Ausgabe Nummer 39 (2004)
Thurgauer haben die Nase vorn
| Tafeltrauben im Thurgau | |||
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Thurgauer haben die Nase vorn
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| Tafeltrauben meist werden sie mit dem sonnigen Tessin oder Italien in Verbindung gebracht. Dass diese Früchte genauso gut am Bodensee gedeihen, zeigt der Besuch anlässlich einer Pressekonferenz auf dem Betrieb vom Tafeltraubenproduzenten Matthias Anderes in Buch bei Egnach. | |||
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| Reben sind im Thurgau nichts Neues. Im neunzehnten Jahrhundert waren sie weit verbreitet. Doch vernichtete die Reblaus ganze Kulturen. Anschliessend wurden die Reben mit Obstbäumen ersetzt. Weltweit bedeutendste Früchteart Bruno Hugentobler betonte, dass Tafeltrauben weltweit die meist konsumierte Früchteart sei. So werden jährlich 40 000 Tonnen Tafeltrauben in die Schweiz importiert. Wie Hans Stettler, Chef des Landwirtschaftsamtes Frauenfeld erklärte, sind Tafeltrauben ein so genanntes Nischenprodukt, da sie hohe Vorinvestitionen benötigen. So braucht die Tafeltraubenproduktion einen guten Witterungsschutz. Hugentobler beobachtete, dass auch Tafeltrauben in Italien unter Folie seien. «Ein oder zwei Regengüsse zum falschen Zeitpunkt bringen schon eine Qualitätsverminderung», begründet er dies. Auch Wespen können grossen Schaden bringen. Matthias Anderes berichtete aus eigener Erfahrung, wie ihm im letzten Jahr die Wespen die Ernte zerstörten. Deshalb zieht er den Schluss, dass ein Witterungsvogel und Wespenschutz in unseren Breitengraden für die Tafeltraubenproduktion unumgänglich sei. So ist jetzt seine Anlage sturm- und hagelsicher gebaut mit einem Schutznetz gegen Schädlinge. Die Reben werden im Arenenberger V-System angebaut, einem Drahtgerüst in Kombination mit Regendach. Die Schutznetze werden jeweils Mitte Mai und das Regendach Ende Juli temporär aufgestellt. Raumplanungsamt Willi Metzler, Leiter Ortsplanung im Raumplanungsamt in Frauenfeld, machte darauf aufmerksam, dass der Anbau von Spezialkulturen immer wieder Berührungspunkte mit dem Raumplanungsamt hat. So liegt die Beurteilung über die Bewilligungspflicht der Schutzvorrichtungen bei den einzelnen Gemeinden, in Anwendung der gesetzlichen Grundlage. Er riet, in jedem Fall frühzeitig mit der Gemeinde Kontakt aufzunehmen. Zudem machte er darauf aufmerksam, dass eine Bewilligungspflicht nicht gleichbedeutend mit einer Bauverweigerung sei. Tafeltrauben näher beim Obst als beim Wein Anderes gab vor mehr als zwei Jahren die Milchwirtschaft auf und baute einen Hühnermaststall. Auf 17 Hektaren hat er Apfel, Birnen, Kirschen und Wildbeerenkulturen und betreibt etwas Ackerbau. 2001 besuchte er eine Informationsveranstaltung über Tafeltrauben, welche ihn neugierig stimmte. Zu dieser Zeit machte er sich Gedanken, ob er seine Obstkultur trotz des Risikos des Feuerbrandes erweitern sollte. Im Gegensatz zum Feuerbrand kann die Reblaus mit heutigen Mitteln bekämpft werden. Da die Tafeltrauben im Anbau, der Kulturtechnik und der Vermarktung näher beim Obst als beim Wein liegen, war die Mechanisierung auf seinem Hof bereits vorhanden. Zudem ist das milde Seeklima sowie der tiefgründige Boden ideal für das Wachstum von Reben. Die Vorstellung reizte Anderes, bei einem neuen Produkt von Anfang an mit dabei zu sein. So pflanzte er im Jahre 2002 fünfzig Aaren Reben. Vielseitige Ansprüche Der Präsident der THURTA, Karl Leugger, erklärte, wie schwierig es sei, eine neue Frucht zu produzieren, die allen Ansprüchen gerecht werde. So soll sie schön aussehen, gut und preisgünstig sein und umweltfreundlich und ökologisch produziert werden. So bevorzugen viele Konsumenten grosse und farblich ansprechende Früchte ohne Flecken oder sonstige Verunreinigungen. Stolz zieht er Bilanz, dass es bereits nach zwei Jahren gelungen sei, ein vorzügliches Produkt zu produzieren. Trotzdem sei die THURTA immer noch auf der Suche nach besseren, schöneren und krankheitsresistenten Sorten. Schon heute sei die Produktion dank teilresistenten Sorten umweltschonend, jedoch werde die Sortenzüchtung auf diesem Weg weitergehen. Auch Hans Stettler lobte, dass die Thurgauer Tafeltraubenproduzenten die Nase vorn haben. Zudem habe der Regierungsrat der THURTA einen pauschalen Förderbeitrag von 30 000 Franken gewährt. «Die THURTA wird diesen Beitrag für die Schaffung eines einheitlichen Marktauftrittes, die Entwicklung der Gebinde und des Logos und die Promotionen in den Verkaufsläden verwenden», erklärt er die Verwendung des Förderungsbeitrages. Ungarischer Ursprung Einige der im Thurgau angepflanzten Sorten haben ungarischen Ursprung. So erklärte Bruno Hugentobler, dass Ungarn ein ähnliches Klima wie die Schweiz habe. Doch auch hier müssen noch einige Versuche gemacht werden, da nicht alle angebauten Sorten die erhofften Produkte liefern. Der Zuckergehalt muss mindestens 65 Grad Oechsle betragen. Bei 90 Grad Oechsle, wie bei den Weintrauben, wäre die Frucht einseitig und zu süss. Die voraussichtliche Erntemenge in diesem Jahr beträgt 20 000 Kilo. Im Jahre 2006 wird erstmals mit einem Vollertrag von 100 000 Kilo gerechnet. Die Ernte 2004 wird voraussichtlich Ende September beginnen. Dank guten Lagermöglichkeiten kann die Sorte von Oktober bis Dezember auf den Markt gebracht werden. «In dieser Zeit konkurrenzieren ausländische Produkte unsere einheimischen Tafeltrauben nicht», begründet Hugentobler dies. Die THURTA-Trauben werden nur in der Klasse extra vermarktet. Trauben, welche nicht dieser Klasse entsprechen, werden zu Traubensaft verarbeitet. (uhu) |
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