Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
12. Oktober 2018


Süsse Spargeln für die Städter

Ausgabe Nummer 20 (2015)

Oberhalb des Hüttwilersees produziert Beat Striegl violetten Spargel. Mit einer Fläche von 1,5 Hektaren ist er einer der grössten Produzenten des Nischenprodukts, das auch roh gegessen werden kann.

«Wer erfolgreich Spargeln anbauen will, braucht eine optimale Lage und den idealen Boden dazu», sagt Beat Stiegl, und schneidet mit einem scharfen Messer den gut fingerdicken Spargel ein paar Zentimeter oberhalb der Erdkruste ab. «Die Spargeln sind ganz schön gewachsen in den vergangenen Tagen», sagt der Landwirt, der früher Landmaschinenmechaniker war, als Quereinsteiger den Betrieb seines Onkels übernahm und seither erfolgreich Kartoffeln, Zwiebeln, Futtermais, Raps, Weizen, Zuckerrüben und Salat anpflanzt. Dieses Jahr sei es ideal gelaufen, erzählt er. «Noch bevor der erste Spargel geschnitten wurde, waren die Kartoffeln im Boden.» Für einen Ein-Mann-Betrieb sei es wichtig, dass sich die Arbeiten der verschiedenen Kulturen ideal ineinanderfügen. Hin und wieder sei es auch nötig, dass seine Frau Doris mitanpacke. Bei Engpässen müsse man sich nicht zu schade sein, Saisonarbeiter zu organisieren, schildert er seine Situation als Unternehmer. Vorläufig halte sich die Hektik noch in Grenzen. Wenn das Wetter aber warm und sonnig bleibt, werden ihn die Spargeln in den nächsten Wochen recht fordern. Sie wachsen täglich bis zu 12 Zentimeter und müssen deshalb auch täglich geschnitten werden.

Drei Tonnen
Als Beat Striegl vor ein paar Jahren noch ein zusätzliches Produkt suchte, empfahl ihm die Landi Hüttwilen, den violetten Spargel anzubauen. Er liess sich nicht zweimal bitten und bestellte die vorgesehenen 1,5 Hektaren oberhalb des Hüttwilersees an bester, besonnter Lage, gleich neben seinem Wohnhaus, mit Spargelstauden. Bei einigen wenigen Reihen entschied er sich für eine grüne Sorte. Die Wurzelstöcke liegen ungefähr 25 bis 30 Zentimeter tief im Boden. Im Frühjahr treiben diese Sprossen, welche als Spargeln geerntet werden. Biologisch gesehen sei der Spargel also ein Stengelspross der Spargelpflanze, erklärt Striegl. Im Gegensatz zum weissen Bleichspargel, der unter der Erde wächst und mit Erde angehäufelt wird, strecken die violetten wie auch die grünen Stangen ihre Köpfe an die Luft. Heuer wird Striegl bereits zum dritten Mal ernten und wenn kein Hagel dazwischen kommt, rechnet er mit einem Ertrag von ungefähr drei Tonnen.

Schmecken ähnlich wie die Gartenerbsen
In der Zwischenzeit hat Doris Striegl den Bund der frisch geschnittenen Spargeln gewaschen, Beat Striegl schneidet eine violette Köstlichkeit in zwei Zentimeter lange Stücke zum Probieren. Der Biss ist knackig, frisch und wenn ich nicht wüsste, dass ich Spargeln esse, würde ich meinen, es wären frisch geerntete Gartenerbsen. Striegl und seine Frau lachen: «Das ist der hohe Zuckergehalt, der dem Gaumen schmeichelt.» In der Tat liegt der Zuckergehalt des violetten Spargels um einen Fünftel höher als bei den grünen und weissen Spargeln, zudem fehlen ihm die Bitterstoffe, verrät der Landwirt. Deshalb erstaunt es nicht, dass er als violette Beilage im Salat, aussergewöhnliches Dip-Gemüse oder auch als Grillade immer beliebter wird. Wenn der violette Spargel aber gekocht wird, verliert er die violette Farbe und wird grün. Jürg Weber, Geschäftsführer der Landi Hüttwilen, beobachtet, dass sich der einheimische Spargel je länger je mehr als saisonaler Höhepunkt in der Gemüseproduktion etabliert. Die violette Sorte gelte als interessantes Nischenprodukt. Striegl sei bislang der einzige Landwirt, der mit drei Tonnen doch eine beachtliche Menge dieser edlen Sorte für den Handel produziere. «Wir verkaufen das Gemüse von insgesamt 22 Landwirten aus dem Thurgau und dem Kanton Zürich an verschiedene Grossverteiler und an Detaillisten, wobei die Spargeln den Hauptanteil ausmachen», erklärt Weber. Ein relativ kleiner Teil der violetten Spargeln werde auch im heimischen Volg verkauft, doch der Grossteil komme im Kanton Zürich in den Handel.

Ein Prozent der Spargeln sind violett
Den Grund, weshalb die violetten Exoten nicht in der Ostschweiz verkauft werden, kennt Andreas Bühler, Kommunikationsleiter der Migros Ostschweiz, nicht. Er vermutet, dass die Nachfrage zu gering sei und sich exotische Nischenprodukte bei Konsumentinnen und Konsumenten in der Stadt Zürich besser verkaufen. Francesco Laratta, Leiter Kommunikation der Migros Zürich ergänzt, dass man gemeinsam mit der Landi Hüttwilen den Anbau dieser violetten Spezialität für den Markt der Genossenschaft Zürich aufgebaut habe und man heute erfreut sei, dass damit das Spargelsortiment um eine spannende Spezialität erweitert werden konnte. Die Nachfrage sei auf kleinem Niveau, steige jedoch jährlich weiter an. Verkauft werden die Violetten, die ungefähr ein Prozent der gesamten inländischen Spargelmenge ausmachen, in mittleren und grossen Filialen. In städtischen Filialen beobachte man, dass die Nachfrage nach Exoten oder auch Bioprodukten ausgeprägter sei als auf dem Land. Preislich liegen die violetten im gleichen Segment wie die weissen Spargeln. So liegen die Tagespreise in diesem Jahr im Laden zwischen 18 und 25 Franken pro Kilogramm.


Ruth Bossert










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