Ausgabe Nummer 36 (2009)

zurück zur Übersicht

Tausende von Bauern demonstrierten

Bauernaufstand in Sempach

In Sempach haben Tausende von Bauern aus der ganzen Schweiz am Bauernaufstand eine Systemänderung im Milchmarkt gefordert. Gleichzeitig wird der Bundesrat aufgerufen, die Verhandlungen für ein Agrarfreihandelsabkommen sofort abzubrechen.

In der Schweiz befindet sich der Milchmarkt in einer schweren Krise, und auch die Getreidepreise sind im Sinkflug. Nach dem Hoch im vergangenen Jahr sind die Milchpreise in der Schweiz wie auch im benachbarten Ausland regelrecht eingebrochen. Mit der definitiven Aufhebung der Milchkontingentierung auf Anfang Mai 2009 verfügt man in der Schweiz nicht mehr über ein Instrument, um die Menge zu steuern. Zudem zeigt sich immer mehr, dass das Käsefreihandelsabkommen mit der EU gescheitert ist und sich zum einem Desaster entwickelt. Vor diesem Hintergrund riefen das bäuerliche Zentrum Schweiz (BZS), die Milchbauernorganisation BIG-M sowie die SVP zum Bauernaufstand nach Sempach auf, um der Politik den Druck der Basis deutlich zu zeigen. Zu Tausenden reisten die vielen besorgten Bauern aus allen Landesteilen an, um an der völlig friedlich und gut organisierten Kundgebung auf dem symbolträchtigen Schlachtfeld in Sempach als Zeichen teilzunehmen. Auffallend dabei war der hohe Anteil aus der Westschweiz, wo noch vor zehn Jahren eine ganz andere, eher EUfreundliche Stimmung vorhanden war, welche jetzt einer späten Ernüchterung gewichen ist.

Friedlicher Protest
Doch wer in Sempach eine Horde aufgebrachter und ungezügelter Protestler erwartete, wurde arg enttäuscht. Ganze Familien fanden den Weg auf das ehemalige Schlachtfeld, um ihren Unmut, ihre Nöte und Sorgen zu zeigen. Gleichzeitig wollen viele der angereisten Kundgebungsteilnehmer auch ein klares Zeichen setzen, damit die Politik etwas unternimmt. Über dem Gelände breitete sich rasch fast eine volksfestähnliche Stimmung aus, welche den friedlichen Protest durchaus auch untermauerte. Transparente in allen Landessprachen werden aufgerollt, und man gibt sich trotz der fast fröhlichen Stimmung kämpferisch. Insbesondere Bundesrätin Doris Leuthard steht dabei im Fokus der aufgemalten Forderungen und wird vielfach scharf kritisiert. Symbolisch wurde vor dem Abschluss mit Milchkannen eine grosse Pyramide aufgebaut, welche aufzeigte, dass der Milchmarkt unter der Marktbelastung rasch zusammenbrechen kann. Mit der einstimmig verabschiedeten Resolution richteten die rund 10 000 nach Sempach gereisten Bauern klare Forderungen an den Bundesrat. Darin wird auf das Landwirtschaftsgesetz hingewiesen, welches Rahmenbedingungen für einen möglichst hohen Markterlös ermöglicht.

Roland Müller



Auf Transparenten wurde der Unmut der Bauern zum Ausdruck gebracht. (RoMü)
Auf Transparenten wurde der Unmut der Bauern zum Ausdruck gebracht. (RoMü)

Die Milchkannenpyramide bricht unter
der Last des Milchmarktes symbolisch
zusammen. (RoMü)
Die Milchkannenpyramide bricht unter der Last des Milchmarktes symbolisch zusammen. (RoMü)