Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
2. August 2019


Thurgauer Bewässerungsprojekte kommen ins Rollen

Ausgabe Nummer 4 (2019)

An zwei Informationsveranstaltungen hat das BBZ Arenenberg über mögliche regionale Bewässerungsprojekte im Oberthurgau und Thur- Süd (Mittelthurgau) informiert. Michael Mannale, Berater für Gemüse- und Beerenbau, leitete die Veranstaltung mit einem Rückblick über die Entwicklung der Durchschnittstemperaturen in der Schweiz seit deren Messbeginn ein. Es ist eindeutig, dass eine Zunahme von warmen bis heissen Jahren stattgefunden hat und laut Prognosen weiter zunehmen wird. Die Vision für das Vorhaben wurde zu Beginn aufgezeigt und betont, dass ein Bewässerungsprojekt als langfristige Investition gesehen werden muss. Es sind weitsichtige Vorhaben, die hinsichtlich des fortschreitenden Klimawandels bereits heute aufgebaut werden müssen.

Das Projekt Oberthurgau umfasst eine Seewasserfassung im Bodensee und ein mehrere Kilometer langes Bewässerungsnetz, mit dem das Wasser auf die Felder verteilt werden soll. Analog zu diesem Projekt soll ein zweites Projekt «Thur-Süd» (Mittelthurgau) erstellt werden. Bei diesem Vorhaben wird das Bewässerungswasser aus dem Grundwasserstrom der Thur entnommen. Die Projekte sollen mit einem optimistischen Zeitplan von 3 bis 5 Jahren realisiert werden.

Information wurde abgeholt
Zur Veranstaltung eingeladen waren alle interessierten Landwirtschaftsbetriebe aus den entsprechenden Projektgebieten, insbesondere Betriebe mit Spezialkulturen. Zahlreiche Personen haben die Gelegenheit genutzt und besuchten die Veranstaltung. Ziel der Veranstaltungen war einerseits über die Möglichkeiten und Chancen von gemeinschaftlichen Bewässerungsprojekten zu informieren und andererseits die Bedürfnisse der Betriebe zu klären. Ueli Heeb von der Abteilung Strukturverbesserungen des Landwirtschaftsamtes TG hat über die Möglichkeiten finanzieller Unterstützung im Rahmen der Strukturverbesserungsverordnung informiert. Bund und Kantone können Bewässerungsprojekte unterstützen, wenn gewisse Auflagen erfüllt sind. Dabei müssen nachfolgende Grundbedingungen erfüllt sein: 1. Das Projektgebiet ist nachweislich von überdurchschnittlichen Ertragseinbussen durch Trockenheit betroffen. 2. Die Bewässerung ist auf das inländische Angebot und die Nachfrage an Spezialkulturen (Obst, Gemüse, Beeren, Kartoffeln) ausgerichtet und Qualität und Quantität sind von der Bewässerung abhängig. Ganz zentral für die Umsetzung eines solchen Projektes ist eine Gruppe von Betrieben, die als Trägerschaft das Projekt vorantreibt. Dabei muss das Projekt bis zur Realisierung einige Hürden überwinden. Nach der Gründung einer Trägerschaft werden die Spielregeln aufgestellt, ein Vorprojekt ausgearbeitet und alle notwendigen Abklärungen gemacht. Danach kann ein Gesuch beim Landwirtschaftsamt eingereicht werden. Ein solches Projekt muss in jedem Fall das ordentliche Bewilligungsverfahren durchlaufen beziehungsweise öffentlich aufgelegt werden. Das Vorprojekt wird dann vom Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) geprüft. Ebenfalls Bewilligungen brauchen der Bau der Wasserfassung sowie der Leitungsbau und die Konzession für die Wasserentnahme. In einem Mitberichtsverfahren müssen dann Stellungnahmen aller kantonalen Ämter eingeholt und das Projekt anschliessend bereinigt werden. Für die finanzielle Unterstützung ist ein Regierungsratsbeschluss des Kantons und die Zusicherung vom BLW notwendig. Für diese Planungs- und Bewilligungsphase muss im Normalfall mit 2 bis 3 Jahren gerechnet werden. Der Bau der Wasserfassung sowie der Leitungen kann dann im Allgemeinen zügig umgesetzt werden, sodass ein Projekt nach 1 bis 2 Jahren nach der Bewilligung fertiggestellt werden kann.

Möglicher Ablauf eines Bewässerungsprojektes
− Gründung Gesellschaft oder Verein (Trägerschaft)
− Eingabe Gesuch an Landwirtschaftsamt
− Öffentliche Auflage Gemeinde
− Vorprojekt an BLW
− Bewilligungen, Konzessionen bei Departement für Bau und Umwelt
− Mitberichtsverfahren (ausgelöst durch Landwirtschaftsamt)
− Projektbereinigung
− Regierungsratsbeschluss
− BLW Zusicherung
− Baubeginn
Die finanzielle Unterstützung für Strukturverbesserungsprojekte ist abhängig vom gemeinschaftlichen Charakter sowie der Leistung und dem Nutzen des Projektes. Vergleichbare Projekte wurden mit rund 50 % der anrechenbaren Kosten unterstützt. Zu den anrechenbaren Kosten zählen grundsätzlich das Material und die Baukosten sowie die Kosten für die Projektierung und Planung. Dabei kann auch die Eigenleistung geltend gemacht werden. Das Projekt erlaubt auch eine Einbindung von Bewässerungsteichen, die für gewisse Betriebsstrukturen eventuell mehr Sinn machen.

Bedürfnis soll geklärt werden
Die beiden Informationsveranstaltungen haben dazu beigetragen, das Bedürfnis für ein Bewässerungsnetz zu klären. Dazu wurde ein Fragebogen an die Betriebe verteilt, der Aufschluss über den Wasserbedarf für die Bewässerung und die Bereitschaft an einer Projektbeteiligung geben soll. Interessierte Betriebe aus den beiden Projektgebieten, welche nicht an der Infoveranstaltung teilnehmen konnten, können die Umfrage auf der Website des Arenenberg herunterladen und ausfüllen.
www.arenenberg.ch/Beratung/Gemüsebau/Projekte
Die Umfrage ist bis zum 6. Februar 2019 ausgefüllt zurück zusenden.

Energetische Nutzung von Wasser wird in Betracht gezogen
Mit dem Bau der Wasserfassungen soll auch die energetische Nutzung des Wassers zu Heiz- und Kühlzwecken mittels Wärmepumpen ins Auge gefasst werden. Für Gewächshaus- und Industriebetriebe bietet dies die Möglichkeit, den CO2-Ausstoss beachtlich zu senken, was im Sinne der Umwelt und der beschlossenen Energiestrategie ist.

Entschluss ist gefasst
Einige Betriebe haben bereits den Entschluss gefasst, dass beide Projekte auf jeden Fall umgesetzt werden sollen. Es ist nur die Frage, wie gross die Projekte dimensioniert werden und wie viele weitere Betriebe noch Interesse haben, ihre Kulturen in Zukunft über dieses Bewässerungsnetz bewässern zu können. Die Projekte sollen nun zügig vorangetrieben werden. Im Frühling sollen zwei Gesellschaften gegründet werden, welche als Trägerschaft die Projekte vorantreiben werden.

BBZ Arenenberg und Landwirtschaftsamt bieten Unterstützung
Sollte in anderen Regionen ebenfalls Interesse für Bewässerungsprojekte bestehen, kann das Beratungsangebot des BBZ Arenenberg genutzt werden. Wichtig ist es, dass die Projekte als gemeinschaftliches Projekt aufgegleist werden. Die Aufgabenverteilung zwischen dem BBZ Arenenberg und dem Landwirtschaftsamt ist so geregelt, dass die Beratung interessierte Betriebe (Gruppen) in der Vorprojektphase unterstützt. Bei der Umsetzung des Projektes sowie dem Gesuchs- und Bewilligungsverfahren ist das Landwirtschaftsamt Abteilung Strukturverbesserungen federführend.


Michael Mannale







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