Ausgabe Nummer 2 (2012)

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Tageskinder bringen viel Gefreutes

Aus der Kommission Betreuungsleistungen

Es ist Mittwoch. Unsere Tochter Theres hat sich mit ihren zwei Kindern (zweieinhalbjährig und einen Monat alt) zum Mittagessen angemeldet, ebenfalls Tochter Brigitte mit ihrem Sohn (zwei Monate alt). Tageskind Stefan, der Drittklässler freut sich jedesmal, wenn sie kommen. Er spielt gerne mit Tobias. Für den gut Zweijährigen ist Stefan wie ein grosser Bruder. Diesmal sitzen vier Generationen am Tisch. Der Urgrossvater kommt, wie jeden zweiten Tag, zum Mittagessen. Hoffentlich wird es nicht zu viel für ihn! Nach dem Mittagessen kreuzt noch Tim, achtjährig, auf. Er darf jeden Dienstagund Mittwochnachmittag zu uns kommen.

Nach dem Essen muss Tobias seinen Mittagsschlaf halten. Für unsere zwei sehr aktiven Schulbuben eine Herausforderung. Sie sollen leise im Nebenzimmer spielen, bis die Küche einigermassen aufgeräumt ist. Nachher dürfen sie Lebkuchenhäuschen bauen. Als Muster baue ich ein drittes für Tobias auf. Jetzt geht es ans Verzieren. Je drei Portionen Smarties, Zuckerkügeli, Schoggitäfeli, Herzli usw. werden eingeteilt. Dazu kommen noch Marzipanschweinchen, Blumenröschen, Tannen aus Biberteig und natürlich viel Zuckermasse. Mit den Biberresten wird noch je nach Fantasie ein Zaun, Brunnen, Abflussrohre oder anderes zugeschnitten. Es entstehen drei ganz verschiedene Knusperhäuschen.

Durch Zufall Tagesmutter
Vor 14 Jahren suchte ein Theaterkollege eine neue Tagesmutter für seine zweijährige Tochter. Spontan meldete ich mich. Aus dieser spontanen Bereitschaft wurde eine starke, bis jetzt bestehende Beziehung zu Saskia. Für unsere vier eigenen Kinder im Teenageralter wurde sie die kleine Schwester. Immer wieder waren Kinder aus dem Dorf als Tageskinder während Jahren bei uns. Zusätzlich betreuen wir zeitweise Jugendliche aus schwierigen Situationen, die im Betrieb oder Haushalt mithelfen oder noch die Schule besuchen.

Der Abschied fällt jeweils schwer
Es gab nie grosse Probleme mit den Tageskindern. Ab und zu gibt es Streit, wie unter Geschwistern auch. Tageskinder bringen zusätzlich Leben ins Haus und viel Gefreutes. Gerade auf einem Bauernhof hat es viel Platz, Natur, Auslauf für die Kinder, und die Tiere sind ebenfalls eine Bereicherung. Viele Tageskinder sind Einzelkinder, so haben sie bei uns Gspänli wie Geschwister. Sie erleben aber auch den Umgang mit älteren Personen. Es ist schön, zu erfahren, wie die Tageskinder sich einleben in unsere Gemeinschaft und wie die Beziehung wächst. Der Abschied fällt dann jeweils schon etwas schwer. Doch damit muss man rechnen, wenn man Tageskinder aufnimmt.
Stefan und Tim dürfen nochmals im Zimmer mit Legos spielen. Bald darauf werden sie von ihren Müttern abgeholt. Mit Stolz zeigen sie ihr selbstgebautes und verziertes Häuschen vor, das sie heimnehmen dürfen. Wie lange bleiben diese ganz?


Lisbeth Hofer