Ausgabe Nummer 50 (2005)

zurück zur Übersicht

Thurgauer Wirtschaftsverbände lancieren drittes Massnahmenprogramm

Eine neues Chancenpapier für den Thurgau

Thurgauer Wirtschaftsverbände lancieren drittes Massnahmenprogramm


Wollen die «Chance Thurgau»
weiterverfolgen: Andreas
Binswanger, Peter Schifferle und
Peter Schütz. (Bild: Martin Sinzig)

Die Industrie- und Handelskammer Thurgau sowie der kantonale Gewerbe- und der Bauernverband ziehen eine positive Bilanz zu den Massnahmenprogrammen «Chance Thurgau» und «Chance Thurgau plus». Angeschoben wurde dadurch unter anderem das Projekt zur Bildung eines Kompetenzzentrums Ernährungswirtschaft. Ein drittes Papier unter dem Titel «Chance Thurgau Wachstum» soll im kommenden Jahr lanciert werden.
1996 hatten die Industrie- und Gewerbeverbände das Projekt «Chance Thurgau» lanciert und damit erstmals gemeinsam Vorschläge zur Verbesserung der staatlichen Rahmenbedingungen und für Selbsthilfemassnahmen gemacht. Beim Projekt «Chance Thurgau plus» im Jahre 2002 stiess der Bauernverband hinzu.
Von insgesamt 68 Massnahmenvorschlägen aus beiden Programmen seien 39 vollständig umgesetzt worden, 23 teilweise und sechs gar nicht. Gesamthaft seien 80 Prozent der gesetzten Ziele erfüllt worden und damit wesentlich mehr, als sich die Verbände erhofft hätten, führte Peter Muri als Vertreter der IHK Thurgau an einer Medienkonferenz vom 6. Dezember aus.

Für die Landwirtschaft positiv

Aus der Sicht der Landwirtschaft äusserte sich Bauernverbandspräsident Andreas Binswanger positiv zur Zusammenarbeit mit den anderen Wirtschaftsverbänden. Eine gut gehende Wirtschaft fördere die Konsumfreude, die Gastronomie und auch die vor- und nachgelagerten Betriebe des Agrarsektors. «Wir fühlen uns sehr wohl in diesem Verbund und gehen miteinander einen Weg, ohne dass wir uns laufend neutralisieren.»
Eine Auswirkung des Chancenpapiers ist das Projekt zur Bildung eines Kompetenzzentrums Ernährungswirtschaft, hob Binswanger hervor. Dieses Projekt laufe, auch wenn es nicht so schnell vorwärtsgehe wie erhofft. Die Projektleitung dafür liegt beim Bauernverband. Förderlich seien für die KMU in der Landwirtschaft schliesslich auch die erzielten Kostensenkungsmassnahmen sowie verbesserten Rahmenbedingungen im Kanton.

In die Politik integriert

Mit den bisherigen Programmen ist es vor allem gelungen, die Wirtschaft besser in die Politik zu integrieren. Das hätten die regelmässigen Treffen und Diskussionen mit der Regierung sowie mit den bürgerlichen Parteien, aber auch mit den SP und Gewerkschaften gezeigt. Letztere zwei sollen künftig noch stärker einbezogen werden, betonte Muri. Negativ bewertete er die abgelehnte, strassenbauliche Verkehrserschliessung des Mittel- und Oberthurgaus. Sehr erfreulich seien hingegen die erfolgten und kontinuierlichen Steuerentlastungen für juristische wie für natürliche Personen. In den kommenden zwei Jahren habe der Thurgau durchaus Chancen, im interkantonalen Vergleich auf Platz fünf vorzurücken.

Drittes Programm angekündigt

Die «Chance Thurgau» sei zu einem Begriff und zu einem lebendigen Miteinander geworden, zog auch IHK-Präsident Peter Schifferle ein positives Fazit und meinte: «Wir sind auf dem richtigen Weg.» Das nächste Thema werde die «Chance Thurgau Wachstum» sein. Bis im ersten Semester des kommenden Jahres wollen die Wirtschaftsverbände ein drittes Programm mit 20 bis 25 Massnahmen vorlegen, erläuterte Peter Schütz, Präsident des Thurgauer Gewerbeverbandes.
Es werde vor allem darum gehen, im Steuerwettbewerb die gute Position zu sichern und das Ausgabenwachstum der öffentlichen Hand zu senken. Unter anderem sollen auch die offenkundigen Probleme bei der Verkehrserschliessung des Kantons adressiert werden. Es werde ein ehrgeiziges Programm werden, versicherte Schütz. «Wir haben die Arbeit getan, aber sie hört nicht auf.»

Martin Sinzig