Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
12. Januar 2018


Stallbesichtigung und Vortrag über Burnout in der Landwirtschaft

Ausgabe Nummer 38 (2014)

Agroberatungsverein Lauchetal

Auf Mittwoch, 27. August 2014, lud der Agroberatungsverein Lauchetal im Waldhof Stettfurt zur Stallbesichtigung und anschliessendem Vortrag ein.

Gastgeber waren Esther und Manfred Gamper, welche stolz ihren neu gebauten Stall zur Besichtigung öffneten. Viele Bauern aus der Region trafen zu diesem Anlass vor dem Stalltor ein und waren gespannt, genauere Ausführungen durch Familie Gamper zu hören.
Manfred Gamper begrüsste die Gesellschaft in Begleitung seiner Frau und den drei Kindern. Die Mädchen, Zwillinge, sind ins 3. Lehrjahr gestartet, und Remo, gelernter Landwirt, hat diesen Sommer die BMS erfolgreich abgeschlossen. Sie wurden in die Entscheidung, neu zu bauen, mit einbezogen.

«Es war eine Familienentscheidung!»
«Wir haben uns für einen herkömmlichen Melkstand entschlossen», so Manfred Gamper, «meinem Sohn gefällt die Melkerei. Wir wollen den Hof so gestalten, dass das, was Freude macht, auch Platz hat.» Nach seinen ausführlichen Erklärungen besichtigten die Anwesenden den Stall und den Melkstand.

Landwirtschaft ist wie geschaffen für Burnout
Anschliessend fesselte der interessant geführte Vortrag von Dr. med. Beat Heuberger, Psychiatrie Münsterlingen, die Anwesenden. Die Landwirtschaft sei prädestiniert für das Burnout-Syndrom, meinte Heuberger. Durch die Komplexität des landwirtschaftlichen Berufsfeldes und die enge Beziehung der Familie zum Betrieb fehle es manchmal an Distanz und Möglichkeit, sich selbst Freiräume zu schaffen. Verschiedene Faktoren spielen dabei eine Rolle. Ein Mehrgenerationenbetrieb auf engem Raum kann konfliktgefährdet sein. Auch grössere Entscheidungen wie Umbau und Hofübergaben seinen oft belastend, sicher erfordere der fortschreitende Strukturwandel in der Landwirtschaft Flexibilität! Forderungen ans Unternehmertum oder auch gesellschaftlicher Druck können ebenso Auslöser einer solchen Krankheit sein. «Das Burnout betrifft selten alle Lebensbereiche! » führte der Arzt weiter aus, «gewisse Bereiche machen weiterhin Freude oder können sogar entspannen. » Ein Verlust an Freude und Motivation, Gleichgültigkeit, ein Gefühl von «Ausgepumptsein» oder innere Leere, dauerhafte Erschöpfung, rasche Ermüdbarkeit, anhaltende Müdigkeit, Reizbarkeit oder Aggressionen können Symptome eines angehenden Burnouts sein. Wenn eine Daueranspannung wachse, anstatt nachzulassen, Arbeiten länger dauern, die Schlafqualität darunter leide, die Konzentration vermindert sei und Fehler bei der Arbeit oder abnehmende Sorgfalt auftreten, sei die Wahrscheinlichkeit gross, in ein Burnout zu verfallen. Wachsamkeit und Bewusstwerdung sind dann sehr wichtig! Heuberger empfiehlt ein sofortiges Handeln, wenn eines oder mehrere dieser Symptome beobachtet werden.

Erste Schritte zur Genesung möglich
Möglichkeiten, die unterstützend wirken können und zu einer Stabilisierung oder Besserung führen, wurden von Beat Heuberger ebenfalls gezeigt. «So kommt das Wahr- und Ernstnehmen der eigenen Gefühle, Wünsche und Ansprüche an erster Stelle. Kennen wir unsere eigenen Stärken und Schwächen und können wir uns in gewissen Bereichen von Verantwortung befreien oder unterstützen lassen, ist bereits ein erster Schritt zur Genesung getan.» Das Erkennen der eigenen psychischen und physischen Grenzen und das Entdecken eigener Kraftspender und -verbraucher sei eine weitere Aufgabe, Veränderungen unumgänglich. Alle Frühsymptome sind ernst zu nehmen, da die Gefahr, in ein depressives Syndrom zu fallen, welches sich nicht mehr ohne professionelle Hilfe verändern lasse, sei gross.


Tanja Baer













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