Thurgauer Ausbildungsmodell im Brennpunkt
Ausgabe Nummer 45 (2003)
Thurgauer Ausbildungsmodell im Brennpunkt
| Berufsinformationsveranstaltung Landwirt / Landwirtin am LBBZ Arenenberg | |||
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| Morgen Samstag informiert die Schulleitung des Landwirtschaftlichen Bildungs- und Beratungszentrums (LBBZ) Arenenberg über den Beruf Landwirt / Landwirtin. Im Zentrum der Diskussion steht zurzeit das «Thurgauer Modell» einer dreijährigen Berufslehre. | |||
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| Nach Angaben von Ruedi Huber, Leiter Fachstelle Berufsbildung Landwirtschaft, besuchen seit August 2003 114 Auszubildende ein vom LBBZ Arenenberg in Salenstein angebotenes Schulmodell im Bereich der landwirtschaftlichen Grundausbildung. Bereits im Vorjahr waren es 114 Schülerinnen und Schüler. Die Vernehmlassung des Schweizerischen Bauernverbandes (SBV) zur zukünftigen Form der Landwirtschaftsausbildung (Modell A oder B) ist in der deutschen Schweiz abgeschlossen und ausgewertet. Huber bedauert, dass sich eine Mehrheit der Lehrmeister und der Landwirtschaftsschulen für die Variante A und nicht für das «Thurgauer Modell» (B) ausgesprochen haben. Die Gründe sind klar: Viele Lehrmeister sind nicht bereit, ihren Lehrling vermehrt für den Schulunterricht freizustellen, und die Landwirtschaftsschulen fürchten um ihre Unabhängigkeit sowie um die Ausnutzung ihrer Internatsbetriebe. Huber begreift nicht ganz, weshalb die Meinungen von Eltern, Lehrlingen sowie der für die Finanzen zuständigen Kantone und Berufsbildungsämter bei der Umfrage des SBV nicht berücksichtigt wurden. Andreas Binswanger enttäuscht Bei der von der SBV-Bildungskommission vorgeschlagenen Variante A sind nach Ansicht von Huber noch sehr viele Punkte wie zum Beispiel die Gestaltung der Lehrabschlussprüfung, der Lehrvertrag im 3. Lehrjahr, die Versicherungsregelung und anderes mehr ungeklärt. Auch erschwere die vorgeschlagene Variante die Bildung eines gemeinsamen Berufsfeldes mit den Obst- und Gemüsebauern. Die Berufsbildungskommission des Kantons Thurgau und der Vorstand des Thurgauer Bauernverbands (TBV) stehen deshalb nach wie vor klar hinter dem Thurgauer Modell, weil dieses von der Attraktivität und Ausbildungsqualität sehr viele Vorteile hat. Die Berufsbildungskommission des SBV hat nach Meinung von Andreas Binswanger, Präsident TBV, den Vorentscheid zum Modell A voreilig gefällt. Die guten Erfahrungen aus dem Thurgauer Modell wurden in die Evaluation überhaupt nicht mit einbezogen. Insbesondere bemängelt Binswanger, dass sich weder der Vorstand des SBV noch die Landwirtschaftskammer zu diesem wichtigen Vorentscheid äussern konnten. Thurgauer Modell auch nach 2005 Auch das Bundesamt für Berufsbildung und Technologie (BBT) sei an einer Fortführung des Pilotprojektes interessiert, betont Huber. Die Verantwortliche für «Grüne Berufe», Geneviève Gassmann, habe am 18. September den Arenenberg sowie betroffene Lehrbetriebe und Lehrlinge besucht und ausführliche Gespräche geführt. Die von zahlreichen Lehrmeistern gestellte Frage, ob das neue Modell auch ab 2005 noch angeboten werde, könne mit einem klaren «Ja» beantwortet werden. Sowohl Regierungsrat Kaspar Schläpfer als auch Geneviève Gassmann vom BBT unterstützten auf Grund der positiven Erfahrungen eine Weiterführung, betont Huber. Berufsinformationen aus erster Hand An der Berufsinformation vom 15. November wird aber nicht nur über das Thurgauer Modell gesprochen. Die Verantwortlichen des LBBZ Arenenberg stellen die verschiedenen Ausbildungswege vor. Sie zeigen auch Möglichkeiten auf, nach der landwirtschaftlichen Grundausbildung den Einstieg in andere Berufe zu schaffen. Fachleute stehen Eltern, Lehrern und Jugendlichen nach den Vorträgen zur Verfügung, beantworten gerne Fragen oder zeigen «massgeschneiderte» Ausbildungsprogramme. Mario Tosato |
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