Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
13. Juli 2018


Swiss-Beef-Reise führte nach Polen

Ausgabe Nummer 26 (2017)

Die diesjährige Swiss Beef-Reise (Vereinigung für Schweizer Qualitätsrindfleisch) führte vom 7. bis 11. Juni nach Polen. 39 Teilnehmende aus der Produktions- und Futtermittelbranche aus der Deutschschweiz nahmen an diesem Bildungsurlaub teil und besuchten verschiedene Betriebe. Unter anderem den von Lukas Engeler, ehemals Schloss Gündelhart.

Lukas Engeler begann 1998 mit seinem Betrieb in Banie, rund 50 km von der deutschen Grenze entfernt. «Polnisch war wie Chinesisch», berichtet Lukas Engeler über seine anfänglichen Verständigungshindernisse. Heute, nach 20 Jahren, bewirtschaftet er 3000 ha, auf welchen er Winterweizen, Gerste, Silomais für eine deutsche Biogasanlage, Raps und Zuckerrüben anbaut. Das meiste Ackerland wird pfluglos bearbeitet. Die Böden sind qualitativ sehr unterschiedlich, vom schweren Lehmboden für Weizen und Zuckerrüben, bis zum leichten Sandboden auf dem Mais angebaut wird. Gedüngt wird unter anderem mit Mist und Biogas-Substrat aus Holland und Deutschland, was frei Hof per LKW geliefert wird.
Der Grundlohn auf dem Betrieb beträgt netto ca. 20 Zloty pro Arbeitsstunde, dies entspricht ca. fünf Franken. Dazu kommt noch der Akkordlohn pro Hektare. Ein guter Arbeiter kommt während der Ernte schon mal auf 2000 Franken (inklusive Überzeit) pro Monat. Zum Vergleich: der Minimallohn in Polen beträgt umgerechnet ca. 350 Franken pro Monat.

Tierhaltung in Polen wenig entwickelt
Polen ist seit 2004 Mitglied der EU. Für Polen hat sich der Beitritt gelohnt, für die Mechanisierung und Modernisierung werden grosszügige Beiträge gesprochen. Der Staat ist daran, Pachtverträge mit Grossbauern nicht mehr zu erneuern und stattdessen diese zu zerstückeln und den Kleinbetrieben (bis 300 ha) zu verpachten. In den nächsten Jahren würden 200 000 ha in der Region Westpolen zurück an den Staat gehen, zerstückelt und danach als kleinere Flächen wieder verpachtet. Lukas Engeler ist davon jedoch nur am Rande betroffen. Ungefähr drei Prozent seiner Flächen sind Pachten vom Staat, der Rest ist gekauft oder von Privaten gepachtet.
Die Tierhaltung, im Speziellen die Rindfleischproduktion, ist in Polen wenig entwickelt. Engeler sieht das Problem darin, dass nach der Privatisierung Anfang der 90er-Jahre schlechte Jahre folgten und der Staat trotzdem Geld von den polnischen Pächtern einforderte. Daraufhin wurden als erstes die Tierbestände zu Geld gemacht. Jetzt wieder damit anzufangen, sei fast unmöglich. Der typische Pole ist kein grosser Rindfleischesser, dafür kommen Kraut und Kartoffeln beinahe täglich auf den Tisch. In der Region gibt es aber doch da und dort Pouletmast in Franchising. Positiv sei, dass die Landwirtschaft noch nicht besteuert würde, so Engeler.

Vermisst solide und umfassende Berufsausbildung
Bei Engeler herrscht Nulltoleranz gegenüber Alkohol und Diebstahl. Der Maschinenpark und die Gebäude sind eingezäunt und werden von Wachpersonal bewacht. Er beschäftigt zwölf Traktorführer, zwei Mechaniker und sieben Verwaltungs- und Führungsangestellte, dies gibt nur einen kleinen Einblick, wie aufwendig die polnische, respektive die Bürokratie der EU ist. Die Berufsausbildung in Polen ist nicht vergleichbar mit jener in der Schweiz. Seine Mitarbeiter sind meist ungelernt. Lukas Engeler, selbst Vater von drei schulpflichtigen Kindern: «Je länger je mehr vermisse ich die solide und umfassende Berufsausbildung, welche in der Schweiz geboten wird.»

Weitere Programmpunkte
Weitere Programmpunkte der Swiss Beef-Reise waren eine privat geführte Milchwirtschaft mit 500 Milchkühen, die genossenschaftlich geführte Agrofirma Witkowo mit 12 700 ha, das international tätige süddeutsche Agrarinstitut Sano mit 2000 ha, ein Familienbetrieb mit 30 ha, eine Nerz-Farm, der Wallfahrtsort Jasna Gora in Tschenstochau und schliesslich die Stadtbesichtigung Krakaus und die Salzmine Wieliczka. Polen ist ein grosses Land mit viel Potenzial, auch wenn die dortige Landwirtschaft nur schwer durchschaubar ist. Den Swiss Beef-Teilnehmenden bot diese Reise einen vertieften Einblick in ein Land, das in ganz anderen Dimensionen und Distanzen rechnet.


Salome Preiswerk Guhl













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