Ausgabe Nummer 35 (2006)

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SwissGAP und Ernte gaben zu reden


Eine kleine Ernteerwartung in der Saison 2006 und hohe Kosten für SwissGAP bereitet den Kartoffelproduzenten am 4. Kartoffeltag der Agrarhandel AG, Frauenfeld Sorgen.

Keinen leichten Stand hatte Ruedi Fischer, Vizepräsident Verband Schweizerischer Kartoffelproduzenten, am 4. Kartoffeltag der Agrarhandel AG, in Frauenfeld, als er seinen Berufskollegen die Einführung von SwissGAP und die zu erwartenden Kosten vorstellte. In der Diskussionsrunde wurde deutlich hörbar, dass sich die Kartoffelproduzenten von ihrem Verband schlecht vertreten fühlen. Vom Verband wurde eine ähnliche Zurückhaltung, wie von den Obstproduzenten vorgelebt, verlangt. Die zu erwartenden Kosten von 400 bis 800 Franken wurden von den meisten Tagungsteilnehmern als zu hoch eingestuft. Kritisiert wurde auch die zusätzliche Kontrolle zu den bereits vorhanden Kontrollen für die verschiedenen Labels. Der fehlende Fahrplan für die Einführung von SwissGAP verleitete ein Votant zur Aussage: «Die Kartoffelproduzenten, sollten bei SwissGAP nicht schneller marschieren als die Musik spielt.»

Trotz kleiner Ernte hohe Qualitätsansprüche
Trotz der voraussehbaren kleinen Erntemenge verlangen die Grossverteiler eine gute Qualität, stellt Simon Etter, Geschäftsführer Agrarhandel Thurgau, in seinem Referat fest. Er empfahl den Produzenten Qualitätskontrollen auf dem Feld vorzunehmen. Die Anlieferungen sollen auch bei kleinen Mengen frisch erfolgen. Er bat die Bauern keine Zwischenlager anzulegen. Die Anlieferungen sollen jeweils mit vollständigen Ladelisten begleitet werden. Hermann Gaugele, Agrar- und Klimatechnik, Iffeldorf (D), informierte über die Anforderungen für eine gute Lagerfähigkeit von Speisekartoffeln. Er bezeichnete die Kühltechnik der neuen Lagerhallen der Agrarhandel AG in Frauenfeld als optimal. Bei ausgewogener Lagertemperatur ergeben sich nach seiner Erfahrung geringe Lagerverluste bei gleich bleibender Qualität.

Toleranz bei Kalibrierung verlangt
Karl Schälli, Anbauleiter Bina Bischofszell, und Ernst Meier, Lagerhaus Mühle, Altikon, informierten über Industrieverträge und Übernahme der Ernte 2006. Schälli sprach von einem schwierigen Jahr in der Kartoffelproduktion. Gemeinsam müsse versucht werden, das Beste aus der Situation zu machen. Als Qualitätsmerkmale nannte er Schalenfestigkeit, Stärke und Backfarbe. In der Röstiproduktion sieht er Möglichkeiten Ware mit zu kleinen Kalibern zu verwerten. Der Tolleranzwert liegt nach seinen Ausführungen bei 42,5 Millimeter. Meier empfahl den Bauern die Kartoffeln auf dem Feld gut zu beobachten. Dabei seien starke Nerven gefragt. Im Namen der Kartoffelproduzenten dankte Meier dem ehemaligen Betriebsleiter der Agrarhandel AG Samuel Lehmann und seiner Ehefrau Maja für ihren grossen Einsatz zu Gunsten der Kartoffelproduktion. Er wünschte den beiden im «Ruhestand» gute Gesundheit und viele erfreuliche Stunden. In der anschliessenden Diskussion wünschte ein Kartoffelproduzent, dass angesichts der kleinen Ernte die Kalibrierung auf 40 mm festgelegt werden sollte.

Mario Tosato


Vier mit «Herzblut» für die Kartoffelproduzenten (v. l. n. r.): Samuel Lehmann, Brigitte Meier, Maja Lehmann und Ernst Meier. (tos)
Vier mit «Herzblut» für die Kartoffelproduzenten (v. l. n. r.): Samuel Lehmann, Brigitte Meier, Maja Lehmann und Ernst Meier. (tos)