Ausgabe Nummer 21 (2003)
Thurgauer schlagen neues System vor
| Umstrittene Preisbildung beim Tafelobst | |||
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Thurgauer schlagen neues System vor
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| Auf dem Tafelobstmarkt hängt der Haussegen schief. Die definitiven Richtpreise liegen klar unter den im Herbst angesetzten provisorischen Preisen. Die Schweizer Obstproduzenten haben das bisherige Preisbildungssystem gekündigt. Der Thurgauer Obstverband schlägt ein neues System vor, dass auf den Ernteschätzungen beruht und von einem «gesunden» Lagerbestand von 55 000 Tonnen einheimischen Obstes ausgeht. «Die Preise sind nicht mehr befriedigend», sagt Peter Widmer, Präsident des Thurgauer Obstverbandes (TOV), diplomatisch. Die Abweichungen zu den im Herbst veröffentlichten provisorischen Richtpreisen sei «verrückt gross», fährt er weiter. Bruno Hugentobler, Leiter der Fachstelle für Obst- und Rebbau am LBBZ Arenenberg, spricht eine noch deutlichere Sprache. «Diese Situation ist nicht mehr tragbar», kommentierte er die Richtpreise im Thurgauer Bauer vom 9. Mai. Tatsächlich liegen die definitiven Richtpreise für Gala und Elstar zwischen 20 und 32 Rappen pro Kilogramm unter den Angaben des Herbstbulletins. Besonders deutlich ist die Abweichung bei der Tafelbirne Conférence. Dort wird den Produzenten gar 43 Rappen pro Kilogramm weniger ausbezahlt, als im Herbst vorausgesagt. Das heisst, die Obstproduzenten lösen für ihre Conférence ein Drittel weniger. Auch bei Gala und Elstar betragen die Einbussen zwischen 20 und 30 Prozent. Noch nicht bekannt sind die definitiven Preise für die Hauptsorte Golden Delicious. Die Produzenten müssten sich jedoch auf einen «noch grösseren Preisshock» gefasst machen, warnt Peter Widmer. Produzenten bezahlen Zeche Der Grund dafür, warum das Preisbildungssystem zwischen Produzenten und Lagerhaltern aus dem Ruder läuft, sind nach Meinung der Obstproduzenten primär die Lagerhalter selbst. «Diese und einige grössere Westschweizer Produzenten mit eigener Lagerhaltung haben die Herbstrichtpreise laufend unterboten», fasst Peter Widmer die Erfahrungen aus der aktuellen Vermarktungskampagne zusammen. Die Lagerhalter ihrerseits hätten damit auf die Preisangebote der Grossverteiler reagiert und damit den Preisdruck nach der Grossernte vom vergangenen Jahr direkt den Produzenten aufgebürdet (siehe Kasten). «Was immer die Grossverteiler offerieren, die Lagerhalter sichern sich ihre Marge, indem sie die Produzenten strafen», äussert der TOV-Präsident seinen Unmut. Die Situation ist aus Sicht der Produzenten dermassen ungerecht, dass die Delegierten des Schweizerischen Obstverbandes (SOV) im April beschlossen, das System zu kündigen. Nicht zu viel einlagern Mit einem neuen Preisbildungssystem, das der Thurgauer Obstverband zu Handen einer SOV-Arbeitsgruppe vorschlägt, soll der Markt wieder ins Lot gebracht werden. Ausgangspunkt für die Preisbildung werde einerseits die Vorernteschätzung sein. Zum anderen dient als Messlatte der angestrebte Lagerbestand von «5500 Wagen» Obst. Diese Menge Schweizer Obst (entspricht 55 000 Tonnen) lasse sich erfahrungsgemäss zu angemessenen Preisen im Inland vermarkten, sodass den Produzenten der angestrebte «Drittel des Konsumentenfrankens» in der Kasse bleibt, wie es Peter Widmer formuliert. Der im Herbst aufgrund der Schätzung und des mutmasslichen Lagerbestandes festgelegte Richtpreis soll dann höchstens um 10 Prozent nach unten abweichen, fordern die Thurgauer Obstproduzenten. Mit dieser Regelung wollen die Produzenten die Lagerhalter in die Pflicht nehmen. «Sie sollen Ware, die sie nicht zu annehmbaren Preisen vermarkten können, abweisen.» Das Ziel ist daher, dass nur vermarktungsfähige Ware eingelagert wird. Es sei vernünftiger, dass die übrige Ware direkt im Herbst in die Mostereien geliefert wird, als wenn der Produzent im Frühjahr feststellen muss, dass der Preis für sein Tafelobst unter dem Preis für gewöhnliches Mostobst liegt. Dies sei in diesem Frühjahr bei Klasse-II-Ware leider meist der Fall gewesen, stellte Fachstellenleiter Bruno Hugentober fest. Hugentobler und Widmer rufen die Produzenten auf, « bei der nächsten Ernte nichts mehr ohne garantierten Preis zu liefern.» (hil) |
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