Ausgabe Nummer 3 (2009)
Streptomycin darf in den Baumschulen eingesetzt werden
Fachtagung der Arbeitsgemeinschaft Thurgauer Obstbauer (Thuro) in Zihlschlacht
An der Fachtagung wurde Bilanz zum Feuerbrand und zum Einsatz von Streptomycin gezogen. Der neue Obstbauberater am BBZ Arenenberg, Thomas Zöllner, berichtete über seine 20-jährigen Erfahrungen in der Feuerbrandbekämpfung in den USA.An der Fachtagung der Arbeitsgemeinschaft Thurgauer Obstbauern (Thuro) erklärten Beat Lehner, Thuro-Präsident, und Edwin Huber, Präsident des Thurgauer Obstverbands (TOV), dass die beiden Vorstände beschlossen haben, dem neu konstituierten Verband Thurgauer Landwirtschaft (VTL) beizutreten. An ausserordentlichen Delegiertenversammlungen sollen die beiden Organisationen aufgelöst werden. Im VTL soll im Ressort Spezialkulturen die Fachkommission Obstbau gebildet werden.
Bundesverwaltungsgerichtsentscheide sorgten für Unruhe
«Ohne Streptomycin hätte der Feuerbrand im letzten Jahr zur Katastrophe geführt, dennoch würde ich mich freuen, wenn ich einmal nicht mehr über Streptomycin sprechen müsste», erklärte Urs Müller, Berater Pflanzenschutz, BBZ Arenenberg. Der Einsatz von Streptomycin sei sowohl mit der Forschungsanstalt Agroscope Changins-Wädenswil ACW, Wädenswil, als auch mit den Nachbarkantonen besprochen worden. Bei dreimaligem Einsatz liege der Wirkungsgrad von Streptomycin durchschnittlich bei 85 Prozent. Wenig Wirkung wurden mit alternativen Präparaten erzielt. Vor allem bei Junganlagen sei es wichtig gewesen, dass alle drei bewilligten Streptomicin-Behandlungen durchgeführt wurden. Bewährt haben sich der Obstfax und das Abhörband für Obstbauern. Laut Müller waren bei den Honigkontrollen 47 Proben kontaminiert. Somit wurden 3350 Kilogramm Honig entsorgt und vom Schweizer Obstverband mit rund 65 000 Franken entschädigt. Müller dankte Hans Stettler, ehemaliger Chef des Thurgauer Landwirtschaftsamtes, und Werner Hanselmann, Präsident des Thurgauer Bienenzüchterverbandes, für ihren grossen Einsatz bei den Honigkontrollen und der Information der Imker. «Die drei Entscheide des Bundesverwaltungsgerichtes betreffend Rodung von Hochstammbäumen haben auch im Thurgau für Unruhe gesorgt», stellt Müller fest.
Entflechtungsbericht soll bis im März vorliegen
Wie Müller erklärt, wird die vom Regierungsrat eingesetzte Arbeitsgruppe zur Entflechtung der Hochstammobstgärten und Niederstammanlagen im März einen Bericht vorlegen. Müller freut sich, dass Streptomycin für das laufende Jahr wieder bewilligt wurde. Die Anwendung dürfe auch in Baumschulen ab fünf Aren erfolgen. Es dürfen nur Äpfel und Birnen behandelt werden. Je nach Bedürfnis sollen drei Behandlungen durchgeführt werden. Die Spritzzeiten soll dem Bienenflug angepasst und optimiert werden. Auch die Information der Imker soll in verschiedenen Regionen verbessert werden.
Erfahrungen mit Feuerbrand in Amerika
In einem interessanten Referat berichtete der neue Obstbauberater am BBZ Arenenberg, Thomas Zöllner, über seine 20-jährigen Erfahrungen in der Feuerbrandbekämpfung in den USA. Nach seinen Aussagen ist der Feuerbrand in Amerika schon seit Jahrzehnten bekannt.Auch Streptomycin werde schon lange eingesetzt. Wie Zöllner erklärte, wurden in einigen Staaten pro Jahr gar 19 Behandlungen vorgenommen, was zu Feuerbrandresistenz führte. Nach seiner Erfahrung ist die Früherkennung von Feuerbrand und Canker sehr wichtig. Er wies daraufhin, dass auch die Veredlungsunterlagen vom Bakterium befallen sein können. Von grosser Bedeutung sei, dass in den Anlagen sehr sauber gearbeitet wird. In Amerika hätten nur wenige Hochstammbäume den Feuerbrand überlebt, berichtete Zöllner.
Mario Tosato

Der neue Obstbauberater am BBZ Arenenberg, Thomas Zöllner, berichtete über den Feuerbrand in Amerika. (tos)
