Ausgabe Nummer 29 (2008)

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Streptomycin zeigte höchsten Wirkungsgrad

Pressekonferenz in Neukirch-Egnach

Imker und Obstbauern fordern bei einem allfälligen Einsatz von Streptomycin im kommenden Jahr weniger Kantönligeist, dafür gesamtschweizerische Konzepte.

Dass Streptomycin immer noch ein hoch brisantes Thema ist, bewies die sehr gut besuchte Medienkonferenz des Schweizerischen Obstverbandes (SOV) in Zusammenarbeit mit dem Verein Deutschweizer und Rätoromanischer Bienenfreunde (VDRB) und den Obstbaufachstellen der Kantone Luzern, Thurgau und St. Gallen. Nachdem bekannt wurde, dass drei Betriebe aus dem Kanton Waadt von Feuerbrand befallen sind, reisten gar Westschweizer Journalisten in den Thurgau.

Verlängerung für Streptomycin wird beantragt
Pius Jans, Präsident SOV, zog zum Einsatz von Streptomycin ein positives Fazit. Dank dem gezielten Einsatz und den strengen Auflagen konnte in den Erwerbsobstanlagen eine ähnliche Situation, wie sie im vergangenen Jahr herrschte, verhindert werden. Jans zeigte sich auch erleichtert, dass bis jetzt trotz dem Interventionswert von 0,01 Milligramm Streptomycin pro Kilogramm Honig, die vom SOV und VDRB festgelegt wurden, bis zur Medienorientierung nur acht Proben über diesem Wert lagen. Damit könne mit gutem Gewissen von naturreinem Schweizer Honig gesprochen werden. Die Erfahrungen mit dem Streptomycin und der anhaltend hohe Infektionsdruck veranlasse den SOV beim Bundesamt für Landwirtschaft für das kommende Jahr eine Verlängerung von Streptomycin zu beantragen, gab Jans bekannt.

Weniger Wirkung, grösserer Arbeitsaufwand
Edwin Huber, Präsident Thurgauer Obstverband, bewirtschaftet in Neukirch- Egnach auf dem Burkhartshof mehrere Hektaren Niederstammapfelbäume. Er setzte Streptomycin sowie ? zu Versuchszwecken ? ein Alternativprodukt ein. In den mit Streptomycin behandelten Parzellen hatte er einen Befall von rund drei bis elf Prozent bei den Frischpflanzungen sowie gegen 20 Prozent bei der Ertragsanlage, bei dem Alternativprodukt betrug der Befall gar 78 Prozent bei der Frischpflanzung sowie 69 Prozent bei der Ertragsanlage. Auch sei der Arbeitsaufwand beim Alternativprodukt knapp vier Mal höher. Er schätzt diesen auf 150 Stunden pro Hektare, bei Streptomycin liege er bei rund 40 Stunden. Im 2007 musste Edwin Huber wegen dem Feuerbrand rund ein Drittel seiner Bäume sowie 80 Prozent der Baumschule roden.

Obstbaumschulen im Thurgau gefährdet
Urs Müller, Pflanzendienst BBZ Arenenberg, stellte fest, dass der Thurgau am meisten Baumschulen aller Kantone beherberge. Die Baumschulen dürfen ihre Kulturen nicht mit Streptomycin schützen. So sei der Feuerbrand in vielen Baumschulen aufgetreten und verursache dort sehr grosse Schäden. Müller glaubt, dass es künftig sehr schwer werde, in der Ostschweiz noch Obstbäume produzieren zu können. Eine Abwanderung der Betriebe in andere Gebiete bedeute für den Obstkanton aber ein sehr grosser Verlust an wichtigem Know-how.

Gesamtschweizerisches Konzept gefordert
Auf dem Betrieb von Peter Gsell in Roggwil TG konnten sich Teilnehmer der Medienkonferenz von der Wirksamkeit von Streptomycin überzeugen. Der Teil der Anlage, welcher mit Streptomycin behandelt wurde, weisse einen Feuerbrandbefall von rund 10 Prozent aus. Versuchsweise setzte Gsell auch alternative Bekämpfungsmittel wie Blossom Protect und Mycosin ein. «Das Resultat ist zum Heulen », sagte Gsell. Er forderte vehement eine für die ganze Schweiz gültige Feuerbrandbekämpfungsstrategie und ein Pflanzverbot für Wirzpflanzen. Richard Wyss, Präsident VDRB, lobte die Disziplin der Obstbauern und die gute Zusammenarbeit. Nicht zufrieden ist er mit der administrativen Umsetzung der Behörden. Der «Kantönligeist» habe dazu geführt, dass der Ablauf der Probeentnahmen und Analysen in den Kantonen unterschiedlich und unübersichtlich sei. Für den Fall einer erneuten Zulassung für Streptomycin 2009 forderte Wyss ein gesamtschweizerisches Konzept.

Mario Tosato


Edi Huber (rechts) informierte SOV-Direktor Bruno Pezzatti (links) auch über die Erfahrungen
mit alternativen Behandlungen. (tos)
Edi Huber (rechts) informierte SOV-Direktor Bruno Pezzatti (links) auch über die Erfahrungen mit alternativen Behandlungen. (tos)