Ausgabe Nummer 11 (2007)

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Thurgauer Weinbauverband tagte in Schlattingen

Grosses Engagement für die Absatzförderung

Der Thurgauer Weinbauverband wird sich im laufenden Jahr an verschiedenen Anlässen stark für die Absatzförderung der Thurgauer Weine engagieren.

«Der Konsument verlangt heute hervorragende Weine, und das sollte auch dem Produzenten sein Ziel sein», rief Peter Egloff (Niederneunforn), Präsident des Thurgauer Weinbauverbande an deren Generalversammlung in Schlattingen den Rebleuten in Erinnerung. Er zeigte sich betreffend die Marktentwicklung der einheimischen Weine grundsätzlich erfreut, weil der Konsum von einheimischen Weinen leicht gesteigert werden konnte. «Nur wenn es uns weiterhin gelingt, dass Produzent, Selbstkelterter und Weinhandel am gleichen Strick ziehen und Qualität produzieren, kann der Marktanteil an einheimischen Weinen weiter gesteigert werden», zeigte er sich überzeugt. Er machte aber gleichzeitig deutlich, dass dafür grosse Aufklärungs- und Überzeugungsarbeit nötig ist, um weitere Konsumenten zu gewinnen. Anderseits bezeichnete er es als ernüchternd, wenn man Angebote von Schweizer Flaschenweinen mit Blauburgunder für den Preis von 4,90 Franken findet. Solche Preise sind für die Erhaltung der Rebberge nicht förderlich, geschweige noch kostendeckend, machte Egloff deutlich. Erfreut zeigte er sich vom Ergebnis am runden Tisch, wo sich Produktion und Handel traffen. Offen konnte über die Zukunft des Thurgauer wie auch Ostschweizer Weines diskutiert werden. Es sei dabei deutlich geworden, dass der Handel ohne Traubenproduzenten gar nicht leben kann. Aus dem Vorstand hat Kurt Grüninger (Ermatingen) seinen Rücktritt eingereicht. Neu wählten die Verbandsmitglieder Michael Polich vom Arenenberg in den Vorstand. Die bisherigen Vorstandsmitglieder Peter Egloff zugleich auch als Präsidenten, Nicole Haag (Hüttwilen), Max Wellauer (Frauenfeld), Othmar Lampert (Steckborn), Thomas Germann (Weinfelden) und Hanspeter Wägeli (Buch b. Frauenfeld) wurden im Amt bestätigt. Gesamthaft sind im Thurgauer Verband 173 der rund 200 Rebbauern zusammengeschlossen.
Diskussionslos wurde auch die Verbandsrechnung mit einem Aufwand von über 128 000 Franken genehmigt. Ebenfalls genehmigten die Mitglieder den Verbandsbeitrag. So werden ein Flächenbeitrag von 170 und ein Werbebeitrag von 200 Franken je Hektare sowie ein Betriebsbeitrag von Pauschal 100 Franken genehmigt.

Grosse Absatzanstrengungen
Eine Kernaufgabe des Verbandes stellt die Absatzförderung dar. Im vergangenen Jahr stellte der Verband dafür finanzielle Mittel im Umfang von 73500 Franken bereit, im laufenden Jahr sind es gar deren 95000 Franken, welche dafür im Budget bewilligt worden sind. Die Anstrengungen sind sehr vielseitig und sollen die gesamte Weinpalette zwischen dem Unter- und Bodensee und Hinterthurgau abdecken. Das Eidgenössische Turnfest in Frauenfeld im Juni nützt der Thurgauer Verband für einen besonderen Auftritt. Im Turnerdörfli wird der Verband eine Thurgauer Weinstube mit rund 150 Sitzplätzen führen. «Wir wollen die Besucher mit unserer Vielfalt der Thurgauer überraschen», betonte Max Wellauer, welcher das Projekt betreut. Daneben engagiert sich der Verband auch an den verschiedenen Pferderennen auf der Frauenfelder Rennbahn. Dazu kommen Auftritte an den verschiedenen Thurgauer Messen. Neu schliesst man sich zudem ? zusammen mit dem Kanton Aargau ? am 1. Mai den Zürchern mit dem Tag der offenen Kellertüren an. Ein besonderer Höhepunkt wird wiederum die grosse Weinwanderung am 10. Juni werden. Gemäss Michael Polich laufen die Vorbereitungen für diesen Grossanlass am Untersee auf Hochtouren. Die Wanderung mit Start und Ziel am Bahnhof Ermatingen erstreckt sich auf rund 7 bis 8 km mit sieben verschiedenen Posten, wo die Besucher wiederum kulinarisch verwöhnt werden. Für 2008 konnte bereits Hüttwilen als Organisator gefunden werden. Die Diplomübergabe und Feier für die Thurgauer Weinprämierung 2007 mit 55 Rotweinspezialitäten erfolgt im Rahmen der Schlaraffia am 15. März. Zudem wird in diesem Jahr zum zweiten Mal der Bacchus bestimmt, welcher die Nachfolge von Andreas Fischer antreten wird.
Für die vom Bund verordnete Umsetzung der AOC konnten sich die Kantone Zürich, Thurgau und Graubünden auf eine sehr einfache und einheitliche Regelung einigen. Die AOC ist kein Qualitätslabel, sondern garantiert die kontrollierte Ursprungsbezeichnung, führte Rebbaukommissär Bruno Hugentobler aus. Für die Traubenproduzenten ändert sich nichts. Unser Ziel wird es sein, dass auch die übrigen Ostschweizer Weinbaukantone sich unserer Regelung anschliessen können, betonte Egloff. Abschliessend orientierte Martin Huber vom Arenenberg über ein neues grosses Projekt, welches sich wesentlich zur Absatzförderung von Thurgauer Spezialitäten und Erzeugnissen einsetzen wird. Dieses soll breit abgestützt dafür sorgen, dass mehr Produkte aus der Land- und Ernährungswirtschaft aus dem Thurgau abgesetzt werden können.

Unterdurchschnittliche Ernte eingefahren

Die Thurgauer Weinbauern haben im vergangenen Herbst mengenmässig eine unterdurchschnittliche Ernte eingefahren.

Am Thurgauer Weinbautag in Schlattingen zog Rebbaukommissär Bruno Hugentobler über die Weinlese 2006 Bilanz. Gesamthaft durften die Thurgauer Winzer und Weinmacher 16 929 Hektoliter Blauburgunder, 3539 hl Müller-Thurgau und 2150 hl Spezialitäten einkellern. Damit liegt die Erntemenge unter dem Vorjahr und auch 10% unter dem langjährigen Mittel. Diese Erträge entsprechen einem Ertrag pro Quadratmeter von 572 Gramm beim Müller Thurgau, 754 Gramm beim Blauburgunder und 691 Gramm bei den übrigen Sorten. Auch qualitätsmässig darf sich der Jahrgang 2006 sehen lassen, indem er sich praktisch nahtlos an die vorangegangenen Jahrgänge anknüpfen konnte.
Gesamthaft sind gemäss Hugentobler Ende 2005 im ganzen Kanton Thurgau 265,67 ha mit Reben bestockt und weist seit 1992 eine mehr oder weniger stabile Entwicklung auf. 61% oder 162 ha sind mit Blauburgunder, 23% oder 63 ha mit Müller- Thurgau (Riesling x Sylvaner) und 41 ha (16%) mit weiteren Sorten bestockt. Diese verteilen sich mit knapp je 5 ha auf Regent und Garanoir, 3,5 ha Pinot Gris und rund je 2 ha auf Maréchal Foch, Chardonnay, Léon Millot, Sauvignon Blanc und Dakapo. Dazu kommen Gewürztraminer, Seyval Blanc, Dornfelder, Zweigelt und Solaris.
Immer mehr setzen die Thurgauer Winzer auf die Selbstvermarktung, hielt Hugentobler weiter fest. Wurden 1999 noch 69% der gesamten Ernte vom Handel übernommen, so ist dieser 2006 auf 49% gesunken. Gemäss Hugentobler sind im vergangenen Jahr im ganzen Kanton Thurgau 33 Aren Müller-Thurgau auf andere Sorten umgestellt worden. Für dieses Jahr sind ihm vorerst 30 Aren gemeldet worden. Die von Bund gewährten Umstockungsbeiträge dauern noch 2011. Die weitere Notwendigkeit dieser Massnahme ist aber für den Kanton Thurgau umstritten. Hugentobler führt dies auf die deutliche Zunahme der Nachfrage beim Müller- Thurgau zurück, sodass eine weitere Flächenreduktion zu überdenken ist.

Zukunft Rebbauberatung
Die Umfrage für das Interesse einer Rebbauberatung ergab ein deutliches Bild. 20% der Rebbewirtschafter haben geantwortet und ihre Beratungsbedürfnisse geäussert. Ein mittleres Bedürfnis stellte Hugentobler im Bereich Pflanzenschutz und eher kleinere bei der Bodenpflege und Düngung fest. Beratungsempfehlungen per Fax oder Mail haben 25 Rebbauern gewünscht. Aufgrund der Umfrageergebnisse wird das Rebbaukommissariat per Mail oder Fax rund 20 Mitteilungen pro Jahr an jene versenden, welche diese Infos vorgängig gewünscht haben und sich mit 40 Franken an den Kosten beteiligen. Themen werden Infos aus dem Verband und der Weinwirtschaft, Pflanzenschutz und Warndienst, allgemeine Pflegemassnahmen sowie Weinlese und Weinlesekontrolle sein. Parallel wird kostenlos die Gruppenberatung in den Weinbaugemeinden angeboten, welche sich nach den Bedürfnissen der entsprechenden Gemeinden richten. Beim Kontrollwesen wie bei den Mindestanforderungen der öLN sind keine Änderungen vorgesehen. Die IP/öLNKontrolle wird analog zu 2006 durchgeführt. Das Vinatura- Label wird noch von fünf Betrieben im Thurgau geführt.

Roland Müller


In den Vorstand wurde neu Michael Polich
(rechts) gewählt, welcher Kurt Grüninger
(links) ersetzt.Verbandspräsident Peter
Egloff (Mitte) wurde im Amt bestätigt. (romü)
In den Vorstand wurde neu Michael Polich (rechts) gewählt, welcher Kurt Grüninger (links) ersetzt.Verbandspräsident Peter Egloff (Mitte) wurde im Amt bestätigt. (romü)