Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
19. Januar 2018


Statische Waldgrenze - die Vorteile überwiegen für Wald und Landwirtschaft

Ausgabe Nummer 33 (2016)

Nachdem im Jahr 2013 eine Änderung im Bundesgesetz die statische Waldgrenze ausserhalb der Bauzone ermöglichte, hat der Thurgau als erster Kanton flächendeckend die Waldgrenze definiert und statisch fixiert. Jetzt steht dieses grosse Projekt kurz vor dem Abschluss.

Die Gesamtdauer des Auflageverfahrens, inklusive Bereinigung der Einsprachen und erneuter Auflage, dauerte von April 2014 bis etwa Mitte/Ende 2016, der Abschluss steht nun kurz bevor. Deshalb lud das Forstamt Thurgau Mitte August 2016 zur Medienorientierung in der Region Lanterswil ein.

Mehr Rechtssicherheit geschaffen
Daniel Böhi, Kantonsforstingenieur, erörterte die Gründe, warum sich der Kanton Thurgau als erster Kanton für die statische Waldgrenze entschied. Dieser Entscheid stand unter anderem im Zusammenhang mit immer wiederkehrenden Diskussionen und der Frage: «Wo ist Wald, wo beginnt (beitragsberechtigte) landwirtschaftliche Nutzfläche?» Die Waldfläche ist im Thurgau seit 150 Jahren plus/minus konstant. Die periodische Nachführung der amtlichen Vermessung war bereits terminiert. Synergien entstanden, wenn gleichzeitig die Waldgrenze definiert wurde. Dies ersparte grossen Aufwand und Mehrkosten und ermöglichte dem Thurgau als erstem Kanton diese rasche Umsetzung. Zuvor stimmten Grundbucheinträge und tatsächliche Verhältnisse häufig nicht überein. «Es existiert ein hohes Konfliktpotenzial. Deshalb braucht es ein befriedendes, allseits akzeptiertes Projekt, wie die Einführung der statischen Waldgrenze im ganzen Kanton», sagte Daniel Böhi. Beispielsweise Ufergehölze beinhalten Konfliktpotenzial, denn im Thurgau gilt dieses im Rechtssinn als Wald.

Statische Waldgrenze beseitigt Unklarheiten
Ein grosser Vorteil der statischen Waldgrenze gegenüber der dynamischen, sich verändernden, ist die erhöhte Rechtssicherheit. Grundbucheinträge, beziehungsweise Güterzettel, hatten bislang betreffend Wald keine Gültigkeit. Der Wald konnte sich vergrössern und die jeweils herrschenden, tatsächlichen Verhältnisse waren massgebend und mussten regelmässig festgestellt werden. Dies bedeutete einerseits jeweils einen grossen administrativen Aufwand, andererseits verstanden es die Grundeigentümer oft nicht, da sie von den Angaben in Kaufverträgen oder im Grundbuch ausgingen. «Mit der Einführung der statischen Waldgrenze konnte diese Unklarheit beseitigt werden, denn nach Abschluss des Projektes entspricht der tatsächliche Wald auch dem Eintrag im Grundbuch und in den Planauflagen. Neben der verbesserten Rechtssicherheit wird sich künftig auch der Vollzug besser bewerkstelligen lassen, da auf eine klar definierte und öffentlich ersichtliche Waldgrenze verwiesen werden kann», informierte Daniel Böhi. Der Wald sei zudem noch besser geschützt, da die Waldfläche klar definiert sei und nicht unbemerkt verkleinert werden könne. Neu besteht auch kein Druck mehr, Waldränder laufend zurückzuschneiden, da ein Flächenverlust beispielsweise bei angrenzenden, direktzahlungsberechtigten LN-Flächen auch bei Waldausdehnung nicht mehr möglich ist. Ruedi Lengweiler vom Forstamt zeigte ein Beispiel vor Ort, in der Nähe des Weilers «Ghürst» südlich von Märwil, und erklärte dazu: «Sie sehen auf alten Plangrundlagen Wald, der nicht mehr da ist und ebenso gibt es Wald, der neu entstanden ist. Neu ist die Waldgrenze für alle Zeit fixiert, und wir müssen deren Verlauf nicht mehr periodisch überprüfen. »

Landwirtschaftsdaten nachgeführt
Thomas Fröhlich, der das Projekt von Seiten des Landwirtschaftsamtes begleitete, erörterte die Auswirkungen auf die Landwirtschaft. Die periodische Nachführung der amtlichen Vermessung (AV) ermögliche den Abschluss des Projektes «Landwirtschaftliche Nutzflächen» von Swisstopo, im Auftrag des BLW im Jahr 2000. Es fand eine unkomplizierte Bereinigung der Bodenbedeckung während der Auflagefrist aus Orthophoto oder der Kontrolle vor Ort statt. Bewirtschafter und Pächter beispielsweise erhielten einen Brief vom Landwirtschaftsamt mit Einsprachemöglichkeit. Die Daten AV werden im Jahr 2015 und 2016 gestaffelt für Direktzahlungen übernommen. «Es gibt keine Änderungen mehr aufgrund eingewachsener Waldränder. Veränderungen der Landwirtschaftsdaten können über die aktuellen Daten der AV nachgeführt werden. Über Veränderungen ist der Eigentümer via Geometerauftrag informiert », so Thomas Fröhlich.


Isabelle Schwander
















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