegeben wird sollte es richtig eingesetzt sein und das Sparpotenzial regelmässig geprüft werden.

Risiko abwägen
Jede Versicherungslösung ist ein Kompromiss zwischen wünschbar und bezahlbar. Wesentlich ist, dass wir nicht aus Spargründen grobe Versicherungslücken zulassen. Man muss verantwortungsbewusst Schwerpunkte setzen und gezielt einzelne kleinere Risiken selber tragen. Durch den Versicherungsschutz sollten folgende Oberziele erreicht werden.
Bei den Personenversicherungen:
− Gesicherter Lebensunterhalt bei Unfall oder Krankheit oder Todesfall
   für sich selber und die Familie
− Sicherstellung der Altersvorsorge
− Erhaltung des Betriebes für die nächste Generation
Bei den Sach- und Haftpflichtversicherungen:
− Weiterführung des Betriebes im bisherigen Rahmen gewährleistet
− Schutz der Familie von übermässigen finanziellen Belastungen
Kosten können gespart werden, wenn Risiken nicht doppelt versichert sind und keine unnötigen Versicherungen abgeschlossen werden. Viel Geld für Prämien kann durch hohe Selbstbehalte und lange Wartefristen eingespart werden. Jedoch muss die Liquidität des Betriebes dies im Schadensfall tragen können.

Versicherungen überprüfen
Der ganze Bereich der Versicherungen ist komplex und man verliert leicht den Überblick. Eine neutrale Beratung durch Fachleute ist sinnvoll. Im Laufe des Lebens ändern sich auch die Bedürfnisse beim Versicherungsschutz sodass die Versicherungen von Zeit zu Zeit überprüft und den Lebensumständen angepasst werden sollten.
Der VTL (Verband Thurgauer Landwirtschaft) bietet seinen Mitgliedern, also den Thurgauer Bauerfamilien, kostenlose Versicherungsberatungen an. Adrian von Grünigen ist Regionalstellenleiter Versicherungen beim VTL. Er hat im anschliessenden Interview meine Fragen beantwortet.

Wo und bei welchen Versicherungen siehst du Sparpotenzial?
Krankenkasse: Für gesunde Personen eine höhere Franchise wählen (1500, 2000 oder Fr. 2500 Franken). Franchise jährlich prüfen und bei zu erwartenden Kosten über Fr. 1000 Franken die Franchise auf 300 Franken senken. Wer mehr als 8 Stunden pro Woche als Angestellter arbeitet kann die Unfallprämie sistieren.
Taggeldversicherung: Wartefrist auf 30 Tage oder gar 60 Tage festlegen.
Vorsorge Invalidität und Todesfall: Nur den effektiven Bedarf versichern. Flexible Versicherungen wählen, die sich an veränderte Bedürfnisse anpassen lässt. Wenn möglich steuerbegünstige Vorsorgeform wählen.
Hausrat und Privathaftpflicht: Höhere Selbstbehalte wählen. Zum Beispiel 500 oder 1000 Franken pro Fall. Ein wesentlicher Kostenfaktor ist auch die Versicherung des einfachen Diebstahls auswärts.
Inventarversicherungen, Betriebshaftpflicht: Nur die betriebsspezifischen Risiken versichern.
Selbstbehalt von 500, 1000 oder 2000 Franken pro Fall wählen.
Fahrzeuge: Vollkasko ist bei neuwertigen Fahrzeugen sinnvoll. Ältere Fahrzeuge mit tiefem Zeitwert nur im Inventar versichern. Glasbruchrisiko einschätzen und nur versichern wenn ein grosses Schadenpotenzial besteht.
In welchem Abstand empfiehlst du eine Überprüfung der Versicherungen?
Bei wesentlichen Änderungen der familiären oder betrieblichen Situation ist die Überprüfung der Policen und eine Neueinschätzung der Risiken wichtig. Bei unveränderter Situation macht es Sinn, alle 5 bis 6 Jahre eine Gesamtberatung in Anspruch zu nehmen, damit die Versicherungen auf dem aktuellen Stand gehalten werden können.
Welches sind die häufigsten Versicherungsfehler die ihr bei der Versicherungsberatung antrefft? Eine deutliche Unterversicherung in den Bereichen Taggeld, Vorsorge für Invalidität und Todesfallvorsorge stellen wir bei rund der Hälfte unserer Beratungskunden fest. Insbesondere die Bäuerinnen, sowie mitarbeitenden Söhne und Töchter sind oft zu wenig gut versichert.
Bei den Betriebsversicherungen können nicht korrekt und vollständig aufgenommene Versicherungssummen von Inventar, Vorräten und Tieren als häufigsten Fehler bezeichnet werden. Die Auswirkungen davon sind leider erst im Schadenfall spürbar.
Zu oft lassen sich auch Betriebsleiter beim Versicherungsabschluss vom Bauchgefühl leiten und vernachlässigen eine betriebswirtschaftliche Einschätzung der Risiken. Statt den grossen Risiken die selten zu Schäden führen, werden immer wieder die kleinen Risiken, die häufig vorkommen aber eigentlich tragbar währen, versichert.


Beratungszentrum Arenenberg,
Christian Strub




« zurück zur Übersicht