Ausgabe Nummer 41 (2010)
Spatenstich für Geothermiebohrung in Schlattingen
Mit Erdwärme Gewächshäuser heizen
Mit dem Spatenstich ist der Startschuss auf dem Gemüsebaubetrieb Grob in Schlattingen für eine bis 1500 m tiefe Geothermiebohrung erfolgt. Die dabei gesuchte und erhoffte Erdwärme soll später zur Beheizung der Gewächshäuser verwendet werden.
Zwischen Schlattingen und Diessenhofen wird in den nächsten Wochen und Monaten mit einer Tiefenbohrung nach Geothermie gesucht. Hinter diesem Projekt steht der Gemüsebaubetrieb der Familie Grob, welche mit der möglichen Wärme aus dem Untergrund inskünftig ihre Gewächshäuser heizen will. «Wir leiten heute eine neue Zeit der Energieversorgung für unseren Betrieb ein», hielt Hansjörg Grob just an seinem 27. Hochzeitstag fest. Direkt neben den neuen Gewächshäusern wird in den nächsten Monaten nach Wärme im Boden gebohrt. Auf dem Betrieb, wo während der Sommersaison bis zu 120 Mitarbeiter beschäftigt werden, wird ausschliesslich Gemüse für die Ostschweiz produziert. «Wir müssen als Unternehmer immer wieder die Kosten hinterfragen und kamen zum Schluss, dass wir nie zu EU- oder gar Weltmarktpreisen produzierten können» führte Grob weiter aus. Trotzdem muss sich der Betrieb den aktuellen Marktverhältnissen stellen. Auch innerhalb der Familie wurde diese Idee sehr intensiv diskutiert. Bereits sind drei der vier Kinder im Betrieb tätig, und auch diese konnten sich für die Idee begeistern und stehen voll und ganz hinter der Nutzung der Erdwärme. «Wir sehen mit der Nutzung der Geothermie gar grosse Chancen, um unseren Betrieb für die Zukunft zu sichern, wo wir uns dank der CO2-freien Produktion europaweit abheben können», zeigte sich Grob zuversichtlich. Damit wird die Zukunft des Betriebes gesichert. Anerkennung, Dank und Lob sprach Grob sämtlichen Bewilligungsstellen aus. Nach einem ersten Gespräch im vergangenen Februar mit dem zuständigen Regierungsrat Kaspar Schläpfer sind sämtliche notwendigen Bewilligungen zügig erteilt worden. «Zudem war das Projekt nicht durch Einsprachen von Dritten ausgebremst worden», zeigte sich Grob erfreut. Nebst dem Kanton und der Alternativbank Schweiz ist mit der NAGRA ein weiterer Partner im Boot. Diese will einerseits die Resultate des Bohrkerns auswerten und wird gleichzeitig die Bauleitung des Bohrprojektes übernehmen. Sie ist ebenfalls bereit, einen Beitrag an die Bohrung zu leisten. Deren Gesamtkosten für die Erkundungsbohrung belaufen sich auf mutmassliche 3,5 Millionen Franken. Im Erfolgsfall wird mit weiteren Zusatzkosten von 3 Millionen Franken gerechnet, so dass mit Gesamtkosten von 6,5 Millionen Franken gerechnet werden muss.
Kanton macht mit
Die Familie Grob ist bei ihrem Projekt nicht allein. «Das Vorhaben passt ideal in unser Förderprogramm für alternative Energien und sowie auch die Nutzung von Geothermie», betonte Regierungsrat Kaspar Schläpfer. Insbesondere zeigte er sich vom Projekt in Schlattingen überzeugt, weil eine erhebliche Chance besteht, warmes oder gar heisses Wasser mit einer Temperatur von bis zu 70 °C im Untergrund zu finden. Dieses warme Wasser kann dann der Betrieb ideal für die Beheizung der Gewächshäuser nutzen und damit wesentlich zur Reduktion der CO2-Belastung und somit dem Zielen der Nutzung von erneuerbaren, umweltfreundlichen Energien beitragen. Nach einem entsprechenden Kantonsratsbeschluss ist der Kanton bereit, dass verbundene Restrisiko der Bohrung mitzutragen und übernimmt 57 Prozent oder maximal 2 Millionen Franken der Kosten. Sollte die Bohrung erfolgreich verlaufen, wird das Unternehmen Grob mit einer Abgabe von 1 Rappen je Kilowattstunde den Betrag zurückzahlen. «Damit können beide Partner voneinander profi tieren», zeigte sich Schläpfer überzeugt.
Fossile Energieträger ersetzen
In der Person von Erich Müller fand Grob den idealen Geologen und Fachmann, welcher das Projekt begleitet. «Eine Machbarkeitsstudie belegt, dass es möglich ist, die benötigte Warmwassermenge zu beschaffen», betonte Müller. Bei einer Ergiebigkeit ab 13 Liter Wasser pro Sekunde kann der Wärmebedarf des Gemüsebaubetriebes weitgehend gedeckt werden. Liegt die Menge aber unter acht Liter, so ist die Nutzung des Tiefenwassers gemäss Müller nicht mehr wirtschaftlich. Müller beruft sich dabei auf vorhandene geologische Daten. In zirka 1200 Meter Tiefe vermutet man im Muschelkalk Wasser mit einer Temperatur von 55 bis 60 °C. Im darüber liegenden Malmkalk wird wohl Wasser vermutet, welches aber nicht die gewünschte Temperatur aufweist. Aktuell werden im Betrieb Grob rund 15 Millionen kWh Gas, 400 000 Liter Heizöl und 900 000 kWh Strom benötigt. Dies führt zu einem CO2-Ausstoss von 5000 Tonnen pro Jahr. Mit der Umsetzung kann ein Grossteil dieser Energie durch die CO2 neutrale Erdwärme ersetzt werden. Mit dem Abschluss der Erkundungsbohrung wird im Februar 2011 gerechnet. Wird man dabei über eine ausreichende Fördermenge fündig, so wird eine zweite Tiefbohrung ausgeführt. Ist die Menge aber ungenügend, so wird einfach eine Erdwärmesonde verwendet, wie es für die normale Erdwärmenutzung üblich ist.
Roland Müller
