Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
13. April 2018


Stabwechsel bei den Ostschweizer Saatgutproduzenten

Ausgabe Nummer 11 (2015)

Auf Walter Bühler folgt Jakob Widmer

An der Generalversammlung der Ostschweizer Saatgutproduzenten (OSP) in Wülflingen wurde neu Jakob Widmer an die Verbandsspitze gewählt. Neu ziehen Daniel Kurz und Beat Guyer in den Vorstand ein.

Die Saatgutproduktion ist ein wichtiger Pfeiler in der Schweizer Landwirtschaft, eine unabhängige Inlandversorgung kann so gewährleistet werden. Die Saatgutzüchter tragen deshalb eine grosse Verantwortung. Dies wurden den Saatzüchtern aus der Ostschweiz einmal mehr bewusst, als sie zur ordentlichen Generalversammlung der Ostschweizer Saatgutproduzenten (OSP) nach Wülflingen reisten. Mögliche Neumitglieder müssen zur Aufnahme an der Generalversammlung anwesend sein.
Einerseits sind es an der Generalversammlung die statutarischen Sachgeschäfte, anderseits darf auch der gesellige Teil mit einem intensiven Erfahrungsaustausch nicht fehlen.
Die ordentliche Rechnung schliesst bei einem Ertrag von 12 300 mit einem Aufwandüberschuss von 5300 Franken ab. Ein leichtes Plus von 600 bei einem Aufwand von 37 600 Franken zeigt die Spezialrechnung Forum Ackerbau. Dessen anwesender Vertreter Martin Bärtschi orientierte über aktuelle koordinierte Praxisversuche im Ackerbau. Zurzeit laufen Versuche in folgenden Bereichen: Sorten- und Intensitätsvergleiche in Winterweizen und Wintergerste, Raps, Mais, Sonnenblumen und Dinkel. Dazu kommen Anbautechnikversuche in Wintergerste (Düngungsversuch), Raps (Fungizidversuch), Raps (Untersaatversuch) sowie Kartoffeln (Anbautechnikversuch). Aktuell sind die Fragen rund um die qualitätsbetonte Düngung im Brotgetreide. In einem Jahr sollte es möglich sein, anhand der Resultate aus den Düngungsversuchen noch klarere Aussagen über den Protein- und Feuchtglutengehalt in Korrelation mit dem Ertrag und der Düngung zu machen.

Rochaden im Vorstand
Auf die diesjährige Generalversammlung gaben Präsident Walter Bühler und Rechnungsführer Jakob Hugelshofer (Müllheim) ihren Rücktritt aus dem Vorstand bekannt. Mit Jakob Hugelshofer scheidet die dritte Saatgutproduzentengeneration aus. Sein Grossvater Jakob Hugelshofer gehörte 1918 im Thurgau zu den Gründungsmitgliedern, sein Sohn trat 1952 nahtlos die Nachfolge an und Jakob Hugelshofer übernahm das Mandat seines Vaters 1984. Walter Bühler gehörte zuerst seit 1991 dem Vorstand der damaligen Zürcher Saatzuchtgenossenschaft an und übernahm mit der Zusammenschluss zur OSP auch deren Präsidium. Neu wählten die Mitglieder den Thurgauer Daniel Kurz aus Homburg und Beat Guyer aus Bülach in den Vorstand. Jakob Widmer (Rickenbach) übernimmt neu das Präsidium, während Padrout Salzgeber (Cazis) und Markus Wettstein als Vorstandsmitglieder bestätigt wurden.

Stabile Saatgutflächen
Gesamthaft wurden 2014 auf 710 Hektaren Saatgut für Brotgetreide angebaut. «Wir mussten aber 31 Hektaren aberkennen. Die Gründe waren eine zu starke Verunkrautung besonders durch Klebern, fremde Getreidearten und Flughafer», betonte Geschäftsführer David Werner. Mit 187 Hektaren ist die anerkannte Anbaufläche für Futtergetreide um 12 Hektaren geringer als im Vorjahr ausgefallen, nachdem 7,4 Hektaren besonders wegen fremden Getreidearten abgewiesen werden mussten. Der Hauptanteil entfällt mit 141 Hektaren auf Gerste, gefolgt von Futterweizen mit 28 Hektaren und Triticale mit 18 Hektaren, dazu kommen noch 27 Hektaren Sommerhafer. Anteilmässig mit 75 Prozent ist die Anbaufläche für Biosaatgutgetreide auf 54 Hektaren angewachsen. Während beim Bioweizen die gesamte Fläche von 37 Hektaren anerkannt wurde, mussten beim Korn mit einer anerkannten Fläche von 7,5 Hektaren eine, beim Futtergetreide mit 10 Hektaren zusätzlich zwei Hektaren aberkannt werden. Gesamthaft sind im Niderfeld in Wülflingen 3333 Tonnen Brotgetreide- und 1098 Tonnen Futtergetreidesaatgut aufbereitet worden. Davon konnten beim Brotgetreide fast 90 und beim Futtergetreide 80 Prozent verkauft werden. Die Planung der Saatgutproduktion gleicht aber auch manchmal einem Kaffeesatzlesen. «Wie ist die Nachfrage auf die neuen Sorten? Gibt es wieder ein Auswuchsjahr und wie wird sich die Proteinzahlung auswirken?», fragte sich Werner. Aufgrund gewisser Trends wurden die Anbauflächen beispielsweise beim Claro um rund 40 Prozent und Siala gar um mehr als die Hälfte reduziert. Anderseits wurde jene des Camedo um die Hälfte auf knapp 90 Hektaren ausgedehnt. In der Klasse 1 wird neu Chaumont vermehrt. Beim Biosaatgetreide wird die letztjährige Fläche mit aktuell 52,4 Hektaren nicht mehr ganz erreicht.
Die enorme Sortenvielfalt, welche jedes Jahr für den beschränkten Schweizer Markt vermehrt wird, stand auch zur Diskussion. «Wir im Vorstand diskutieren dieses Thema immer wieder. Nicht angebotene Sorten bedeuten aber einen Marktverlust. Die Frage muss jedoch gesamtschweizerisch angegangen werden, da die verschiedenen Sorten die Bedürfnisse der Produzenten widerspiegeln», so Bühler.


Roland Müller




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