Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
13. Juli 2018


Thurgauer Milchbauern beschäftigen sich mit der Kälberaufzucht

Ausgabe Nummer 10 (2017)

Der Kälberaufzucht soll vermehrte Beachtung geschenkt werden, um die besten Voraussetzungen für eine leistungsfähige, langlebige Kuh zu gewährleisten. Dies war an der Thurgauer Viehwirtschaftstagung in Weinfelden zu vernehmen. 44 Besitzer wurden für ihre 100 000 kg Milch-Kühe geehrt.

In seinem Grusswort wies Urs Schär, Präsident Viehwirtschaftskommission Verband Thurgauer Landwirtschaft (VTL), auf ein erfolgreiches Verbandsjahr hin. Er erinnerte an verschiedene Veranstaltungen der Viehwirtschaftskommission und den Botulismus mit verheerenden Auswirkungen auf einem Milchvieh- und einem Milchschafsbetrieb im Thurgau. In diesem Jahr werden zum 20. Mal Grillkurse auf verschiedenen Landwirtschaftsbetrieben durchgeführt. Zu den weiteren Höhepunkten des laufenden Jahres zählt Schär unter anderem die Wega in Weinfelden, mit der traditionellen Vierrassenschau und dem Kälberwettbewerb sowie dem Gastauftritt an der Olma 2017 in St. Gallen.

Thurgauer Milchleistungen über dem Durchschnitt
Michael Schwarzenberger, Leiter Milchproduktion BBZ Arenenberg, stellte fest, dass der gesamte Rindviehbestand 2015 erstmals wieder gestiegen ist. Da die Anzahl Kühe sank, könne davon ausgegangen werden, dass mehr Jungvieh und vor allem Masttiere gehalten werden. Mit weiter sinkender Zahl der Besitzer geht der Trend zu grösseren Betrieben weiter. Laut Michael Schwarzenberger wurden 45,4 Tiere pro Betrieb gehalten. Der in Herdebuchbetrieben gehaltene Rindviehbestand sank im Kanton Thurgau gegenüber dem Vorjahr um 481 Tiere. Vergleiche unter den Rassen zeigen, dass der Bestand der Holsteintiere um 193 Tiere stieg. Die Braunviehrasse verlor 457 Tiere und der Bestand von Fleckvieh (SHB) verminderte sich um 217 Tiere. Laut Schwarzenberger stieg die Milchleistungen (pro abgeschlossene Laktation) bei allen Rassen markant an. Die Zunahmen sind erfreulich und bewegen sich zwischen 100 und 300 kg Milch pro Tier und Laktation. Wie in den vorangegangenen Jahren liegen die Milchleistungen der Thurgauer Kühe deutlich über dem jeweiligen Durchschnitt der einzelnen Rassen.

Olma 2017 – «De Leu isch los»
Michael Schwarzenberger führte aus, dass an der nächsten Olma wiederum ein einmaliges Ereignis für den ganzen Kanton vor der Türe stehe. Als Gastkanton komme dem Thurgau bei der 75. Olma eine besondere Ehre zu. Die Ausstellung der Tierpalette spiele dabei eine zentrale Rolle und soll den Kanton Thurgau von der besten Seite zeigen. «Die Thurgauer Landwirtschaft präsentiert sich als produktiv, gesund und frisch. Das ganze OK rund um die Kommission Viehwirtschaft beschäftigt sich eifrig mit den Vorbereitungen und hofft auf eine auf eine tolle Unterstützung aller Tierhalter», sagte Schwarzenberger.

Dem Kalb einen optimalen Start ermöglichen
Martin Kaske, Geschäftsführer Rindergesundheitsdienst, sprach zum Thema «Dem Kalb einen optimalen Start ins Leben ermöglichen». Die intensive Kälberaufzucht beginne mit der Geburtsüberwachung betreffend Abkalbstall, Geburtshilfe und der Versorgung des Neugeborenen. Wichtig sei auch die Kolostrumversorgung. Das Kalb soll in den ersten sechs Stunden möglichst viel Kolostum aufnehmen, denn dies ist die beste und billigste Medizin. Nach Kaskes Aussagen ist Kolostrum nicht nur Medizin mit Antikörpern, es fördert auch die passive Immunität, die Milchleistung, die Differenzierung des Verdauungstraktes und das Wachstum. 40 bis 60 Prozent aller Kälber trinken unbeaufsichtigt nicht ausreichend Kolostrum. Ein kurzfristiger Einfluss des Ernährungsniveaus beeinflusse lebenslang die endokrinologische und metabolische Konstellation des Organismus. Weiter seien die Fütterung, Haltung, Hygiene und Biosecurity sowie das Behandlungsschemata sehr wichtig. Kaske nannte Sonnenlicht als das perfekte «Desinfektionsmittel».

Eckpunkte einer intensiven Aufzucht
Aufzuchtkälber sollen nach Ansicht von Martin Kaske nicht «grosshungern», das heisse sechs Liter pro Tag, beziehungsweise ein Kilo Milchaustauscher (MAT) pro Tag einnehmen. Eine intensive Fütterung sei kein Patentrezept gegen grobe Fehler bei der Haltung von neugeborenen Kälbern. Kälber sollen in den ersten drei Wochen möglichst nicht umgestellt werden (Haltungssystem, Tränkesystem, Futtermittel). «Der Schlüssel für die erfolgreiche Aufzucht gesunder, frohwüchsiger Kälber bleibe die Betreuung durch den Menschen» sagte Kaske. Als Ziel nannte er eine nachhaltige und langfristige Stärkung der Kalb- und Rindfleischproduktion in der Schweiz. Er fordert, dass Präventionskonzepte entwickelt und geprüft werden sowie systematische Controllings etabliert werden sollen. Kaske verlangt flächendeckende Bestandesbetreuung der Produzenten und eine Verminderung des Einsatzes von Antibiotika um 50 Prozent. Zudem soll eine Reduzierung der Tierverluste um 30 Prozent erfolgen. So könne das Image von Schweizer Kalb- und Rindfleisch bei den Konsumenten weiter gesteigert werden.


Mario Tosato













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