Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
20. April 2018


Thurgauer Landwirtschaft: Gemeinsam unterwegs

Ausgabe Nummer 46 (2016)

Herbstbasiskonferenz 2016

Andreas Guhl, Präsident der Basiskonferenz, moderierte die gutbesuchte Herbstbasiskonferenz am 11. November auf dem Thurberg. Unter anderem wurden Informationen aus dem Landwirtschaftsamt und Energiethemen behandelt.

Ueli Bleiker informierte über Aktuelles aus dem Landwirtschaftsamt (LA). 2016 mussten die Bauernbetriebe im Rahmen der Umsetzung des LÜP erstmals die Kosten für die ÖLN-Kontrollen selbst tragen. Der Thurgau ist – im Zeitstrahl – einer der letzten Kantone, der diese Kosten an die Bauernbetriebe abwälzt. Diese Umstellung verursachte zusätzliche Anrufe an das LA. Die Abrechnungen der Direktzahlungen funktionieren in der Regel reibungslos. Dies sei auch den kompetenten Mitarbeitern in der Abteilung Direktzahlungen zu verdanken, hob der Amtschef hervor. Bei den DZ gebe es sehr wenig Rekurse, weniger als zehn bis 15 Rekurse seien es pro Jahr. Und dabei handle es sich oft nur um Unklarheiten.
Ausblicke: Ueli Bleiker meinte, dass es bei den DZ nicht in die Richtung der ursprünglichen Kürzungspläne des Bundesrates gehe. Die Reformpläne für die AP 2022+ würden in circa einem Jahr erkennen lassen, in welche Richtung es gehe. Die Auswirkungen der Initiativen werden ebenfalls spürbar sein, allen voran die Initiative zur Ernährungssicherheit. Mit dieser Initiative habe der SBV eine wertvolle Diskussion um die Wertigkeit von Lebensmitteln in der Bevölkerung in Gang gesetzt.
Im Anschluss wurde ihm noch die Frage gestellt, was der Pflanzenschutzfonds beinhalte. Dieses solidarische Versicherungssystem hat seinen Ursprung in der Bekämpfung des Maikäfers.

Informationen gezielt einsetzen und nutzen
Auf die Frage, warum im Pflanzenschutzfonds die Bekämpfung des Erdmandelgrases nicht vorkomme, sagte der Chef des LA, dass die Branche Anregungen in diese Richtung einbringen könne. Mathias Roth regte an, dass das LA die DZ-Berechtigten beim Schleppschlauch-System rechtzeitig per Mail an den Abrechnungstermin erinnern sollte. In der arbeitsintensiven Zeit im Spätsommer gerate dies leicht in Vergessenheit, meinte er. Ueli Bleiker erwähnte, dass den Landwirten jeweils Anfang Jahr die wichtigen Termine schriftlich zugestellt und dass diese laufend im «Thurgauer Bauer» sowie auf agate.ch publiziert werden. Er appellierte zudem an die Eigenverantwortung der Landwirte. Der Amtsleiter stellte in Aussicht, dass das LA die Möglichkeiten der E-Mail-Kommunikation verstärken werde. Um alle Landwirte via E-Mail zu kontaktieren und informieren brauche es eine bessere Qualität der E-Mail-Adressen, welche die Betriebsleiter bei der Betriebsdatenerfassung überprüfen können.
Christian Eggenberger informierte über ein neues Beratungstool in der Milchproduktionsberatung, welches eine gesamtheitliche Beratung in der Milchproduktion mit strukturiertem Vorgehen ermögliche. Das Ziel sei es, näher an die Produktion heranzurücken. In der Arenenberg-Strategie 2020 ist der Bau eines Milchviehstalls nach wie vor ein Anliegen. Im Versuchsstandort Tänikon wird Forschung betrieben, und durch deren Erhalt im Thurgau wird der Anschluss der Ostschweiz an das Nationale Agrar-Forschungsnetzwerk weiterhin gewährleistet. Betreffend der Zusammenarbeit mit Tänikon betonte Ueli Bleiker die durchwegs positiven Rückmeldungen der Teilnehmer.

Einzug der Digitalisierung
Der Schulbetrieb des BBZ Arenenberg steht für eine praxisorientierte, praxisnahe und produzierende Landwirtschaft, und sie unterstützt die Landwirtschaftsschule als Werkzeug vor Ort, ein Werkzeug für Bildung und Beratung, für Lehrlinge und die Öffentlichkeit. Christian Wolf, Geschäftsleitungsmitglied des MBR TG, informierte über die Konsolidierung beim MBR TG. Anlässlich der Strategietagung der Geschäftsleitung der MBR TG im Januar 2016 erwies es sich als Notwendigkeit, die eigenen Leistungen noch breiter zu kommunizieren und, gemäss dem Vorbild der Deutschen Ringe, die Geschäftstätigkeit zu forcieren. Der Einzug der Digitalisierung 4.0 in der Landwirtschaft sei unaufhaltbar. Arbeiten mit dem Smartphone im Sinne von SmartFarming werde sich etablieren. Der MBR TG nutzt die sozialen Medien als Kommunikationsmittel mit den Mitgliedern noch stärker. An der Strategietagung 2016 wurde die Anpassung des Auftrittes des MBR TG nach aussen sowie eine Logoanpassung (Corporate Identity) beschlossen. Die Einführung des neuen Logos ändert für die Mitglieder nichts. Sie können auch künftig auf die bewährten Leistungen und den damit verbundenen Nutzen zählen. Christian Wolf berichtete von der EMR-Tagung in Poitier vom 9./10. November 2016 (Verband europäischer Maschinenringe), an der folgendes Fazit gezogen wurde: Die Landwirtschaft kämpft europaweit mit den gleichen Problemen. Der Freihandel ist für alle Urproduzenten ruinös. Als einzige Lösung sehen viele Landwirte das Wachstum, aber das Ziel werde selten erreicht.

Orientierung am Wirtschaftsumfeld
Christian Wolf hatte erstmals vor einem Jahr, ebenfalls an der Basiskonferenz, das Thema Einkaufsgemeinschaften aufgegriffen. Er veranschaulichte anhand von Hilfsstoffen die enormen Preisunterschiede Schweiz–EU. Der MBR TG bemühe sich um die stete Optimierung der Hilfsstoffbeschaffung. Christian Wolf veranschaulichte, wie im übrigen Wirtschaftsumfeld die Logistikwege funktionieren: Wer heute etwas benötige, bestelle bis um 16.00 Uhr im Internet und erhalte das Gewünschte am nächsten Tag um 8.00 Uhr geliefert. «Warum sollte die Landwirtschaft nicht auch diese Möglichkeiten nutzen?», gab er zu bedenken.
Werner Ausderau von der Thurgauer Genossenschaft für landwirtschaftliche Investitionskredite und Betriebshilfe (GLIB) sagte, dass bei der Vergabe von Investitionskrediten nicht entscheidend sei, ob der Betrieb gross oder klein sei. Angestrebt werde, dass die Betriebe mehr in Richtung Kleinunternehmen gehen. Die GLIB unterstütze die Forderung von Vertretern der Landwirtschaft, dass sich die Vergabe von Investitionskrediten an Bauern stärker nach betriebswirtschaftlichen Grundsätzen richte. Er appellierte, bei Unklarheiten die Geschäftsstelle zu kontaktieren und den Aktualitäten auf der Homepage der GLIB die nötige Beachtung zu schenken. Fabienne Thomas vom SBV informierte über die Energiestrategie 2050 (ES 2050) und die Folgen für die Landwirtschaft.

Potenzial in der Strom-Versorgungssicherheit
Es entstehen Mehrkosten aufgrund des erhöhten Netzzuschlages: Dieser kann von aktuell 1,3 Rp./ kWh auf 2,3 Rp./kWh angehoben werden. Für die Landwirtschaft bedeutet dies eine Erhöhung der Kosten für den Strom von unter 10 Mio. Franken. Für einen durchschnittlichen Landwirtschaftsbetrieb werden die Stromkosten um circa 170 bis 180 Franken pro Jahr ansteigen. Mit der ES 2050 wird ein Haushalt mit vier Personen rund 40 Franken pro Jahr zusätzlich für den Strom bezahlen.
Der SBV erkennt in Biogasanlagen und Solarstrom ein Potenzial in der Landwirtschaft. Bis im Jahr 2030 könnten rund 600 Biogasanlagen zusätzlich 420 GWh Strom und 430 GWh Wärme pro Jahr produzieren. Solaranlagen auf Stall- und Scheunendächern könnten in Zukunft 1200 GWh Strom liefern pro Jahr, das heisst für rund 340 000 Haushalte. «Die Landwirtschaft kann eine noch wichtigere Rolle in der Strom-Versorgungssicherheit einnehmen», so Fabienne Thomas. Viele Projekte erneuerbarer Energien, die von Bauernfamilien für die KEV eingereicht worden sind, können nur mit der ES 2050 realisiert werden. 142 landwirtschaftliche Biogasanlagen und 5000 bis 6000 Photovoltaikanlagen sind auf der Warteliste und haben mehr Chance, realisiert zu werden. Dank der zusätzlichen Stromproduktion könne die Schweizer Landwirtschaft insgesamt CHF 84 Mio. Einnahmen aus der KEV generieren.
(Energieeffizienz-Projekte für die Landwirtschaft werden durch AgroCleanTech www.agrocleantech.ch koordiniert.) (Weitere Projekte im Zusammenhang mit dem Energie- und Klimacheck www.energieklimacheck. ch.)

Politische Meinungsbildung fördern
Jürg Fatzer informierte unter anderem darüber, dass der VTL die politische Meinungsbildung zu landwirtschaftlichen Themen fördern möchte. Wie Regula Böhi, Präsidentin des Thurgauer Landfrauenverbandes, im vergangenen Frühjahr aufzeigte, eignet sich Doodle hierfür sehr gut. Das Ziel sei eine breiter abgestützte Parolenfassung für die Abstimmungsempfehlungen des VTL. Als Teilnehmer/-innen kommen die Obmänner und Kommissionspräsidenten/-innen in Betracht. Unter Einhaltung der Statuten kann es zu einer ausserordentlichen GV kommen. Auf den Einwand, es könnte zu unnötigen ausserordentlichen GV kommen entgegnete Jürg Fatzer, dass diesbezüglich keine Bedenken bestünden. Ausserordentliche Generalversammlungen stellten in den vergangenen Jahren die absolute Ausnahme dar.
Jakob Hug informierte über seine Erfahrungen als Anbieter von «Schule auf dem Bauernhof» (SchuB). Als grösste Herausforderungen bei diesem Angebot erachte er es, die Lehrpersonen zu motivieren einen SchuB-Anlass zu buchen sowie den Transport der Kinder auf die Höfe. Er betonte, dass weitere Bauernfamilien als SchuB-Anbieter willkommen seien. Interessierte können sich bei Selina Hulst auf der Geschäftsstelle des VTL melden. Als seinen wertvollsten persönlichen «Lohn» als SchuB-Gastgeber bezeichnete er die strahlenden Kinderaugen.


Isabelle Schwander










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