Ausgabe Nummer 46 (2007)

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SwissGAP – ein Jahr nach der Einführung

Bei rund 150 Thurgauer Obst-, Gemüse- und Kartoffelbetrieben erfolgte im Laufe dieses Jahres die SwissGAP-Kontrolle. Im 2008 sollen die restlichen angemeldeten Betriebe kontrolliert werden. Bisher verlief die Einführung des neuen Standards erstaunlich reibungslos.

Die Grossverteiler fordern von den Früchte-, Gemüse- und Kartoffelbranchen den Qualitätssicherungsstandard SwissGAP und dessen Einführung bei den Vermarktungsbetrieben im laufenden Jahr und bei den reinen Anbaubetrieben bis Ende 2008.

Pilotphase 2005
An der Pilotphase im Jahre 2005 nahm auch der Kanton Thurgau mit 10 Betrieben teil.Aus diesem Testlauf ergaben sich für die kantonale Beratung zwei wichtige Folgerungen:
  1. Da Mitte 2006 noch viele Unklarheiten bestanden, sollte SwissGAP auf den Betrieben nicht überstürzt eingeführt und somit Leerläufen vorgebeugt werden. Intensiv informiert wurde deshalb erst ab September 2007.
  2. Die Flut an Anforderungen und Papier wurde von vielen Betrieben als grosse Hürde wahrgenommenen und löste auch mal diffuse Ängste aus. Die geplanten Einführungskurse sollten sich deshalb auf den für die konkrete Umsetzung benötigten Überblick beschränken und helfen, sich in den Umsetzungsunterlagen zurechtzufinden.

Die kantonale Beratung
In einer Überblicksveranstaltung in Märstetten im September 2006 erläuterten Verbandsvertreter das System SwissGAP. Mit dem Leitsatz «Die Produktion beginnt am Markt – Markt ist Macht» wies Peter Konrad darauf hin, woher und wie stark der Wind bläst. Ab November bis in den April 2007 erhielten anschliessend die interessierten Produzenten mit regelmässig angebotenen Einführungskursen in die «Technischen Anforderungen Swiss-GAP» eine umsetzungsnahe Schulung. Die Crash-Kurse wurden rege nachgefragt – auch von geschlossenen Gruppen – und von über 300 Teilnehmern besucht. Sie werden diesen Winter nochmals ausgeschrieben. Aber auch die Demonstrationen von EDV-Aufzeichnungsprogrammen zur Unterstützung des administrativen Bereichs stiessen auf ein gutes Echo. Halbtägige Betriebsbesuche bildeten und bilden schliesslich die dritte Säule der kantonalen Beratung. Der Einzelbetrieb erhält einen betriebsspezifischen roten Faden für die SwissGAP-Umsetzung – ein Angebot, welches von grossen wie auch kleinen Betrieben in Anspruch genommen wurde.

Erfahrungen aus dem ersten Jahr
Rückblickend kann für das erste Swiss- GAP-Einführungsjahr festgestellt werden, dass sich die im Vorfeld oftmals erahnten Schwierigkeiten meist als kleiner erwiesen. Nicht nur die Produzenten, sondern auch die Kontrolleure waren in einem Lernprozess und mussten sich in SwissGAP einarbeiten. Viele Betriebsleiter schreckte insbesondere der Umfang der Umsetzungsdokumentation ab, den zu überblicken etliche Schweisstropfen kostete. Bei der Infrastruktur musste wohl da oder dort die Pflanzenschutzmittel-/Dünger- Lagerung angepasst oder der Bruchschutz bei Beleuchtungskörpern sichergestellt werden. Nach dem grossen Aufwand im Einführungsjahr dürfte sich der Aufwand in den Folgejahren in Grenzen halten. Gemäss Lorenz Escher, Leiter der Kontrollstelle KOL, haben jene Betriebe, die bisher SwissGAP umsetzten, dies recht motiviert getan. Dies mag erstaunen, war doch der Grund für die Einführung in der Regel einzig die Aufrechterhaltung des Absatzes. Beanstandungen bei den Kontrollen gab es jedenfalls wenige.

Benchmarking unterbrochen
Um von EurepGAP anerkannt zu werden, musste das System SwissGAP einem sogenannten Benchmarking unterworfen werden, einem Vergleich anhand der EurepGAP-Vorgaben. Im November 2006 bestätigte Eurep-GAP die Gleichwertigkeit des Standards SwissGAP. Nachträglich kritisiert wurden allerdings dann doch die Kontrollfrequenzen bei den Anbaubetrieben – alle drei Jahre statt jährlich – und die Anzahl an Oberkontrollen – etwa 10- mal zu wenig. Da solche Mehrkontrollen teuer wären, da SwissGAP ansonsten alle anderen Anforderungen der EurepGAPVersion 2004 erfüllt und da EurepGAP standardmässig bereits für 2007 ein neues Benchmarkingverfahren mit zusätzlichen Anforderungen verlangt, beschloss der Verein SwissGAP zusammen mit Migros und Coop, das Benchmarkingverfahren zurückzustellen. Ein neuer Anlauf für das Anerkennungsverfahren erfolgt deshalb frühestens im 2010. SwissGAP wird in seiner jetzigen Form von den Grossverteilern akzeptiert und muss nicht bereits in der Einführungszeit an neue Vorgaben angepasst werden.

Aus EurepGAP wird GlobalGAP
Wie jedes Qualitätssicherungssystem wird auch EurepGAP immer wieder überarbeitet. Dementsprechend werden die länderspezifischen Standards in regelmässigem Turnus einem Benchmarking (Vergleich) unterworfen und müssen von EurepGAP jeweils anerkannt werden. Im Zuge einer solchen Überarbeitung und im Zuge der Globalisierung heisst Eurep-GAP seit Anfang September 2007 nun GlobalGAP. In dieser Neuversion werden einige der bisherigen Anforderungspunkte strikter eingefordert – beispielsweise werden aus grünen neu gelbe Anforderungspunkte – und es kommen neue Anforderungen hinzu. Ferner ist GlobalGAP neu modulartig aufgebaut, wobei neben dem Basismodul Pflanzen (Obst,Gemüse, Zierpflanzen, Kaffee,Tee, ...) auch die Basismodule Nutztiere (Rinder, Schafe, Geflügel, Schweine) und Aquakultur (Lachs, Forellen, Shrimps, ...) im Programm sind. Der eine oder andere Produzent dürfte deshalb wohl froh sein, dass bei Swiss- GAP das Benchmarkingverfahren zurückgestellt wurde und frühestens im 2010 wieder auf die Traktandenliste kommt! Immerhin: «Auch zukünftig», so betont Marc Wermelinger, Präsident des Vereins SwissGAP, «möchte SwissGAP offen sein für weitere Produktgruppen und Organisationen und eine offene Plattform bleiben für die Umsetzung von GlobalGAP in allen landwirtschaftlichen Sektoren.»

BBZ Arenenberg,Thomas Imhof


Zurzeit produzieren über 80 000 Betriebe
in rund 80 Ländern GlobalGAP-konform.
(zVg)
Zurzeit produzieren über 80 000 Betriebe in rund 80 Ländern GlobalGAP-konform. (zVg)