Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
12. Januar 2018


Tierärztliche Grundkontrollen und Energie sparen

Ausgabe Nummer 11 (2015)

An der Basiskonferenz des VTL, der Delegiertenversammlung aller Agroberatungsvereine und der Vereinigung Hinterthurgauer Bergbauern, vom letzten Freitag in Weinfelden, standen der neue Chef Landwirtschaftsamt, Ueli Bleiker, Kantonstierarzt Paul Witzig und die neu gegründete Junglandwirtekommission im Fokus. Interessante Aspekte lieferte auch das Referat bezüglich Energieeffizienz in der Landwirtschaft – mit Umsetzung der Ideen von AgroCleanTech lasse sich nicht nur Energie, sondern auch Geld sparen.

Ueli Bleiker, neuer Chef des kantonalen Landwirtschaftsamtes, sprach über die verschiedenen Sichtweisen in Sachen Landwirtschaft. «Was erwartet die Bevölkerung, der Konsument von der Landwirtschaft? » lautete seine Frage, welche er mit Nahrungsmitteln und dem umweltschonenden Umgang mit vorhandenen Ressourcen beantwortete. Dazu gehören auch ökologische Aspekte, tierfreundliche Haltung sowie der Umweltschutz, so Bleiker, der sich damit auf eine Studie stützte und betonte: «Das höchste Gut der Land- und Ernährungswirtschaft ist die Glaubwürdigkeit.» Im Weiteren zeigte er auf, was seine Arbeit beim Landwirtschaftsamt beinhaltet und welches Pflichtenheft ihm der Regierungsrat auferlegt hat.

Grundkontrollen ohne Direktzahlungsabzüge
Kantonstierarzt Paul Witzig nahm Stellung zum Brief, welchen die Landwirte betreffend Kontrollen erhalten haben. Er erklärte, dass neu eine Grundkontrolle in der Primärproduktion stattfinden wird, da es bei den bisherigen weissen, blauen, ÖLN und Tierseuchenkontrollen immer wieder zu Überschneidungen kam. Die neue Verordnung stütze sich unter anderem auf die Lebensmittelgesetzgebung, das Landwirtschafts-, Tierschutz- und Tierseuchen- sowie Heilmittelgesetz ab. Auch die Aus-, Weiter- und Fortbildung der Kontrolleure sei entsprechend angepasst worden. Dies alles mit dem Ziel, auf die Strategie «One Health» (eine Gesundheit) hinzuarbeiten. Erfasst werden alle Betriebe mit drei Grossvieh-Einheiten oder 0,25 SAK (Standardarbeitskräfte). Eine Grundkontrolle wird alle vier Jahre stattfinden, sofern keine Beanstandungen gemeldet werden. Auch in einem solchen Fall soll jedoch nicht mehr als eine Grundkontrolle pro Jahr durchgeführt werden.
Anschliessend sprach er die kursierende Unsicherheit unter den Landwirten, dass diese Grundkontrollen bei Beanstandungen zu Direktzahlungsabzügen führen, an. «Dem ist nicht so!» beruhigte Witzig. Es seien bereits einige hundert Kontrollen erfolgt und erste Rückmeldungen eingegangen. Es würden vor allem Tierarzneimittelbestand, Überraschungseffekt unangemeldeter Kontrollen, Genauigkeit der Kontrollen sowie das Auftreten mancher Kontrolleure beanstandet. Letzteres war denn auch ein Thema bei einigen Anwesenden, die sich über das zum Teil forsche und herrische Auftreten der Kontrolleure beschwerten. Witzig erklärte, dass er Reklamationen ernst nehme, er jedoch stets zwei verschiedene Versionen höre. Die Kontrolleure seien aber so oder so angewiesen, sich sachlich und anständig zu verhalten.
Ein weiteres Votum war, dass die Grundkontrolle zeitlich aufgeteilt werden soll. Es könne nicht sein, dass ein Betriebsleiter eine dreistündige oder längere Kontrolle über sich ergehen lassen müsse. Als Lösung wurde als Idee vorgeschlagen, dass der Betriebsleiter beispielsweise nur eine halbe Stunde zur Verfügung stehen müsste.

Energieeffizienz = Geld sparen
Mit dem Referat «Umsetzung Energieeffizienzmassnahmen in der Landwirtschaft» zeigte Andreas Düring von der AgroCleanTech AG auf, wie man mit einigen technischen Nachbesserungen Strom und Geld einsparen kann. Als Beispiel nannte er die Milchkühlung: Diese finde meistens über ein Aggregat statt; das benötigte Wasser werde in der Regel mit Boileranlagen aufgeheizt. Hier kommt die Idee von AgroCleanTech AG zum Zuge: Die der Milch entzogene Wärme wird über einen Kühlkreislauf und Wärmetauscher genutzt, um das Wasser danach für Reinigungsarbeiten einzusetzen. Anhand von Beispielen mit Testhöfen zeigte er auf, wie mit dem System Einsparungen bis zur Hälfte des Stromverbrauchs erzielt werden konnten. Ein weiteres Novum ist, die Steuerung der Heutrocknung elektronisch durchzuführen. «Heute erfolgt die Heubelüftung mit einem Ventilator, der manuell gesteuert wird. Mit dem Einbau der vollautomatischen Steuerung werden Witterungsbedingungen, Feuchtigkeit und die Temperatur im Heustock berücksichtigt, » so Düring. Die Betriebszeit konnte damit um bis zu einem Drittel reduziert werden. Aufgrund der Resultate wurden Programmanträge bei Prokilowatt eingereicht und Förderprogramme gestartet. Weitere Messreihen sind in Vorbereitung.
Die Investitionen liegen bei einem mittleren Hof zwischen 5000 bis 10 000 Franken, der Förderbeitrag schwankt zwischen 1000 und 2000 Franken. Eine Amortisation ist nach zirka fünf bis acht Jahren erreicht. Laut Düring werden auch im Kanton Thurgau in den nächsten Tagen weitere Programme, deren Umsetzung ab Spätsommer geplant ist, eingereicht. Interessierte könnten ab Herbst Anträge auf Fördergelder einreichen und hätten gute Chancen auf Berücksichtigung. Weitere Infos unter www.agrocleantech.ch


Daniel Thür







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