Ausgabe Nummer 51 (2008)

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Thurgauer Obstbautagung in Weinfelden

Produzierende Bauern fühlen sich benachteiligt

Die Thurgauer Obstbauern liessen sich über die Weiterentwicklung des Direktzahlungssystems informieren und fühlten sich teilweise benachteiligt. Ein allfälliges Agrarfreihandelsabkommen mit der EU wird kategorisch abgelehnt.

Obwohl die Direktzahlungen für Obstproduzenten zurzeit fast unbedeutend seien, sei es wichtig, dass man wisse, was das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) für die Zukunft plane, erklärte Edwin Huber, Präsident Thurgauer Obstproduzentenverband (TOV), an der Obstbautagung. Wie BLW-Vizedirektor Christoph Böbner feststellte, beauftragte das Parlament den Bundesrat, einen Bericht über die Weiterentwicklung des Direktzahlungssystems zu erstellen. Am heutigen System würden die ÖLN-Beiträge moderat positiv bewertet werden. Die Flächenbeiträge seien hingegen zu wenig auf die Ziele ausgerichtet und hemmen den Strukturwandel. Laut Böbner können die heutigen Tierbeiträge marktverzerrend (greenbox) sein. Kritisiert würden auch die Ökobeiträge, wo Direktzahlungen fürs «Nichtstun » ausbezahlt werden. Bei den Sömmerungsbeiträgen fehlen Qualitätsanreize zur Biodiversität. So sei Handlungsbedarf ausgewiesen.

Spezialkulturen haben es schwer im Milchland Schweiz
Mit Versorgungssicherheitsbeiträgen (Kalorienproduktion und spezifische Kulturen) soll die sichere Lebensmittelversorgung gewährleistet werden. Während Biodiversitätsbeiträge zur Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen (Boden-, Wasser- und Luftqualität) beitragen, dienen Kulturlandschaftsbeiträge der Pflege und Erhaltung der Kulturlandschaft.Wie bisher spielen Tierwohlbeiträge eine wichtige Bedeutung. Bezugskriterien sollen weiterhin Fläche, Tiere, Arbeit und Betrieb (Anpassungsbeiträge) bleiben, allerdings sollen die Prioritäten neu geregelt werden. Als Eckwerte der Agrarpolitik nannte Böbner die Senkung der Kosten, die Erarbeitung von Mehrwerten (neue Märkte, EU, Heimmarkt ausbauen) sowie den Ausbau der Diversifizierung und des Wachstums. Nach Erstellen des Berichtes und der anschliessenden Vernehmlassung werde eine Botschaft für die eidgenössischen Räte verfasst. Böbner rechnet damit, dass sich diese in rund fünf Jahren mit dem neuen Direktzahlungssystem befassen. Verschiedene Votanten befürchten, dass die produzierende Landwirtschaft mit dem neuen Direktzahlungssystem benachteiligt werde. Kritisiert wurde auch, dass Hochstammbäume direktzahlungsberichtigt seien und damit Niederstammkulturen gefährden. Huber stellte fest, dass die Weiterentwicklung des Direktzahlungssystems einmal mehr beweise, dass es Spezialkulturen im Milchland Schweiz sehr schwer haben.

Ablehnung für Agrarfreihandelsabkommen mit EU
Edwin Huber erinnerte an das Katastrophenjahr 2007. Im laufenden Jahr seien wieder Silberstreifen am Horizont der Obstbauern festzustellen. Zu den positiven Erfahrungen zähle der Einsatz von Streptomycin und die Preisentwicklung im Obstbau. Mit Sorgen verfolgt Huber die WTO-Verhandlungen, die wenig Gutes versprechen.Wie die gesamte Obstbranche lehne auch der TOV ein Agrarfreihandelsabkommen mit der EU kategorisch ab.

Erfolgreicher Streptomycineinsatz
Wie Bruno Hugentobler, Leiter Fachstelle Obst- und Rebbau am BBZ Arenenberg, berichtete, mussten im laufenden Jahr 16,5 Hektaren Niederstammkulturen und rund 3200 Hochstammobstbäume gerodet werden. Die Entschädigungssumme für Kontrollen, Rodungen, Rückschnitt und Honigproben beliefen sich im 2008 auf rund 4,7 Millionen Franken. Hugentobler sprach beim Einsatz von Streptomycin von einem hohen Wirkungsgrad und einer guten Behandlungsdisziplin. Hingegen sei der Behandlungserfolg mit Alternativpräparaten ungenügend. Die Obstbauern hoffen auf eine erneute Bewilligung von Streptomycin für das 2009.
Im Weiteren informierten Georg Bregy, Schweizer Obstverband, Jürg Hess, Vizepräsident Früchtezentrum St. Gallen/Thurgau, über Preisentwicklung, Lagerbestände und Abverkäufe. Marc Wermelinger, Geschäftsführer Swisscofel, stellt fest, dass rund 3100 Produzenten bei SwissGap mitmachen. Sorgen bereite der Branche die Entwicklung der LSVA-Abgaben. Auch das Problem mit defekten Paletten müsse dringend gelöst werden, fallen doch im Jahr Kosten von rund 1,6 Millionen Franken an.

Mario Tosato


Im Zentrum des Thurgauer Obstbautages (von links): Edwin Huber, Christoph Böbner
und Bruno Hugentobler. (tos)
Im Zentrum des Thurgauer Obstbautages (von links): Edwin Huber, Christoph Böbner und Bruno Hugentobler. (tos)