Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
12. Januar 2018


Standortgerechte Bio-Milchviehzüchtung

Ausgabe Nummer 37 (2014)

Für den 1. Bio-Milch-Stamm wurden aus der Palette der Provieh-Themen die graslandbasierte Milch- und Fleischproduktion sowie die standortgerechte Tierzucht aufgegriffen.

Der Verein Bio Ostschweiz und die Bioberatung am BBZ Arenenberg luden zum 1. Bio-Milch-Stamm ein. Dieser fand am 1. September auf dem gastgebenden Bio-Betrieb der Familie Martin und Marianne Dumelin statt. Daniel Fröhlich, Bioberater am BBZ Arenenberg, konnte eine Besucherschar mit rund 100 Teilnehmern aus der Ostschweiz zum ersten Stamm-Anlass begrüssen. Nach einem Hofrundgang auf dem Betrieb der Gastgeberfamilie, welche für ihre Milchproduktion Kühe der Rasse Holstein hält, folgten fachliche Informationen und eine Diskussion zur Bio-Züchtung. Thomas Pliska, Leiter Bereich Landwirtschaft bei Bio Suisse und Projektleiter von «Provieh», informierte, dass der Anlass in Hüttlingen der erste ist, den Bio Suisse im Rahmen von «Provieh » organisiert. Es sind schweizweit weitere Veranstaltungen dieser Art in den nächsten vier bis fünf Jahren geplant. Pliska erklärte, dass man mit dem Beratungsangebot «Provieh Bio Suisse», gemeinsam mit den Mitgliedorganisationen, der Bioberatung und dem FiBL, die Themen Tiergesundheit, Antibiotikareduktion, standortgerechte Zucht und angepasste Fütterung weiterentwickeln will. Basierend auf den Erfahrungen aus der Beratung und bisherigen Forschungsprojekten wie «Pro-Q» und «Feed no Food» (FiBL) sowie der Innovation und Praxiserfahrungen zahlreicher Tierhalter soll ein praxisnahes, vielfältiges und innovatives Beratungsangebot aufgebaut werden.

Artgerechte Tierzucht
Pliska ermutigte die Bioproduzenten zur Bildung von Arbeitskreisen, analog dem Beispiel des Bio-Ackerbaurings: Dies ermögliche die themenspezifische Vertiefung und den Wissenstransfer «von Bauer zu Bauer». Bezüglich der GMF (graslandbasierte Milchund Fleischproduktion) informierte er, dass die Diskussion dazu in vollem Gange ist, denn zu Bio passe diese Produktionsform gut. Er zog das Fazit, dass bezüglich verbindlicher Aufnahme der GMF ins Regelwerk der Bio Suisse noch alles offen ist. Wie dieses ausgestaltet wird, hänge von Mehrheitsentscheiden an der DV 2015 von Bio Suisse ab. Daniel Fröhlich räumte an dieser Stelle ein, dass die politische Diskussion zur GMF den Basisabenden vorbehalten ist. Anet Spengler, Tierzucht-Forscherin, informierte über Erkenntnisse aus FiBL-Projekten zur standortgerechten Bio-Milchvieh-Züchtung. Artgerechte Tierzucht fördert die Tiere in dem, was sie können und selektioniert nicht Eigenschaften, die nicht zur Art passen. Sie betonte, dass das Wohlbefinden der Tiere stark davon abhängt, ob sie ihre spezialisierten Organe in der richtigen Weise nutzen können. Die Laktationspersistenz einer guten Raufutterkuh sollte hoch sein, das heisst über 85 Prozent liegen. Dies bedeute, so Spengler, dass das Tier über längere Zeit ähnliche Tagesmilchmengen gibt und nicht zu Beginn der Laktation sehr viel Milch, für die sie nicht genügend Raufutter fressen kann.

Exterieurmerkmale
Eine gute Persistenz ist wichtig für Biobetriebe, die möglichst wenig Kraftfutter füttern wollen. Mit einer standortgerechten Zucht erreiche man, dass die Kühe von dem auf ihrem Betrieb wachsenden Grünfutter gut leben und angemessen Milch geben können. Sie empfahl die regelmässige Körperkonditions- Beurteilung (Body Condition Scoring, BCS) zur Schätzung der Energiereserven der Milchkuh. Die Körperkondition, das heisst die Körperfettauflage, sollte im Verlaufe der Laktation wenig schwanken, höchstens um 0,5 Punkte. Geringe Schwankungen in der Körperkondition zeigen, dass das vorhandene Grundfutter dem Tier genügt, es seine Leistung den Futterbedingungen anpassen kann und deshalb ein geringes Erkrankungsrisiko hat. Abschliessend schilderte der Swiss-Fleckviehzüchter und Biolandwirt Hans Braun, was aus seiner Sicht eine ideale Bio- Milchkuh auszeichnet. Als wichtigste Exterieurmerkmale für eine leistungsfähige Bio-Milchkuh, die eine gute Raufutterverdauung aufweist, bezeichnete er eine tiefe Flanke, die ein grosses Vormagenvolumen ermöglicht. Die Tiere sollten nicht zu gross sein und höchstens eine Widerristhöhe zwischen 135 und 145 cm aufweisen. Abschliessend empfahl Braun den Bioproduzenten, sich zu den männlichen Kälbern Gedanken zu machen. Das Ziel laute, diese noch vermehrt für die Bio-Weidebeef-Haltung in Betracht zu ziehen.


Isabelle Schwander
















« zurück zur Übersicht