Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
13. Juli 2018


Task Force bringt weitere Erkenntnisse im Umgang mit der Kirschessigfliege

Ausgabe Nummer 40 (2014)

Anlässlich einer weiteren Sitzung der Task Force KEF haben über 30 Vertreter aus der ganzen Deutschschweiz und dem grenznahen Ausland am Montag auf dem Charlottenfels die aktuelle Lage im Umgang mit der Kirschessigfliege KEF besprochen sowie den Blick in die Zukunft gewagt.

Praktisch alle Sorten und Lagen betroffen
Die gemachte Situationsanalyse hat es eindrücklich gezeigt: Die Kirschessigfliege ist überall und in jedem Rebberg zu finden. Die Fliege bevorzugt zwar Beeren und Steinfrüchte. Findet sie aber dort keine Nahrung mehr, weicht sie einfach auf die nächstbeste Alternative aus. Insbesondere gefährdet durch Zuflug sind Rebgebiete in Randpartien und in der Nähe von Dornensträuchern, Feldgehölzen oder nicht geernteten Kirschen- und Zwetschgenbäumen. Es hat sich aber auch gezeigt, dass mit fortschreitender Reife die Attraktivität der Trauben zunimmt. Waren anfänglich vor allem frühreifende Sorten wie Acolon, Cabernet Dorsa, Regent oder Dornfelder von Befall betroffen, hat sich bis heute die Palette von mit Kirschessigfliegen befallenen Sorten praktisch aufs ganze Sortenspektrum ausgedehnt. Zwar gibt es nachweislich einen Gradienten bei der Anfälligkeit zwischen den Sorten, dennoch muss unter den aktuellen Voraussetzungen und dem enorm hohen Aufkommen der Kirschessigfliege grundsätzlich davon ausgegangen werden, dass praktisch alle Sorten mehr oder minder unter der asiatischen Fliege leiden.

Für die Blauburgunderernte ist es noch zu früh
Die vorliegenden Ergebnisse der Reifeentwicklung zeigen, dass mit den aktuell registrierten Tageszunahmen von rund einem halben Grad Öchsle pro Tag in dieser Woche die 80 °-Marke beim Blauburgunder in allen Lagen überschritten wird. Die Resultate der Vorwoche zeigen per 22. September 2014 eine Spanne zwischen 72 bis 82 °Öchsle je nach Klon und Lage. Damit dürfte die Haupternte unter Berücksichtigung des jeweiligen Gesundheitszustandes ab Mitte Oktober erwartet werden. Die notwendige Geduld ist also einmal mehr gefragt. Die bisherige Reifeentwicklung und der sehr schöne September lassen tatsächlich auf einen sehr schönen Jahrgang hoffen. Die nächste Vollprobe inklusive Säure- und pH-Werte ist dann für nächste Woche geplant.

Ein Zusammenspiel vieler Faktoren – kalte Nächte und sonnige Tage helfen
Der milde Winter wie auch die tropischen Bedingungen während des Sommers und das permanente Nahrungsangebot haben ganz wesentlich zur momentanen Situation und dem starken Auftreten der Kirschessigfliege beigetragen. Andererseits gibt es auch zahlreichen «Mischbefall» in den Trauben. Wir stellen durch den grossen Behang teilweise erhebliche Botrytisnester, Stellen mit Echtem Mehltau wie auch Wespenfrass und Sauerwurmbefall fest. Insbesondere auch dort, wo kaum oder nicht genügend reguliert worden ist. Hier ist ein grosser Mehraufwand für Sönderungsarbeiten erforderlich. Einmal mehr ist es damit auch entscheidend, wie sich die weitere Witterung entwickeln wird. Die ersten kalten Nächte wie auch sonniges und trockenes Wetter tragen wesentlich zu Entspannung der Lage bei. Diese Voraussetzungen tun nicht nur der Reife der Trauben gut, sondern beeinträchtigen auch ganz klar die Aktivität der Kirschessigfliege.

Fokussierte Information entspannt die Lage
In den letzten Tagen und Wochen konnte innert sehr kurzer Zeit ein enormer Erfahrungsschatz im Umgang mit der Kirschessigfliege gesammelt werden. Dabei kam den in vielen Regionen intakten Strukturen der Rebbaugenossenschaften und Rebbergkooperationen eine wesentliche Bedeutung zu. Vielerorts hat man sich über diese Organisationen informiert und ausgetauscht und Erkenntnisse weitergegeben im Sinne von «geteiltes Leid ist halbes Leid». Dank einem Sondereffort der kantonalen Fachstelle, welcher weit über die Kantonsgrenzen hinausreichte, konnte stets aus erster Hand und über die neusten Erkenntnisse informiert werden. Dabei war die Initiierung der Task Force ein probates Mittel, wel- ches auch von den anderen Kantonen im Sinne einer Bündelung der Erfahrungen und Interessen geschätzt wurde. Dies alles in Verbindung mit zwar späten, aber wirkungsvollen Zulassungen von Pflanzenschutzmitteln hat zur Entspannung der Lage beigetragen.

Aktuelle Erkenntnisse und Empfehlungen
Die Task Force hat es eindrücklich bestätigt. Dort, wo früh und konsequent die empfohlene Strategie angewendet worden ist, sind die Schäden tiefer und der Befallsdruck der Kirschessigfliege konnte stabilisiert werden. Hingegen sind vor allem Randlagen trotz Behandlung besonders von Schäden betroffen. Die Kontrollierbarkeit des Zugflugs scheint ein sehr entscheidender Faktor zu sein. Die Empfehlungen gelten gleichwohl unverändert und wurden vom zuständigen Bundesamt für Landwirtschaft nochmals bestätigt. Der Einsatz von Gazelle SG ist und bleibt auf eine einmalige Anwendung beschränkt. Als Ergänzung, beziehungsweise alternierend und für den Einsatz kurz vor der Ernte wird unvermindert Audienz empfohlen. Entscheidend bleibt die regelmässige Überwachung der Bestände. Gerade für Spätlesen und späte Lagen ist die Kontrolle konsequent aufrecht zu erhalten.

Möglichkeit des Parallelimportes
Gemäss neusten Informationen ist das Pflanzenschutzmittel «Spintor» mit dem Wirkstoff Spinosad in Deutschland wieder in genügenden Mengen ab Lager erhältlich. Diese Mittel sind homolog, das heisst wirkungsgleich zu Audienz. Dank der Parallelimportregelung für Pflanzenschutzmittel mit einer durch die Schweizer Behörden anerkannten Deutschen Zulassung können diese Mittel in die Schweiz importiert und angewendet werden. Gemäss vorliegender Bestätigung des Bundes steht damit eine weitere, wirkungsvolle und verfügbare Bekämpfungsmöglichkeit zur Verfügung.


Markus Leumann,
Fachstelle Weinbau Schaffhausen/Thurgau




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