Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
13. Juli 2018


Strickhof stärkt höhere Berufsbildung im Weinbau mit neuem Lehrgang

Ausgabe Nummer 46 (2014)

Auch die Deutschschweizer Winzer/-innen sowie Weintechnologen können sich nun zur/ zum dipl. Weinbautechniker/-in Höhere Fachschule (HF) weiterbilden: an der HF des Strickhofs in Wädenswil – berufsbegleitend in drei Jahren.

Kürzlich konnte der Strickhof in Wädenswil gleich eine doppelte Premiere feiern: Einmal, weil der neue Lehrgang an der Höheren Fachschule (HF) Weinbautechniker/- in HF mit dem ersten Schultag definitiv aus der Taufe gehoben werden konnte. Dann aber auch, weil für 20 Lernende in der Deutschschweiz nun eine berufliche Weiterbildung angeboten wird, mit einem HF-Abschluss, der sehr vielsprechende Berufsperspektiven eröffnet.

Neu Kader in der Deutschschweiz ausbilden
Denn laut Kaspar Wetli, Präsident des Branchenverbands Deutschschweizer Wein (BDW), bestand zwischen den Berufsprofilen Önologen mit Bachelor- Ausbildung Fachhochschule und den Winzermeistern eine Lücke. Für künftige Leiter/-innen grosser Rebbaubetriebe und Kellermeister gab es bisher in der Deutschschweiz keine praxisorientierte berufliche Weiterbildung für Winzer/-innen und Weintechnologen/- innen. Solche Fach- und Führungsleute müssen laut Kaspar Wetli fähig sein, eine Stufe höher zu denken, und zwar «von der grünen Wiese bis zum Endprodukt». Nicht nur holte man die Fachkräfte zum Teil aus Deutschland, auch gingen die interessierten Schweizer Berufsleute, die sich weiterbilden wollten und keine Berufsmatur hatten, dafür nach Deutschland, etwa an die staatliche Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau in Weinsberg (D). Um diesem Mangel Abhilfe zu schaffen, begann die Deutschschweizer Weinbaubranche unter dem Lead von Kaspar Wetli zusammen mit dem Strickhof vor einigen Jahren nach Lösungen zu suchen. Die Idee einer Höheren Fachschule Weinbautechnik am Strickhof in Wädenswil setzte sich durch und mit den langjährigen Erfahrungen der HF Agrotechnik am Strickhof Lindau und dessen Leiter, Claude Gerwig, wurde die Entwicklung des neuen HF-Lehrgangs vorangetrieben.

Höchste Weiterbildungsstufe ohne Maturität
Das Resultat ist eine dreijährige, berufsbegleitende Weiterbildung mit den Schwerpunkten technische und kaufmännische Grundlagen im ersten, Führung und Vermarktung im zweiten und Produktions- und Unternehmensentwicklung im dritten Jahr. Nur wer über eine abgeschlossene Berufsbildung als Winzer/- in EFZ oder Weintechnologe/-in EFZ sowie ein Jahr Berufserfahrung verfügt, kann die HF-Weiterbildung abschliessen. Zudem ist eine Anstellung von mindestens 50 Prozent in der Weinbranche Voraussetzung für die Aufnahme. Absolventinnen und Absolventen der HF Weinbautechnik sind nach der dreijährigen Ausbildung fähig, Konzepte für eine nachhaltige und erfolgreiche Unternehmensführung zu entwickeln und in die Praxis umzusetzen. Die Ausbildung zum dipl. Weinbautechniker HF stellt zusammen mit der Höheren Fachprüfung (dipl. Winzermeister) die höchste Ausbildungsstufe dar, für die es keine Maturität braucht.

Stärkung des Bildungsstandortes Wädenswil
«Der neue Lehrgang entspricht einem starken Bedürfnis », so Kaspar Wetli, «denn wir haben mehr als 20 Anmeldungen, also schon eine Warteliste für nächstes Jahr». Er zeigte sich auch froh darüber, dass der Bildungsstandort Wädenswil im Bereich Wein mit der Ansiedlung des neuen HF-Lehrgangs nun wieder gestärkt wird und der BDW mit dem Strickhof einen starken Ausbildungspartner erhalten hat. Denn mit der Verschiebung des Önologie-Lehrgangs auf Stufe Fachhochschule von Wädenswil nach Changins und mit der Verlagerung von Ressourcen bei Agroscope hat der Standort in der Vergangenheit an Ausstrahlung eingebüsst. Für Ueli Voegeli, Direktor des Strickhofs, ist die neue HF auch ein erster Meilenstein für das Projekt «Deutschschweizer Weinbauzentrum »: Derzeit wird geprüft, ob und wie die heutigen Weinbaukompetenzen der ZHAW, von Agroscope, des BDW und des Strickhofs in einem solchen Zentrum gebündelt werden könnten.



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