Ausgabe Nummer 39 (2006)
Thurgau will Ammoniak reduzieren
Pilotprojekt «Ammoniak Thurgau»
Im Rahmen des vom Bundesamt für Landwirtschaft vorgesehenen «Ressourcenprogramms» lanciert das Kantonale Landwirtschaftsamt und das Amt für Umwelt unter Mitwirkung der bäuerlichen Organisationen das Pilotprojekt «Ammoniak Thurgau».An der Informationsveranstaltung zum Pilotprojekt «Ammoniak Thurgau» konnte Hans Stettler, Chef Landwirtschaftsamt Thurgau, in Märstetten Vertreter aller massgeblichen landwirtschaftlichen Organisationen aus dem Thurgau begrüssen. Mit Viktor Kessler war auch ein Vertreter des Bundesamts für Landwirtschaft (BLW) anwesend, welches das Bundesprogramm «Nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen» lanciert. Da der politische Druck im Bezug auf den Ammoniakausstoss im Kanton wachse, wolle sich der Thurgau am Ressourceprogramm beteiligen. Zum einen könnte der Thurgau so mitgestalten was später Vorschrift werde, und zum anderen werde dieses Programm vom BLW finanziell unterstützt, erklärt Stettler.
Thurgau mit grossen Ammoniakemissionen
Wie Anneliese Übersax, Beratungsstelle Agridea Lindau, feststellt, werden rund 90 Prozent der Ammoniakemissionen durch die Tierhaltung verursacht. Mit 51 Kilo Stickstoff pro Hektare belege der Thurgau bei einem Schweizerischen Mittel von 38 Kilogramm den 6. Rang. Die Konferenz der Landwirtschaftsämter Schweiz (Kolas) empfehle deshalb in allen Kantonen die Umsetzung von Standartmassnahmen. Diese seien auf vielen Betrieben umsetzbar, hätten ein grosses Reduktionspotential und seien in der Regel gut akzeptiert. Für Kantone mit überdurchschnittlichen Emissionen brauche es weiterreichende Massnahmen wie Biowäscher, Kottrocknung, technische Aufbereitung von Hofdünger und anderes mehr.
Zielorientierte Verbesserung
Nach Meinung von Roland Künzler, Agridea Lindau, der das Pilotprojekt als Coach begleiten wird, bringt das Ressourcenprogramm viele Vorteile. So werde eine zielorientierte Verbesserung der ökologischen Leistungen erbracht. Die Massnahmen seien aus einem Guss und können auf andere agrarpolitische Instrumente abgestimmt werden. Dabei könnten die Bedürfnisse der Regionen berücksichtigt werden. «Die Eigenverantwortung wird gestärkt und der Handlungsspielraum der Landwirte wird erweitert», betont Künzler. Laut seinen Aussagen ist es das erklärte Ziel des Thurgauer Pilotprojektes den Hofdüngerstickstoff zu optimieren, die Stickstoffeffizienz zu steigern und die Ammoniakverluste massiv zu reduzieren.
Projektkosten
Die Projektierungskosten für das Jahr 2007 belaufen sich nach Stettlers Angaben für das Jahr 2007 auf 40 000 Franken. Das BLW beteiligt sich mit 20 000 Franken, der Kanton mit 14 000 Franken und die sieben landwirtschaftlichen Organisationen mit total 6 000 Franken. In den Finanzplan des Kantons Thurgau wurden für das Jahr 2008 200 000 Franken aufgenommen, was beim BLW 800 000 Franken auslöse. Die Vertreter des Thurgauer Bauernverbands (TBV), der Thurgauer Milchproduzenten (TMP), der Maschinenringe (MR), des Thurgauer Verbands für Landtechnik (TVLT), der Suisseporcs Ostschweiz, des LBBZ Arenenbergs sprachen sich einstimmig für das Pilotprojekt aus, welches auf sechs Jahre befristet ist.
Mario Tosato
| Projektteam Dem Projektteam gehören folgende Personen an: Andreas Binswanger, Hans Engeli, Jakob Hug, Markus Hausammann (alle TBV), Jörg Schöni, Hans Rohr-Blättler (beide TMP),Hansjörg Uhlmann (TVLT), Thomas Kressibucher (Suisseporcs), Urs Schwizer, Daniel Haffa (beide MR Boden-See-Rücken), Hansruedi Osterwalder (MBR TG AG), Gregor Affolter, Christoph Baumgartner (beide LBBZ Arenenberg), Dunja Dux (ART Tänikon), Beat Baumgartner (Amt für Umwelt). (tos) |

Hans Stettler, Annelies Übersax und Roland Künzler (v. l.) informierten über das Pilotprojekt «Ammoniak Thurgau». (tos)
