Ausgabe Nummer 52 (2006)

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Thurgauer Obstproduzenten ärgern sich über Preisdruck und SwissGap

Obstbautagung des Thurgauer Obstverbandes in Weinfelden


Die Thurgauer Obstproduzenten beschäftigten sich an ihrer Tagung in Weinfelden mit den Auswirkungen des Freihandels Schweiz - EU auf die Obstproduktion und deren Verarbeitungsprodukte. Bruno Hugentobler sprach von einer guten Mittelernte.

Bruno Pezzatti, Direktor Schweizerischer Obstbauverband (SOV), sprach sich an der Kantonalen Obstbautagung, die von rund 150 Personen besucht wurde, vehement gegen ein Freihandelsabkommen Schweiz - EU aus. Nach seiner Meinung vermögen die Kosteneinsparungen die zu erwartenden Preissenkungen auf Grund der Spezifitäten des Obstbaus (hoher Anteil Arbeitskosten) bei weitem nicht zu kompensieren. Die verbesserten Exportchancen dürften auf Grund des Kosten-Handicaps der Schweizer Obstproduzenten und Exporteure kaum genutzt werden. Pezzatti rechnet mit empfindlichen Marktanteilverlusten. Ein Freihandelsabkommen Schweiz - EU sei zum heutigen Zeitpunkt inakzeptabel. Es bedrohe vor allem den professionellen Obst- und Beerenbau. «Der SOV, die Schweizer Obstbauproduzenten und -Verarbeiter lehnen deshalb den Agrar-Freihandelsvertrag mit der EU ab», sagte Pezzatti. Falls Bundesrat und Parlament beschliessen, mit der EU Verhandlungen über ein Agrarfreihandelsabkommen aufzunehmen, fordere der SOV eine Ausnahmeklausel für frische Früchte und Kernobstprodukte. Falls dies nicht möglich sei, werden Kompensationszahlungen und Begleitmassnahmen gefordert. Pezzatti verlangt in diesem Fall gleiche Unterstützungs- und Förderbeiträge für Schweizer Obstproduzenten und Obstverarbeiter wie in der EU.

Chancen nutzen
In der Schweiz werde zu viel Energie verwendet um «gegen» etwas, zu kämpfen. Viel mehr sollten diese eingesetzt werden um «für» etwas zu sein, erklärte Jacqueline Bachmann, Geschäftsführerin Stiftung Konsumentenschutz. Sie befürchtet bei einem Freihandelsabkommen den Verlust der Transparenz bei der Warendeklaration. Sie sieht auch Gefahren in Billigimporten von Lebensmitteln. Hier ortet sie aber auch Chancen für die Schweizer Obstproduzenten mit ihrem ökologischen Anbau, der grossen Lebensmittelsicherheit und der hohen Qualität, doch müsse dies verstärkt den Konsumenten kommuniziert werden. Marc Wermelinger, Geschäftsführer Swisscofel, beleuchtet die Haltung des Handels. Für ihn ist bei einem Freihandelsabkommen wichtig, dass die Wertschöpfung in der Schweiz erhalten bleibt. Auch müssten die Rahmenbedingungen angepasst werden. Die gesamte Branche müsse zudem eine gemeinsame Strategie entwickeln.

Preisdruck durch Billig-Linien
Vor dem Tagungsthema «Freihandelsabkommen Schweiz - EU» beklagte sich Edwin Huber, Präsident Thurgauer Obstbauverband, über den Preisdruck hervorgerufen durch Billig-Linien von Coop und Migros. Sorgen bereitet ihm auch die Einführung von SwissGap (Qualitätsvorschriften), was mehr Auflagen und höhere Kosten für die Obstproduzenten bedeute. Unzufrieden ist Huber auch mit den uneffizienten Direktzahlungen. Freude bereitet ihm, dass die Obstproduzenten bei den einheimischen Konsumenten ein hohes Ansehen geniessen und diese die Schweizer Produkte auch bevorzugen.

Gute Mittelernte 2006
Bruno Hugentobler, Leiter Fachstelle Obst- und Rebbau, LBBZ Arenenberg, sprach von einer guten Mittelernte 2006. Die Früchte weisen allerdings eine sehr hohe Qualität aus. Als Grund der ausgezeichneten Qualität nennt er den warmen Sommer. Beim Steinobst und bei den Birnen wurde eine eher knappe Ernte registriert. Beim Mostobst wurde eine gute Ernte verzeichnet, Nach Hugentoblers Aussagen gehören die Spitzenernten beim Mostobst mit Überschussverwertungen endgültig der Vergangenheit an. Für das kommende Jahr rechnet Hugentobler mit einer ähnlichen Ernte wie in diesem Jahr.

Mario Tosato

Warum höherer Lagerbestand als 2005/2006 trotz mittlerer Ernte?

Trotz leicht geringeren Ernteerwartungen ist der Novemberlagerbestand bei Tafeläpfeln gemäss Benno Neff, von der Seeobst AG, höher als 2005/2006 ausgefallen. Der Lagerbestand von annähernd 58000 Tonnen bewege sich aber in einer Grössenordnung, die mit entsprechenden Massnahmen bis zur freien Phase vermarktet werden kann. Eine mögliche Erklärung sei, dass die Fruchtgrössen aufgrund der Witterung zwar in der Ostschweiz kleiner waren, nicht aber in den übrigen Hauptproduktionsgebieten. Obwohl die Herbstsorten grösstenteils verkauft sind, waren die Abverkäufe in diesem Herbst geringer. Im Verkauf ist zu beobachten, dass vermehrt Aktionen bei Gala anstelle von Goldenaktionen durchgeführt werden. Nebst der Sorte Golden werden dadurch auch weniger Maigold verkauft. Bei den Birnen ist der Lagerbestand tief, ein Abverkauf vor der freien Phase ist sehr wahrscheinlich.

Neue Apfelkönigin hat ihre Arbeit aufgenommen

Yvette Zosso hat Ihr neues Amt als Botschafterin für den Thurgauer Apfel aufgenommen. Sie betonte, dass sie besonders das junge Publikum ansprechen möchte. Seit ihrer Wahl Anfang Oktober konnte die Apfelkönigin bereits 12 Auftritte verbuchen und hat mit ihrem Gastspiel beim deutschen Privatsender Pro7 auch gleich einen ersten Höhepunkt bravourös gemeistert.

Urs Müller, LBBZ Arenenberg





Bruno Pezzatti, Jacqueline Bachmann und Marc Wermelinger (l.) geniessen Thurgauer Äpfel, trotz drohendem EU-Freihandelsabkommen. (tos)
Bruno Pezzatti, Jacqueline Bachmann und Marc Wermelinger (l.) geniessen Thurgauer Äpfel, trotz drohendem EU-Freihandelsabkommen. (tos)