Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
12. Januar 2018


Thurgauer Team "Big Harvest" gewinnt den 11. Weizen-Junior-Cup

Ausgabe Nummer 39 (2015)

Das Thurgauer Team «Big Harvest» erreichte den mit Abstand höchsten Deckungsbeitrag im Extenso-Anbau mit der Sorte Fiorina und trägt das Preisgeld von 1400 Franken davon.

Am 17. September 2015 luden Martin Bertschi und Katrin Carrel vom Fachbereich Ackerbau am Strickhof Lindau ZH zur Preisverleihung anlässlich des 11. Weizen-Junior-Cup ein. Ernst Meyer, Vorstandsmitglied beim Schweizerischen Getreideproduzentenverband, eröffnete die kleine Feier dieses Berufswettbewerbs, der den professionellen Getreideanbau fördert. Als Vorbild für die Lancierung dieses Cups, den der Strickhof seit 2004 durchführt, diente der Anbauwettbewerb der DLG-Feldtage. Der Cup mit seinen Anbauvergleichen hat sich bewährt und über 1000 Schüler haben durch ihre Teilnahme viel Fachwissen für ihre spätere Praxistätigkeit und Weiterentwicklung erhalten.

Schwieriger Start im Herbst 2014
Auch in diesem Jahr massen sich 15 Teams im intensiven und extensiven Weizenanbau, etliche der Teilnehmer nahmen persönlich an der Preisverleihung teil. Bevor die mit Spannung erwarteten Rangierungen bekannt gegeben wurden, erörterten Martin Bertschi und Katrin Carrel die Details rund um den Anbauwettbewerb. An diesem nahmen wiederum zwei Teams aus Ostdeutschland (Fachschule Haldensleben), teil. Die Versuchsfelder für diesen Cup befanden sich am Strickhof Lindau (ZH). Ausgesät wurde Ende Oktober 2014 mit vier Wiederholungen. Nach der Vorkultur Zuckerrüben trocknete der Boden, aufgrund der unbeständigen Herbstwitterung, schlecht ab, was die Saat etwas verzögerte.
Katrin Carrel erörterte Wetterdaten und Erträge, Proteingehalt und Ertragsvergleiche. Sie stellte unter anderem fest, dass der beträchtliche Krankheitsdruck der feuchten Frühlingsmonate durch den sehr trockenen Juli etwas gebremst wurde. Die Kleinparzellen des Weizen-Junior-Cups wurden am 20. Juli geerntet. Auswuchs musste dieses Jahr nicht befürchtet werden, die Hektolitergewichte waren gesamtschweizerisch hoch. Die milden und feuchten Bedingungen im Frühling förderten auch die Entwicklung der Krankheiten. Getreidesorten, die 2014 einen Einbruch bei der Gelbrostresistenz erlitten, waren auch 2015 von Gelbrost befallen. Im Junior-Cup waren dies vor allem die Sorten Claro. Durch die steigenden Temperaturen ab der zweiten Junihälfte wurde jedoch die weitere Entwicklung des Pilzes gebremst.

Bescheidene Erträge – gute Qualität
Die Erträge 2015 fielen mit 54 dt/ha im Extenso- Verfahren sehr bescheiden aus. Im Vorjahr lag der Mittelwert mit 69 dt/ha deutlich höher. Die diesjährige Spanne vom tiefsten zum höchsten Ertrag erstreckt sich von 48 bis 64 dt/ha. Dafür fielen die Proteingehalte mit 14 Prozent (Vorjahr: 12,5 Prozent) höher aus. Die Sorten Fiorina, CH Camedo und Nara erreichten nicht nur gute Erträge, sondern schnitten innerhalb des Extenso-Verfahrens auch wirtschaftlich am besten ab. Erträge und Proteingehalt im Anbauverfahren ÖLN: Während der Durchschnittsertrag im Vorjahr bei 83 dt/ha lag, erreichten die Versuchsparzellen 2015 im Mittel nur 69 dt/ha. Die diesjährige Spanne vom tiefsten zum höchsten Ertrag erstreckt sich von 55 bis 81 dt/ha. Im intensiven Weizenanbau wurde dieses Jahr ein Proteingehalt von 13,9 Prozent (Vorjahr: 12,7 Prozent) erreicht. Jene drei Teams, welche mit den Sorten Chaumont, Rainer und CH Combin die höchsten Erträge erreichten, erzielten letztlich auch das wirtschaftlich beste Ergebnis innerhalb des Verfahrens ÖLN intensiv.
Ertragsvergleich Exenso/ÖLN: Der Durchschnittsertrag Extenso beträgt 53,5 dt/ha gegenüber 68,8 dt/ ha im ÖLN intensiv. Dies ergibt 15,3 dt Mehrertrag im intensiven Anbauverfahren (2014: 14,4 dt). Martin Bertschi erörterte Details zu Kostenstruktur, Düngungsstrategie und Pflanzenschutzmassnahmen. Er stellte unter anderem fest, dass das Thurgauer Team «Big Harvest» die beste Anbaustrategie der Extenso-Variante gefunden hat. Mit der Sommerweizensorte Fiorina (Klasse Top) und einer Saatdichte von 300 Körnern pro Quadratmeter konnte dieses Team einen Ertrag von 64 dt/ha ernten (siehe Abbildung 1).

Auswahl aus 15 Strategien
Zusammen mit der Extensoprämie von 400 Franken, einem Qualitätszuschlag von 54 Franken und der IPSuisse- Labelprämie von knapp 290 Franken konnte das Team «Big Harvest» von der Klasse BSN 3A (die soeben ihre Ausbildung am BBZ Arenenberg beendeten und nun Junglandwirte sind), erzielten einen Erlös von 3877 Franken. Nach Abzug der Produktionskosten von 1732 Franken erzielten sie mit 2145 Franken den höchsten Deckungsbeitrag dieser Variante.
Einige Eckdaten aus ihrer erfolgreichen Anbaustrategie: Die Gesamtmenge der N-Düngung betrug 140 kg N. Dies entspricht einer ausgeglichenen N-Bilanz im Vergleich mit der Empfehlung zur korrigierten Düngungsnorm (– 4 kg N). Die Sortenwahl erwies sich als indirekter Pflanzenschutz: Als spät gesäte Herbstsaat ist der Sommerweizen Fiorina eine Sorte mit guter Winterhärte, Ertrag und Qualität. Paul Wirth, der noch bis Ende September 2015 als Berater Ackerbau und Lehrer am BBZ Arenenberg tätig ist, nahm an der Preisverleihung teil. Er meldete sich am Schluss zu Wort und gab ein begeisterndes Statement für den erfolgreichen Getreidebau ab: «Ich wünschte mir, dass 2016 beim nächsten Weizen- Junior-Cup der Saal zum Bersten voll ist. Und dass auch möglichst viele Landwirte präsent sind, denn der Cup bietet eine gute Auswahl aus 15 Strategien für einen erfolgreichen Weizenanbau.»


Isabelle Schwander










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