Ausgabe Nummer 10 (2004)

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Thurgauer Weine verdienen viel Platz

="30"> Peter Egloff, der neue TWV-Präsident, im Gespräch  
Thurgauer Weine verdienen viel Platz
 
Thurgauer sollen mehr Thurgauer Wein trinken. Dieses Ziel verfolgt der Niederneunforner Winzer Peter Egloff als neuer Präsident des Thurgauer Weinbauverbandes. Im Gespräche, mit dem Thurgauer Bauer verrät Egloff warum.
 
«Das Ziel des Verbandes muss es sein, den Konsum auf zwei Flaschen pro Monat zu verdoppeln», sagt der neue TWV-Präsident Peter Egloff. (hil)
 

Zur Person
Peter Egloff bewirtschaftet mit seiner Familie im Fahrhof bei Niederneunforn ein Weingut mit rund sechs Hektaren Reben. Der Selbstkelterer vinifiziert nebst Blauburgunder und Müller-Thurgau eine Reihe von Spezialitäten. Seit acht Jahren gehört Egloff dem Thurgauer Kantonsrat an. Bei nächsten Wahlen Ende März tritt er jedoch nicht mehr zur Wiederwahl an. (hil)


Thurgauer Bauer: Warum sind Sie Präsident des Thurgauer Weinbauverbandes (TWV) geworden?
Peter Egloff: Ich bin schon einmal angefragt worden. Doch aus Zeitgründen musste ich damals ablehnen. Grundsätzlich setzte ich mich aber gerne für unseren Berufsstand ein. Und jetzt war der Zeitpunkt dafür da. Als Präsident möchte ich mich grundsätzlich für den Berufsstand des Rebbauers und Winzers einsetzen. Die Rebe ist eine wichtige Pflanze, die viel Sauerstoff produziert für Mensch und Tier. Die Berufsbildung ist mir ebenfalls ein wichtiges Anliegen. Und nicht zuletzt will ich auch das Produkt, den Thurgauer Wein, weiter fördern.

Thurgauer Bauer: Wie wollen Sie das tun?
Peter Egloff: Wein ist Medizin, solange er massvoll konsumiert wird, davon bin ich überzeugt. Den Winzern sollten nicht noch mehr Auflagen gemacht werden, die ihnen das Wirtschaften erschweren. Ich denke da etwa an strengere Vorschriften betreffend Etikettierung. Auch mögliche Werbeverbote für Tabak- und Alkohol müssen bekämpft werden. Der Thurgauer Kantonsrat hat zu meinem Leidwesen leider eine entsprechende Motion verabschiedet. In Deutschland oder Österreich werden immer wieder volkstümliche Sendungen aus Weinbaugebieten übertragen, und darin wird ungeniert Werbung gemacht für die Weine der Gegend. Ich frage mich schon, warum das in der Schweiz nicht möglich ist.
Wir müssen die Konsumentinnen und Konsumenten dazu bringen, Wein möglichst direkt bei den Produzenten einzukaufen. Dies ist nur möglich, wenn jeder Weinproduzent hinter seinen Produkten steht.

Thurgauer Bauer: Sie haben das Thema «Ausbildung» als Schwerpunkt genannt. Kämpft der Weinbau mit einem Nachwuchsproblem?
Peter Egloff: Nein, zurzeit läuft es noch gut. Es werden genügend Rebbauern und Winzer ausgebildet. Die Frage ist eher, was machen die jungen Berufsleute nach ihrer Ausbildung. Weinbaubetriebe zu übernehmen ist nicht einfach. Selbstkelterer, die sich im Laufe der Jahre einen guten Namen gemacht haben, möchten für ihren Betrieb verständlicherweise einen angemessenen Preis lösen. Und da wird es für Nachfolger schwierig, bei den Banken das notwendige Kapital zu beschaffen, es sei denn, der bisherige Besitzer ist zu einem Preisnachlass bereit.

Thurgauer Bauer: Wo stehen Ihrer Meinung nach die Thurgauer Weine im schweizweiten und internationalen Vergleich?
Peter Egloff: Thurgauer Weine sind allgemein sehr gut. Es gibt aber meiner Meinung nach zwei Probleme: Erstens werden die Weine meist zu jung konsumiert und zweitens oft in einem falschen, zu kleinen Glas. Auch den Thurgauer Weinen muss man in einem grossen Glas Platz bieten, ihre Frucht zu entfalten. In Blinddegustationen landen unsere Weine regelmässig auf vorderen Plätzen.

Thurgauer Bauer: Also gibt es nichts zu verbessern?
Peter Egloff: Doch. Für mich stellt sich in diesem Zusammenhang aber eine grundsätzliche Frage: Wollen wir Weine «traditionell hegen und pflegen» oder wollen wir Thurgauer Weine «machen». Das heisst: Welchen Charakter sollen Thurgauer Weine haben? Sollen sie auf traditionelle Art möglichst natürlich gepflegt werden oder eben mit moderner Technologie gemacht werden. Man kann gut beide Wege gehen, man kann sie auch kombinieren. Ich bin aber der Meinung, dass für den Thurgau der natürliche Weg der richtige ist. Aus dem Ausland kommen die «gemachten», standardisierten Produkte, während für uns die Chance im unverwechselbaren Charakter unserer Weine liegt.

Thurgauer Bauer: Soll da die vom Thurgauer Weinbauverband angestrebte Typisierung der Thurgauer Weine helfen?
Peter Egloff: Nein. Ich bin der Meinung, dass die Konsumenten entscheiden sollen, was gut ist und was nicht. Es ist sehr gefährlich, wenn wir dies als Produzenten tun. Mit einer Typisierung droht meiner Meinung nach eine Standardisierung unserer Weine, und das will ich sicher nicht.

Thurgauer Bauer: Können die Thurgauer Weine denn auf dem immer stärker geöffneten Markt überhaupt bestehen?
Peter Egloff: Von der Qualität her habe ich da überhaupt keine Angst. Beim Preis gibt es teilweise Nachteile, wobei auch Weine aus Italien nicht billiger sind als Schweizer Weine. Wer den Zahltag und die AHV in der Schweiz bezieht, sollte auch Konsumgüter zu Schweizer Preisen kaufen. Wir müssen einfach mit unserem Produkt überzeugen. Bisher trinkt jeder Thurgauer pro Monat eine Flasche Thurgauer Wein. Das Ziel des Verbandes muss es sein, den Konsum auf zwei Flaschen pro Monat zu verdoppeln. Damit wäre schon viel erreicht.

Thurgauer Bauer: Hilft Ihnen dabei die Wein- und Gourmetmesse «Schlaraffia»?
Peter Egloff: Jede Ausstellung hat ihre Grenzen. Für Selbstkelterer wie mich ist es wichtiger, die Leute auf den Betrieb zu holen. An Ausstellungen kann ich kaum Neukunden ansprechen. Da stellt sich für uns schon die Frage nach Preis und Nutzen.

Thurgauer Bauer: Wie bringen Sie denn die Leute auf Ihren Betrieb?
Peter Egloff: Wichtig für uns sind Gesellschaften wie etwa Hochzeiten. Dann werden die Kunden regelmässig angeschrieben. Wir bieten auch Kurse an und Degustationen. Wir hoffen natürlich, dass unsere Kunden immer wieder mal Freunde oder Bekannte mitbringen. Seit kurzem führen wir auch eine Gelegenheitswirtschaft. Das bringt uns Leute auf den Betrieb, und wir können dort unsere eigenen Produkte verkaufen.

Thurgauer Bauer: Allgemein gefragt: Reicht die Direktvermarktung als Absatzkanal?
Peter Egloff: Nein, natürlich nicht. In der Thurgauer Gastronomie werden leider zu wenig einheimische Weine konsumiert. Der Thurgauer Weinbauverband muss das Gespräch mit dem Wirteverband suchen. Unser Ziel ist es auch, Kurse für das Servicepersonal anzubieten, damit sie die Thurgauer Weine besser kennen lernen. Ebenfalls wollen wir Kontakte zum Tourismus knüpfen. An kantonalen Anlässen und Festivitäten muss mehr Einheimisches angeboten werden, nach dem Motto Most und Traubensaft statt Orangensaft. (hil)