Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
13. April 2018


Thurgauer Ananaskönig berichtete am Chlaushöck in KIingenzell

Ausgabe Nummer 6 (2016)

Am 18. Dezember 2015 trafen sich 33 ehemalige Arenenberger des Abschlussjahres 1985 im Restaurant Klingenzellerhof. Neben dem Samichlaus berichtete Johann Dähler, bekannt als «Ananaskönig», aus seinem Leben.

Die Klassenzusammenkunft begann mit einem Glühwein im Vorzelt der Gaststätte. Klassenkamerad Pirmin Dähler ist hier aufgewachsen und begrüsste die Teilnehmer. Im regen Austausch erzählten die Ehemaligen von ihren Betrieben, Familien und Aktivitäten im In- und Ausland. Nach dem Apéro ging es hinüber ins Säli zum Vortrag und anschliessendem Essen.
Erich Markwalder begrüsste den Referenten. Johann Dähler weilte aufs Jahresende gerade in der Schweiz, so musste man die Gelegenheit nutzen. Vor 20 Jahren arbeitete Erich mehrere Monate beim Ananaskönig in Tiassalé an der Elfenbeinküste. Aber auch der Schreibende war vor 30 Jahren als «Tramper» auf dem Betrieb des «Flug-Ananas-Pioniers». Weil man damals oft von Johann Dähler und seinen JAHMAnanas hörte, besuchten etliche junge Schweizer Landwirte den Thurgauer an der Elfenbeinküste, oder arbeiteten bei ihm im Eggishof beziehungsweise im Eichhof in Helsighausen. Unter ihnen war Sepp Egger, Wertbühl, Hansjörg Forrer, Salez, oder Ruedi Stark, Wängi. Johanns Onkel Josef Dähler war Landund Gastwirt in Klingenzell, aber auch als Messmer der Wallfahrtskapelle und als Gantrufer bekannt. Er wohnt in Mammern und erfreut sich mit 93 Jahren guter Gesundheit. 56 Lehrlinge hatte er ausgebildet, auch den Berichterstatter. Erich Markwalder ist erfahrener Afrikareisender. Auf seine Anfrage bekam er von den Klassenkameraden den Auftrag, ein Projekt für eine Reise zu Johann Dähler an die Elfenbeinküste auszuarbeiten. Sie wird Mitte November 2016 stattfinden und umfasst fünf Tage tropische Landwirtschaft, wie auch fünf Tage Badeferien. In absehbarer Zeit werden die Klassenkameraden informiert. Johann Dähler freut sich, Berufskollegen das Land und seine neuen Plantagen zu zeigen.

Lebensgeschichte des Ananaskönigs
Johann Dähler wuchs als Ältester einer Appenzeller Bauernfamilie mit zehn Kindern im Eggishof in Fruthwilen TG auf. Während und nach der Militärzeit bis zum Feldweibel verbrachte der ausgebildete Landwirt 1973 bis 1976 Zeit in Afrika in einem Gemüsebauprojekt im Rahmen einer Entwicklungshilfe mit Union Suisse Centre Africaine. 1976 bis 1977 war Johann für den Mühlebauer Bühler Uzwil in Johannesburg bei den Endmontagen verantwortlich. 1977 gründete er sein erstes Handelsunternehmen für Früchte und Pflanzen im Kongo. Dann führte ihn sein Weg in die Elfenbeinküste nach Tiassalé, wo er bei Safco Betriebsleiter einer Ananasfarm wurde. 1982 konnte er die Farm SIGA kaufen, die zur Heimat für ihn, seine Frau Jolanda und die vier Kinder Andrea, Johann, Stéphane und Michael wurde. Die 2500 ha sind in 14 Plantagen aufgeteilt. In den folgenden 18 Jahren stieg der Export von 200 t auf 20 000 t Ananas, 4000 t Bananen und 250 t Zimmerpflanzen pro Jahr. 1998 wurden 240 ha Gummibäume gepflanzt, nach einer 15-jährigen Entwicklungszeit. Sechs Jahre nach der Pflanzung hätte man den ersten Ertrag erwarten können. Im Jahr 2000 verlor Johann Dähler alles an der Elfenbeinküste aufgrund eines Liquiditätsengpasses und politischen Unruhen, die in einem Bürgerkrieg gipfelten. 1200 Angestellte verloren ihre Arbeit, vorwiegend Leute aus Burkina Faso. Ganze Dorfgemeinschaften blieben ohne Einkommen.
Auf Johanns Initiative und mit Unterstützung seiner Söhne wagten die Dählers einen Neuanfang in Costa Rica. Sie wollten Ananas anbauen. Eine Produktion mit geeignetem Kostenumfeld setze eine gewisse Fläche voraus, so der Referent. 2004 konnten sie 375 ha im Hügelland von Sarapiqui kaufen und im folgenden Jahr auf 750 ha ausbauen. Ein Schutzwald von 210 ha mit dem Label «Fonofifo» gehört auch zum Anwesen. Costa Rica hat die Ananasproduktion in den letzten 15 Jahren auf 1,5 Mio. Tonnen versechsfacht. Sein Unternehmen produziert 2 bis 3 % davon. Johann Dähler ist aber ein kleverer Nischenplayer neben Dole, Del Monte, Chiquita und anderen, wenn es darum geht, ein knapp ausgelastetes Frachtschiff aufzufüllen.
«Im Alter wird nicht nur der Wein milder», so der Referent. Zwei Jahre musste Johann Dähler aus gesundheitlichen Gründen kürzer treten. Neun Monate musste er in regelmässigen Abständen an die Dialyse ins Kantonsspital Frauenfeld, bis ihm eine Ersatzniere von seiner Frau implantiert wurde. So hat auch sein Leben wie sein Unternehmen mehrmals an einem seidenen Faden gehangen. Heute gehe es ihm gut und dafür ist er einfach dankbar. In dieser Zeit sind die Söhne in seine Fussstapfen getreten und haben das Tagesgeschäft übernommen. Sie diversifizierten, sodass Stéphan seit einigen Jahren ein Tourismusunternehmen für Reisen nach Costa Rica führt. Seine Landwirtschafts- und Abenteuerreisen in Costa Rica kann man weiterempfehlen.
2003 ging Tochter Andrea mit ihrem Mann Michael Farhat zurück an die Elfenbeinküste und bauten das Unternehmen seiner Familie aus. 2012 konnten die Dählers von der SIGA in Tiassalé rund 500 ha zurückkaufen um neu anzutreten. Von den 240 ha Gummibäumen standen gerade noch 11 ha. Die andern wurden übernutzt oder zu Brennholz. Jetzt wird die Gummibaumplantage wieder aufgebaut.
Auf 100 ha besteht eine Bio-Kakaoplantage nach dem Agroforstsystem von Tropenpionier Ernst Götsch. Johann Dählers Freund, der Schweizer Gipfelikönig Fredy Hiestand, finanziert das von Joachim Milz geleitete Projekt. Das Prinzip basiert darauf, dass Kakaobäume im Schatten von verschiedenen, auch schädlingsanziehenden Waldbäumen in einer Gemeinschaft mit Bananen-, Zitrus-, Neem-, Papayaund Moringabäume wachsen. Die Grünmasse von den 3 m breiten Grasstreifen in den Fahrgassen dienen als organischer Dünger und Verdunstungsschutz für die ebenso breiten Fruchtbaumstreifen. Es stehen rund 500 Waldbäume pro ha. Neben den Fruchtbäumen wachsen Stärkepflanzen, Gemüse und Leguminosen. Die Produkte gelangen auf den regionalen Markt. Es gäbe noch vieles zu berichten, was Praktikant und angehender Agronom ETH Lucca Costa über den Anbau der Tropischen Kulturen weiter ausführte. Alle Anwesenden waren beeindruckt von der Tropischen Landwirtschaft und der Lebensgeschichte, den Ideen und dem Durchhaltewillen von Johann Dähler, der auszog und als Ananaskönig heimkehrte.

Der Samichlaus fand am Ende seiner Saison noch Zeit, bei den Ehemaligen zum Rechten zu sehen. Er stellte fest, dass Klassenkamerad und KOL-Mitarbeiter Werner Schläpfer ein überaus korrekter Kontrolleur sei, während Bruno Goldinger für seinen fast tadellosen Lebenswandel gewürdigt wurde. Mit weiteren Sprüchen und Erinnerungen, die ausgetauscht wurden, fand die Zusammenkunft ihren Abschluss. Felix Städler und seinem Team, der den Klingenzellerhof seit Januar 2015 führt, wurde der Empfang und das Essen mit einem Applaus verdankt.


Paul Wirth, Berg



















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