Ausgabe Nummer 2 (2010)

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Thurgauer Regierung bekennt sich zum Obstbau

Obstfachtagung in Zihlschlacht


Durch die grossen Ernten sind die Lager immer noch voll. Mit gemeinsamen Preisreduktionen, welche durch die Produzenten, Handel und Verkauf getragen werden, sollen die Tafeläpfellager abgebaut werden.


«Auf die Blütenpracht im Frühling folgte eine äusserst grosse Ernte. Der Feuerbrand konnte im vergangenen Jahr unter Kontrolle gehalten werden», freut sich Edwin Huber, Präsident der Fachgruppe Obst des Verbands Thurgauer Landwirtschaft (VTL), an der Obstfachtagung in Zihlschlacht. Allerdings haben am 26. Mai Hagelschläge trotz Hagelnetzen und Folien grosse Schäden verursacht. Huber gab der Freude Ausdruck, dass im Obstbau für den Nachwuchs die Perspektiven intakt seien. Wie Regierungsrat Kaspar Schläpfer erklärte, leben rund 500 Bauernfamilien (Niederstammanlagen) und 1600 Betriebe mit Hochstammbäumen vom Obstbau und generieren einen Rohertrag von rund 80 Millionen Franken. Diese Fakten seien mit ein Grund, dass sich die Thurgauer Regierung im Jahr 2007 mit 11 Millionen Franken und im Jahr 2008 mit 5,5 Millionen Franken an den Feuerbrandschäden beteiligt haben. Mit dem Projekt «Zukunft Obstbau Thurgau» soll die Ausbreitung des Feuerbrands vermindert und damit die wirtschaftliche Obstproduktion und das Landschaftsbild im Thurgau erhalten werden. Die beiden Apfelköniginnen Brigitte Suter (2008/09), Corinne Oertig (2009/10) erzählten von ihren Erlebnissen im In- und Ausland bei der Präsentation der himmlischen Thurgauer Frucht und der Thurgauer Landschaft.

Thurgau ist Spitze
Von einer erfreulichen Entwicklung sprach auch Bruno Hugentobler, BBZ Arenenberg, bei den Tafelkirschen. In der Klasse Premium Kirschen stammen rund 42 Prozent der Schweizer Ernte aus den Kantonen Thurgau und St. Gallen. Auch bei den Tafelzwetschgen sind der Thurgau und St. Gallen mit einem Anteil von etwas mehr als zwei Dritteln an der Spitze. Der Mengenanteil bei den Thurgauer Äpfeln liege bei rund einem Drittel der gesamten Apfelernte. Die Tafelbirnenernte 2009 sei in der Schweiz und im Thurgau überhaupt bisher die grösste. Nach Hugentoblers Angaben reiften rund zwei Drittel der Mostäpfel im Thurgau. 65 Prozent der Kaiser Alexander-Birnen und 45 Prozent der Conférance-Birnen stammen aus Thurgauer Produktion.

Nein zum Freihandelsabkommen mit EU
Auch Jürg Hess, Vizepräsident Früchtezentrum St. Gallen/Thurgau, freute sich über die grosse Ernte. Nun gelte es aber, die hohen Lagerbestände an Tafeläpfeln von 63 645 Tonnen mit Sonderefforts abzubauen. Diese Bemühungen werden von der ganzen Branche unterstützt. Einmal mehr beteuerte Bruno Pezzatti, Direktor Schweizerischer Obstverband, Zug, dass die Obstbauern ein Agrarfreihandelsabkommen nach wie vor ablehnen. Eine Studie belege, dass die 30 bis 40 Prozent kosten- und preisbedingten Marktanteilsverluste im Inland kaum kompensiert werden können. Im Früchtesektor für Produktion und Verarbeitung würden die Begleitmassnahmen pro Jahr rund 160 Millionen Franken kosten.

Deutsche Obstbauern kämpfen ums Überleben
Erstaunt zeigten sich die Thurgauer Obstbauern, als ihnen Helmut Jäger, Vorsitzender der bayrischen Obstbauern, bekannt gab, dass der Produzentenpreis für Tafeläpfel in Deutschland im Durchschnitt 37 Cent betrage, dabei werden noch 12 Cent für Lagerung in Abzug gebracht. Dazu kämen noch Auflagen und Vorschriften des Lebensmittelhandels. Aus diesem Grund würden viele deutsche Obstbauern den Direktverkauf forcieren. Von den 1000 Obstbetrieben in Bayern bilden nur noch deren sieben Obstbauern aus. Deshalb sei es wichtig, den jungen Obstbauern wieder Perspektiven aufzuzeigen. Dazu brauche es den Handel, die Verarbeiter und die Politik.

Mario Tosato



Standen im Mittelpunkt der Thurgauer Obstbautagung (von links nach rechts): Bruno
Hugentobler, Jürg Hess, Helmut Jäger, Marc Wermelinger, Geschäftsführer Swisscofel,
Bruno Pezzatti und Edwin Huber. (tos)
Standen im Mittelpunkt der Thurgauer Obstbautagung (von links nach rechts): Bruno Hugentobler, Jürg Hess, Helmut Jäger, Marc Wermelinger, Geschäftsführer Swisscofel, Bruno Pezzatti und Edwin Huber. (tos)