Ausgabe Nummer 21 (2005)

zurück zur Übersicht

Tafeltrauben aus dem Thurgau – ein neues Produkt mit Zukunft

Schwerpunkt

Tafeltrauben aus dem Thurgau – ein neues Produkt mit Zukunft

Unsere Idee, unser empfohlenes Sortiment

Gründe für den Tafeltraubenanbau – Weltweit bedeutendste Früchteart.
im Thurgau

– Weltweit bedeutendste Früchteart.
– 40000 Tonnen Tafeltrauben werden jährlich in die Schweiz importiert.
– 5% Selbstversorgungsgrad in der Schweiz ergibt eine Produktionsfläche von 100 – 150 ha bzw. 2000 Tonnen Tafeltrauben.

Gesetzliche Bestimmungen

– Gemäss Weinverordnung des Bundes vom 7. Dez. 1998 unterliegt der Anbau von Tafeltrauben nicht mehr dem Weinrecht. Tafeltrauben können ausserhalb der Rebbau-Katasterzone angebaut werden.

Sortenversuche am LBBZ Arenenberg

– 1999 sind am LBBZ Arenenberg die ersten Tafeltrauben zur Beobachtung und Erfahrungsgewinnung gepflanzt worden.
– In der Zwischenzeit sind weitere Sorten dazu gepflanzt worden.

Erste Erfahrungen mit den Sorten

– Einige Sorten, vor allem ungarischer Herkunft, haben unsere Anforderungen erfüllt.
– Verschiedene bisherige Sorten haben nicht befriedigt und wurden bereits wieder gerodet.
– Zurzeit werden am LBBZ Arenenberg über 40 Sorten getestet. Einige davon sind kernlos.

Sorten, die sich für den wirtschaftlichen Anbau im Thurgau eignen.
Weisse Sorten:

Lilla: Frühreife Tafeltraube mit grossen Trauben und grossen, leicht ovalen, festfleischigen Beeren; schmeckt angenehm süss und hat ein festes Fruchtfleisch. Reift Ende September.
Fanny: Mittelfrühreife Tafeltraube mit grossen Trauben und grossen, leicht ovalen, festfleischigen Beeren; schmeckt angenehm süss und hat ein festes Fruchtfleisch. Reift Anfang Oktober.
Angela: Spätreife Tafeltraube mit grossen Trauben und grossen, gelbgrünen, festfleischigen Beeren; schmeckt angenehm süss und hat ein festes Fruchtfleisch. Reift Ende Oktober.

Blaue Sorten:

Nero: Frühreife Tafeltraube, mit kompakten Trauben und mittelgrossen, ovalen Beeren; schmeckt angenehm süss und hat ein festes Fruchtfleisch. Reift Ende September.
Muscat bleu: Frühreife Tafeltraube mit grossen, lockeren Trauben und mittelgrossen, runden Beeren; schmeckt süss und hat einen leichten Muskatton. Reift Ende September.

Anbausysteme, Erstellungskosten und Vermarktung



Arenenberger V-System

– Trauben hängen frei und verranken sich nicht mit den Binde- und Heftdrähten.
– Optimale Pflege der Trauben und Bewirtschaftung der Kulturen.
– Ideale Bearbeitungshöhe.
– Optimale Belichtung und grosse Assimilationsfläche.
– Ermöglicht optimalen Witterungs-, Vogel- und Wespenschutz.
– Ermöglicht mechanische Pflegemassnahmen wie im Obst- und Weinbau üblich.
– Pflanzabstände betragen 3,0 x 1,1 – 1,3 m je nach Sorte.

Erstellungskosten

– Erstellungskosten inkl. Arbeiten, Neuanlage, Witterungs-, Vogel- und Wespenschutz, Bewässerung und Unterhalt bis 4. Standjahr (Vollertrag):
– Neuanlage ohne Gerüst: Fr. 30000.–/ha
– Gerüst, Witterungs-, Vogel- und Wespenschutz, Bewässerung Fr. 90000.–/ha
– Pflege und Unterhalt bis 4. Jahr: Fr. 25000.–/ha
Total Erstellungskosten bis 4. Standjahr Fr. 145000.–/ha

Erträge

– ab 4. Standjahr Beginn der Vollertragsphase
– Bei Vollertrag und optimalen Bedingungen 18000 kg/ha
– Ertrag im Ø von 20 Jahren inkl. Fehljahre: 13500 kg/ha

Vermarktung

– Im Jahr 2004 sind von den zweijährigen Tafeltraubenkulturen rund 15000 kg Tafeltrauben geerntet und über die THURTA vermarktet worden.
– Im Jahr 2005 wird eine Erntemenge von rund 30000 kg erwartet.
– Die Thurgauer Tafeltrauben werden in einem einheitlichen Verkaufsgebinde vermarktet.
– Im vergangenen Jahr sind alle Thurgauer Tafeltrauben über die Migros Ostschweiz vermarktet worden.
– Mit zunehmender Menge werden zukünftig auch weitere Detaillisten beliefert.
– Die Mitglieder der THURTA können ihre Tafeltrauben auch ab Hof oder privat verkaufen, müssen aber die Normen und Vorschriften der THURTA einhalten und dürfen die Trauben nur im offiziellen Gebinde unter dem Namen THURTA verkaufen.

Anbaufläche und Ziele



Anbauflächen der THURTA Stand 2005

– Weisse Sorten: 5,03 ha
– Blaue Sorten: 2,80 ha
– verschiedene Versuchssorten: 0,41 ha
– Total Tafeltrauben 8,24 ha

Anbaufläche in der Schweiz Stand 2005 ohne Chasselas

– Thurgau 8,2 ha
– Wallis 3,0 ha
– Waadt 1,5 ha
– übrige Gebiete 2,5 ha

Erwerbsproduktion

– Die Tafeltraubenproduktion ist nicht nur eine alternative Nischenproduktion, sondern eine Erwerbsproduktion für den Grossmarkt, den Detailmarkt und die Direktvermarktung und dient dem wirtschaftlichen Erwerb.

Zukünftiges Angebot

– Angebot aus professionellen Kulturen.
– Gute Qualität, produktive Sorten mit optimalen Lagerungseigenschaften.
– Sortiment entsprechend den Konsumentenbedürfnissen.
– Umweltschonende Produktion dank teilresistenten Sorten.

Konsum

– Tafeltrauben aus der Region ab September.
– Hauptkonsumzeit: Oktober bis Dezember dank guten Lagerungsmöglichkeiten und Eignung der Sorten.
– 60% weisse Sorten, 35% blaue Sorten, 5% rosa Sorten, entsprechend dem Konsumentenbedürfnis.

Ausblick

– Die Tafeltraubenproduktion im Thurgau ist und bleibt eine anspruchsvolle Erwerbs-produktion.
– Das Produkt und wird vom Konsumenten sehr geschätzt.
– Mit den ersten Erfahrungen haben unsere Produzenten viel Lehrgeld bezahlt.
– Dank diesen Erfahrungen konnte der Stand in der Produktionstechnik und bei der Sortenwahl soweit gefördert werden, dass die Tafeltraubenproduktion heute auf einem soliden Fundament steht.
– Das zukünftige Sortiment muss eng bleiben, sodass mit jeder Sorte ein genügendes Marktvolumen abgedeckt werden kann.
– Die Erstellungs- und Produktionskosten sind nach wie vor sehr hoch und bedingen auch zukünftig das Erreichen einer entsprechend hohen Wertschöpfung.

LBBZ Arenenberg, Fachstelle Obst- und Rebbau: Bruno Hugentobler