Ausgabe Nummer 29 (2006)

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Standardmischungen für den Futterbau

Für den Kunstfutterbau stehen mit den Standard-Mischungen (SM), welche von den Forschungsanstalten entwickelt und vom Samenhandel angeboten werden, geeignete Mischungen für die unterschiedlichen Bedürfnisse bezüglich Dauer, Futterverwendung, Boden- und Klimabedingungen zur Verfügung. Die folgenden Hinweise sollen helfen, die richtige Wahl zu treffen.

Alexandriner-Perserklee-Raigras- Mischungen (SM 106, 108)
Diese Mischungen für den Herbst-Zwischenfutterbau sind raschwüchsig und liefern ein qualitativ gutes, schmackhaftes Futter. Für optimales Wachstum brauchen sie aber genügend Niederschläge. Zur Überwinterung und Frühjahrsnutzung sind sie nicht geeignet, weil ja diese Kleearten nicht winterhart sind. Am besten werden sie zum Eingrasen verwendet.

Italienisch-Raigras-Klee-Mischungen (SM 230 CH, 240 CH)
Diese Mischungen auf der Basis von Italienisch- Raigras und Rotklee bringen in futterwüchsigen Lagen mit guter Düngung grosse Erträge. Der erste Aufwuchs im Frühling ist sehr früh schnittreif. Das Futter ist in erster Linie als Grünfutter oder Silage zu verwerten. Das mastige Futter erschwert die Heubereitung. Diese Mischungen sprechen gut auf Gülle an. Oft dominiert in den Beständen aber das Italienisch-Raigras sehr stark, womit das Futter vor allem im Sommer rasch überständig wird und wegen dem fehlenden Klee auch nicht die gewünschten Gehalte an Energie und Protein hat. Trockenheit wird von diesen Mischungen nur ertragen, wenn der Rotklee noch stark vorhanden ist. Normalerweise werden diese Mischungen nach dem Saatjahr ein volles Jahr genutzt und im folgenden Frühling nach dem ersten Schnitt umgebrochen.

Gras-Weissklee-Mischungen (SM 330, 340)
Die SM 330 ist in den Thurgauer Acker- Futterbau-Betrieben sicher die meistverwendete Mischung für zwei volle Hauptnutzungsjahre. Sie liefert mit 30 bis 40 Prozent Kleeanteil ein qualitativ sehr gutes Futter, das sich zum Eingrasen, Silieren und für Belüftungsheu gut eignet, und ist nutzungselastisch. Der Rotklee wird im Laufe der Nutzungen abgelöst durch den Weissklee, und das anfängliche Hauptgras Englisch-Raigras wird abgelöst durch das ausdauernde Knaulgras. Diese Ablösung passt sich dem jeweiligen Klima und den Nutzungs- und Düngungsbedingungen gut an. Die Mischung wird regelmässig mit Gülle gedüngt, und der Kleeanteil kann mit der Stärke der Güllegaben und der Nutzungsintensität gelenkt werden. Die SM 340 enthält kein Knaulgras und ist somit auf wirklich ständig futterwüchsige Bedingungen angewiesen.

Gras-Weissklee-Mischungen für längere Dauer (SM 420, 430, 440, 444, 460, 480)
Diese Mischungen sind für zwei bis mehrere Hauptnutzungsjahre bestimmt und müssen gewählt werden, wenn eine Kunstwiese in eine Dauerwiese übergeführt werden soll. Sie eignen sich für alle Verwendungszwecke inklusive Weiden sehr gut. Sie enthalten neben dem Hauptgras Englisch-Raigras auch weitere ausdauernde Gräser, welche mithelfen, eine dichte, dauerhafte Grasnarbe zu bilden. Die Palette dieser Mischungsgruppe ist gross, weil alle Klimagebiete und Nutzungsweisen abgedeckt werden sollen. Die Hauptmischung bei uns ist die SM 440 (ohne Knaulgras). Die SM 420 enthält Bastard- Raigras und ist damit etwas ertragreicher als die SM 440, bildet aber auch im Sommer Halme. In den trockeneren Gebieten sollte man die SM 430 (mit Knaulgras) wählen. Die Standardmischung 444 enthält Wiesenfuchsschwanz und gibt in eher feuchten oder schattigen Lagen einen robusten Dauerwiesenbestand mit gutem Futter. Für Kurzrasenweide eignet sich besonders die SM 440AR (mit dem frühreifem Englisch-Raigras Arvicola). Die eigentlichen Dauerweidemischungen sind aber die SM 460 und besonders die SM 480, welche noch vermehrt dicht bestockende und trittfeste Gräserarten enthalten.

Mattenklee-Gras-Mischungen (SM 300, 310)
Mattenkleesorten sind ausdauernde Rotkleesorten. Mattenklee-Gras-Mischungen sind sehr ertragreich, ohne auf starke Stickstoffdüngung angewiesen zu sein, und sie ertragen sowohl schwere Böden als auch Trockenheit gut. Der Kleeanteil ist meistens über 50 Prozent und damit die Futterqualität sehr gut. Allerdings eignen sich diese Mischungen weniger für die Dürrfutterbereitung und auch nicht zum Weiden. Hauptmischung ist die SM 300. Die SM 310 enthält auch Weissklee und nimmt somit eine Mittelstellung zu den Gras-Weissklee-Mischungen ein.

Luzerne-Gras-Mischungen (SM 320, 323)
Luzerne ist bekanntlich die trockenheitsresistenteste Kleeart und hat besondere Futterqualitäten. Aber sie gedeiht nur gut bei ihr zusagenden Boden- und Klimabedingungen, ist in der Verwendung eingeschränkt auf Eingrasen und Silieren und erfordert ein angepasstes Nutzungsregime. Sie bevorzugt einen durchlässigen, tiefgründigen, kalkhaltigen Boden und ein eher trockenes Klima. Die eigentliche «Luzernegegend» ist im Thurgau der westliche Kantonsteil. Die Kombination von Luzerne und Rotklee, zusammen mit geeigneten Gräsern, in der Standardmischung 323 ergibt eine anpassungsfähige Luzernemischung für die genannten Bedingungen. Oft ist es in den Ackerbaugebieten sinnvoll, einen Kunstwiesenschlag Luzerne- oder Mattenklee-Mischung neben andern Mischungstypen zu haben. Keinen Sinn macht es, eine Standardmischung mit zusätzlichen Gräser- oder Kleearten zu verändern, die Konkurrenzverhältnisse zwischen den Arten werden damit meistens ungünstig verschoben. Die Standard-Mischungsrezepte sind ja das Resultat umfangreicher Anbauversuche.

Bernhard Kraft, Fachstelle Pflanzenbau und Düngung, LBBZ Arenenberg