Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
13. Juli 2018


Thurgauer Landwirtschaft: Gemeinsam unterwegs

Ausgabe Nummer 47 (2015)

Herbstbasiskonferenz 2015

Andreas Guhl moderierte die gutbesuchte Herbstbasiskonferenz 2015 des Verbandes Thurgauer Landwirtschaft (VTL) vom 12. November auf dem Thurberg, die mit zahlreichen praxisnahen und aktuellen Informationen aufwartete.

Walter Schild, Leiter der Abteilungen Boden- und Pachtrecht vom Landwirtschaftsamt informierte über den Elementarschädenfonds. Der Fonds leistet Beiträge an Schäden, die durch nicht vorhersehbare Naturereignisse verursacht wurden und gegen die man sich zurzeit nicht versichern kann. Wichtig zu wissen: Der Schweizerische Elementarschädenfonds ist eine Stiftung, die 1901 von der Schweizerischen Gemeinnützigen Gesellschaft (SGG) gegründet wurde. Die verfügbaren Mittel stammen aus den Erträgen des Fondsvermögens und weiterer Zuwendungen. Er wird weder durch Steuergelder noch durch Versicherungsprämien finanziert. 2015 war ein Jahr mit 47 Schadenanzeigen im Zusammenhang mit dem starken Regenfall vom 14. Juni in den betroffenen Gemeinden Erlen, Kradolf-Schönenberg und Sulgen. Zu den Beitragsvoraussetzungen: Der Schaden muss mindestens 500 Franken betragen. Nicht beitragsberechtigt sind Gemeinden und ihre internen Abteilungen, Verbände, Vereine, Aktien- und Kommanditgesellschaften. Die Entschädigung beträgt in der Regel 60 % des vom Fonds anerkannten Schadens. Walter Schild hob hervor, dass Beiträge des Elementarschädenfonds freiwillig sind, es besteht kein Rechtsanspruch auf eine Leistung. Das Landwirtschaftsamt ist für die administrative Abwicklung der Schadenmeldung zuständig.
Gottfried Thomi, Geschäftsführer der Agro Treuhand Thurgau, informierte, dass bei der Umsetzung des BGE 2C 11/2011 (Gewinnsteuer auf Parzellen in der Bauzone) der Thurgau die Besteuerung wegen der Motion Leo Müller nicht sistiert. Er thematisierte die Unternehmersteuerreform III. Das neue Rechnungslegungsgesetz trat per 1. Januar 2013 in Kraft. Der neue Kontenrahmen für die Schweizer Landwirtschaft ist noch näher am «Schweizer Kontenrahmen KMU 2013». Damit werden die handelsrechtlichen Anforderungen für die Buchführungspflicht erfüllt. In seinem Ausblick stellte Gottfried Thomi fest, dass durch die fortschreitende Digitalisierung noch zahlreiche Veränderungen in der Buchführung Einzug halten. So sind z. B. mittels A Twin.Biz von der Treuhandstelle aus, über den A Twin-Datenpool, neu Branchen-Themenauswertungen möglich.

MBR Thurgau AG empfiehlt Einkaufsgemeinschaften
Christian Wolf, Geschäftsleitungsmitglied des MBR Thurgau AG, stellte Einkaufsgemeinschaften (EKG), ein neues Geschäftsfeld des MBR Thurgau AG, vor. Durch grössere Einkaufsvolumen sollen den Mitgliedern bessere Preise ermöglicht werden. Das Konzept werde auf europäischer Ebene bei Maschinenringen bereits umgesetzt, so Christian Wolf. Der MBR Thurgau hat vorgängig eine Umfrage lanciert und aus der Potenzialanalyse resultierte ein sinkendes Interesse der EKG bei zunehmendem Alter der Umfrageteilnehmer.
Die Chancen einer EKG sind in erster Linie bessere Preise für die Landwirte. Der MBR Thurgau AG ist in Verhandlung mit diversen Firmen für weitere Partnerschaften. In seinem Ausblick thematisierte er auch den Direktimport von Standard-Düngemitteln und sagte, dass der Preisunterschied nicht nachvollziehbar sei. Christian Wolf empfahl den Landwirten, vermehrt im Internet Preisvergleiche anzustellen und nicht bereits im August, wenn die Preise hoch sind, zu bestellen. Er zog das Fazit, dass Schweizer Handelspreise nicht gerecht sind. Es bestünde ein beachtliches Einsparpotenzial durch den gemeinsamen Einkauf.

Erfolgreiche Milchproduktion
Jenifer van der Maas vom BBZ Arenenberg thematisierte das Projekt «Erfolgreiche Milchproduktion», eine vom SMP lancierte nationale «Beratungskampagne von 2015 bis 2017 für Frauen und Männer in der Landwirtschaft». Die Ereignisse in der letzten Zeit, wie die AP 2014–17, der tiefe Milchpreis und ein trockener Sommer hatten die Szene geprägt. Damit die in der Kampagne vorgesehenen Aktivitäten wirklich den heutigen Bedürfnissen der Milchproduzenten im Kanton Thurgau entsprechen, wurde eine Arbeitsgruppe gebildet, mit Personen aus dem VTL, TMP, BBZ und der Kommission «Frauen in der Landwirtschaft », um die Angebote anzupassen. Jenifer van der Maas nahm an der Herbstbasiskonferenz die Gelegenheit wahr, mit einer Umfrage, von den Anwesenden zu erfahren, welche Kriterien ein Anlass erfüllen müsste, damit sie als Betriebsleiter mit ihrer Partnerin teilnehmen, und welche Themen von Interesse sind.
Die Antworten zeigten sehr unterschiedliche Bedürfnisse auf. Diese reichten von Beratung, Anlässe in mehreren Blöcken, bis hin zu Wellness-Wochenenden. Das Fazit lautete, dass Lebensqualität nicht mehr getrennt von der Wirtschaftlichkeit betrachtet werden kann.

Aufwand für LQ in Grenzen halten
Peter Schweizer, Geschäftsführer Landschaftsqualität TG, informierte, dass das LQ-Projekt Unterthurgau – Seerücken ab 2016 startet. Zu Infoveranstaltungen – voraussichtlich im Februar – wird schriftlich eingeladen. Die definitive Anmeldung ist ab April 2016 möglich, Infos erfolgen vom Landwirtschaftsamt. Aus einer angeregten Diskussion wurde das Fazit gezogen, dass die DZ-Einbussen auch mit den LQB nicht ausgeglichen werden. Der weitere Verlauf der LQB ist von der Politik abhängig und «auf wackligen Beinen», so die Einschätzung von Peter Schweizer. Deshalb sei es empfehlenswert, den Aufwand für die Massnahmen möglichst gering zu halten. Christian Eggenberger vom BBZ Arenenberg informierte, dass neu Beerenversuche in Güttingen sowie Ackerbau- Demoversuche in Brunegg gemacht werden. Er thematisierte den geplanten Milchviehstall am Arenenberg. Die Haltung am BBZ intern sei klar: Der Stallneubau und die Kooperation mit der Forschung sind zentrale Vorhaben zur Verbesserung der Angebote für die Landwirtschaft und zur längerfristigen Existenzsicherung des BBZ Arenenberg. Er wies auf die Weiterbildungsangebote für die Agroberatungsvereine hin, welche im «gelben Heft» zusammengefasst sind.


Isabelle Schwander
















« zurück zur Übersicht