Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
14. Juni 2019


Thurgauer Landwirtschaft: Gemeinsam unterwegs

Ausgabe Nummer 49 (2018)

Basis- und Präsidentenkonferenz des VTL

An der Konferenz von Ende November im Restaurant Thurberg wurden Projekte vorgestellt, bei denen Landwirte die Chance erhalten, sich proaktiv einzubringen, um auf politische Entscheidungen und gesellschaftliche Meinungsbildung (zum Beispiel bei der PSMThematik) Einfluss nehmen zu können. Kontroverse Diskussionen löste die Initiantin der Trinkwassser-Initiative, Franziska Herren, aus.

Andreas Guhl moderierte die Tagung mit einem reich befrachteten Programm und einer aussergewöhnlichen hohen Teilnehmerzahl von 70 Personen sowie Gästen aus kantonaler Verwaltung und Behörden. Claudia Eisenring, Projektleiterin, und Tim Wepf, Projektleiter beim Amt für Umwelt, informierten zum Gewässerraum. Die Gewässerschutzgesetzgebung des Bundes verpflichtet die Kantone, den Gewässerraum bis Ende 2018 festzulegen. Die Festlegung des Gewässerraums stellt sicher, dass den Gewässern heute und in Zukunft genügend Raum zur Verfügung steht. Der Gewässerraum gewährleistet unter anderem den Schutz vor Hochwasser, den natürlichen Transport von Geschiebe, die Ausbildung einer naturnahen Strukturvielfalt und die Entwicklung standorttypischer Lebensräume und deren Vernetzung. Dazu wird entlang aller oberirdischen Gewässer ein Korridor festgelegt, der primär dem Gewässer zur Verfügung steht. Wie gross der Gewässerraum ist, hängt von der Art und Grösse des Gewässers ab. Im Kanton Thurgau werden die Vorschriften des Bundes in zwei Phasen umgesetzt. In der ersten Phase hat der Kanton den behördenverbindlichen Raumbedarf für fliessende und stehende Gewässer unter Mitwirkung der Gemeinden erarbeitet. Festgelegt ist er in der «Fachkarte behördenverbindlicher Raumbedarf der Gewässer», die der Regierungsrat voraussichtlich bis Ende 2018 verabschiedet.

Noch keine Einschränkung für landwirtschaftliche Nutzung
Die behördenverbindliche Festlegung des Raumbedarfs der Gewässer wirkt sich nicht direkt auf den Einzelnen aus. So bleiben die bestehenden gesetzlichen Gewässerabstände bis zur grundeigentümerverbindlichen Festlegung der Gewässerraumlinien bestehen. Die behördenverbindliche Festlegung dient primär dazu, Planungs- und Baugesuche zu beurteilen. Mit der behördenverbindlichen Festlegung des Raumbedarfs der Gewässer wird insbesondere die landwirtschaftliche Nutzung entlang der Gewässer im Kanton Thurgau noch nicht eingeschränkt. Die vom Bundesgesetz vorgeschriebenen Einschränkungen in der landwirtschaftlichen Nutzung ergeben sich erst mit der grundeigentümerverbindlichen Festlegung des Gewässerraums, welche in den nächsten Jahren durch die Gemeinden erfolgt. Carmen Haag hob eine der Änderungen hervor: Die Messweise in der Direktzahlungsverordnung und ChemRRV bezüglich Verbot für Dünge- und Pflanzenschutzmittel wechselt mit der grundeigentümerverbindlichen Festlegung durch die Gemeinden von der Oberkante Böschung zur Uferlinie. Bis der Gewässerraum grundeigentümerverbindlich festgelegt ist, muss das Amt für Umwelt Gesuche um Unterschreitung der gesetzlich festgelegten Abstände im Einzelfall auf der Grundlage des behördenverbindlichen Raumbedarfs der Gewässer prüfen.

Projekt PFLOPF
Christian Eggenberger vom BBZ Arenenberg stellte das Projekt «Pflanzenschutzoptimierung mit Precision Farming» (PFLOPF) vor. Er bezeichnete dieses als Chance für den Thurgau, eine Vorreiterrolle einzunehmen. Dabei komme auch der Swiss Future Farm in Tänikon eine wichtige Rolle zu. Träger des Projektes sind die Kantone AG, ZH und TG mit den jeweiligen landwirtschaftlichen Bildungsstätten und Bauernverbänden. Das BLW bewilligte das Projekt, das am 1. Januar 2019 startet, und sechs Jahre dauert, bis Ende 2024. Das Projekt stützt auf sieben Massnahmen ab. Dabei geht es um die Anwendung von Prognosesystemen, welche dank digitaler Hilfsmittel betriebsspezifisch erstellt werden können sowie um den Einsatz von GPS-gesteuerten Saaten, Pflanzenschutzspritzen und Hackgeräten. Ebenfalls könnte der Einsatz von Robotern, wenn diese praxisreif sind, gefördert werden. Das Projekt wird durch Agroscope und die kantonalen Beratungsdienste wissenschaftlich begleitet. Die Massnahmen werden mit flächenbezogenen Beiträgen pro Hektare abgegolten. Die Budgetierung geht davon aus, dass im Durchschnitt pro Betrieb eine Abgeltung von ca. Fr. 9000.– realisiert werden kann, wobei der maximale Beitrag auf Fr. 15 000.– begrenzt ist. Der Betrieb hat die Möglichkeit, seine bereits vorhandenen Technologien zu nutzen, Technologie neu anzuschaffen oder mit dem Lohnunternehmer zusammenzuarbeiten. Für die Teilnahme sind Acker-, Gemüse-, Obst- und Rebbaubetriebe gesucht. Interessenten können sich am BBZ Arenenberg bei Christian Eggenberger melden.

Informationen aus dem Landwirtschaftsamt
In der Diskussion herrschte die Meinung, dass es wichtig ist, dass die Betriebe nicht bei ihrer Landtechnik aufrüsten und es sinnvoll wäre, Lohnunternehmer, welche bereits die neuen Technologien (zum Beispiel GPS-gesteuerte Pflanzenschutzgeräte Teilbreiten- oder Einzeldüsenschaltung) besitzen, miteinzubeziehen. Christoph Högger vom Landwirtschaftsamt, Abteilungsleiter Direktzahlungen und Kontrollwesen, informierte unter anderem darüber, dass bei den Direktzahlungen Ende August eine unbürokratische Akontozahlung an alle Betriebe erfolgte, um finanzielle Engpässe wegen der Trockenheit zu verhindern. Bei den Veränderungen 2017/18 sagte er, dass ein grosses Interesse am Projekt für die stickstoffreduzierende Phasenfütterung bei Schweinen besteht. Bei den Landschaftsqualitätsbeiträgen werden die Beiträge bei 6,6 Mio. Franken plafoniert. Er wies auf den Tierseuchenfonds und den Pflanzenschutzfonds hin, bei denen mindestens 1 Mio. Franken zurückbehalten wurden. Diese Reserve sei wichtig, um auf alle Eventualitäten vorbereitet zu sein. Christoph Högger präsentierte Resultate der Umfrage bei Landwirten zur Frühlingskontrolle 2018. Befragt wurden 424 Bauern der Kontrollstelle KOL, also ohne Biobauern. Die 149 Bauern, die an der Umfrage teilnahmen, hätten die Kontrollen überwiegend als angemessen bezeichnet und den Kontrollpersonen entsprechende Fach- und Sozialkompetenz zugestanden. Der Regierungsrat erteilte dem Landwirtschaftsamt und dem Amt für Umwelt den Auftrag für die Erarbeitung eines Vorprojektes im 2019 mit Massnahmen zur Reduktion der Ammoniak-Emissionen.

Künftig vermehrt Bewässerungsprojekte
Christoph Högger thematisierte die Kontrolle des landwirtschaftlichen Gewässerschutzes (ab 2020) und sagte, es sei ihm ein Anliegen an die Branche, dass diese die Mitglieder rechtzeitig über Sichtkontrollen und bauliche Massnahmen informiert. Walter Schild, Abteilungsleiter Boden- und Pachtrecht beim Landwirtschaftsamt, präsentierte mit der abgeschlossenen Landumlegung Thurfeld in Schönenberg und der laufenden Güterzusammenlegung Schurten in Fischingen einige Beispiele von Strukturverbesserungen. Dabei erwähnte er, dass in den letzten 100 Jahren Land entwässert werden musste. Der Sommer 2018 habe gezeigt, dass zukünftig vermehrt Bewässerungsprojekte zur Planung und Ausführung gelangen dürften. Dazu meinte er, dass die Impulse und Anreize von der Basis aus erfolgen müssen. Die Beiträge für Strukturverbesserungen sind seit 2014 kontinuierlich zurückgegangen, weil kantonale Budgets zusammengestrichen wurden. Martin Huber, Direktor BBZ Arenenberg, informierte bezüglich Bildung und Bauten. Er sagte, derzeit spüre er am Arenenberg «Rückenwind» auch seitens der Politik. Aktuell sei der Bund bereit, den Standort Tänikon aufrecht zu erhalten, weil man zukunftsrelevante Themen bearbeite, wie zum Beispiel die Digitalisierung in der Landwirtschaft. Die Rückmeldungen auf den Berufsinformationstag vom 10. November für die Ausbildung zum Landwirt EFZ seien recht gut. Man rechne wieder mit ca. 50 potenziellen Lernenden. Beim Thema Bildung stelle man in der Schlussevaluation fest, dass fast ¾ der Schüler beabsichtigen, den elterlichen Betrieb zu übernehmen.

Anpassung an den Klimawandel
Bis zu den Skiferien 2020 erfolgt der Unterricht am Arenenberg im «Container», der Umbau des Schulgebäudes ist in vollem Gang. Im Sinne von «Bauten setzen Zeichen» thematisierte Martin Huber den Kredit für den Stallneubau: Ein positiver Entscheid am 5. Dezember sei wichtig für die Zukunft der Landwirtschaftsschule. Marco Baumann, Leiter Abteilung Wasserbau und Hydrometrie, Amt für Umwelt, informierte über das Pilotprojekt zum Thema Anpassung an den Klimawandel «Walter will es wissen» und dessen Resultate. Es gehe nun darum, wie in einem nächsten Schritt weitere Massnahmen von den betroffenen kantonalen Fachstellen zu evaluieren und weiter zu entwickeln sind, wie zum Beispiel die Erarbeitung eines «kantonalen Wasser-Richtplanes», der die Belange der Landwirtschaft und des Gewässerschutzes bezüglich der Nutzung von Wasser in Trockenphasen aus Sicht der übergeordneten Richtplanung festlegt. Die Berücksichtigung der zukünftigen Trockenheit bei Meliorationsprojekten, das heisst in Ergänzung zum Aspekt Entwässerung der landwirtschaftlichen Parzellen, soll den Bau von Infrastrukturanlagen für die Bewässerung (Entnahmebauwerke, Verbindungs- und Verteilleitungen) in Betracht ziehen. Weiter geht es um die Erarbeitung von Regelungen zu Verbrauch und Entnahmen in Trockenzeiten sowie den Ausbau und die Bewirtschaftung der Web- Informationsplattform zur Trockenheit (kartografische Darstellung des Trockenheitsbulletins).

Pilotprojekt 3 V
Marco Baumann meinte, dass bei der Planung und Vorbereitung der Anbausaison 2019 berücksichtigt werden sollte, dass je nach Entwicklung der Niederschläge im Winter und Frühjahr die Verfügbarkeit des Wassers eingeschränkt sein kann. Peter Schweizer informierte über das «Pilotprojekt 3 V». Die 3 V stehen für «Vertrauen, Verantwortung und Vereinfachung ». Im Rahmen dieses Projektes sollen in Zusammenarbeit zwischen dem BAFU, BLW und 20 Thurgauer Betrieben, welche alle Produktionsrichtungen repräsentieren, mögliche Indikatoren für zukünftige agrarpolitische Wege gefunden werden. Die unterschiedlichen Indikatoren werden zusammen mit der Forschung erarbeitet. Diese reichen unter anderem von Bodenfruchtbarkeit über Energiebilanz, bis zu «weichen Faktoren» wie zum Beispiel Lebensqualität. Das Projekt dauert vier Jahre. An der Basis- und Präsidentenkonferenz wurden Petra Kuhn und Selina Hulst verabschiedet, ihr Einsatz auf der Geschäftsstelle des VTL gewürdigt und verdankt. An ihre Stelle tritt Edith Stäheli, welche sich an der Konferenz persönlich vorstellte.


Isabelle Schwander

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