Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
13. April 2018


Tiergesundheit - ein zentraler Faktor in der Aufzucht

Ausgabe Nummer 7 (2016)

Der Beratungsdienst der UFA AG lud Anfang Februar zur UHS-Milchviehtagung (UFA Herd Support) mit Informationen zum Projekt «Colorispotop – Kälberaufzucht mit Respekt» und zur Besprechung der UHS-Jahresauswertung ein.

Ignaz Hutter, UFA-Ressortleiter Rindvieh vom Beratungsdienst Wil (SG), begrüsste Kunden, welche den UFA Herd-Support, eine spezifische Beratungsdienstleistung der UFA benützen, zur UHS-Tagung bei Agroscope in Tänikon. Er informierte über das Pilotprojekt Colorispotop, welches die UFA im vergangenen Sommer gemeinsam mit der Firma Zoetis GmbH (Tiergesundheitsmedizin) initiierte. Ziel des Projektes ist es, den Antibiotikaeinsatz in der Kälbermast zu halbieren. Die Botschaft lautet: Antibiotika sind nicht dazu geeignet, Mängel bei der Umsetzung der «guten veterinärmedizinischen Praxis» sowie schlechte Haltungsbedingungen, Managementfehler oder mangelhafte Hygienestandards zu beheben. Ignaz Hutter betonte, dass die Branche alles daran setzen müsse, um gegen das schlechte Image und Negativschlagzeilen anzukämpfen. Das Pilotprojekt Colorispotop ist eine Initiative zu Verbesserung der Kälbergesundheit. Die Optimierung der Konstitution und Tiergesundheit im Geburtsbetrieb soll erreicht werden über die Kolostrumversorgung, Fütterungsintensität, optimale Vitamin- und Spurenelementversorgung und das Haltungssystem. Weitere wichtige Aspekte sind die termingerechte Vakzination, eine konditionierte Fütterungstechnik und definierte Behandlungsschemen. Im Projekt arbeiten Tierarzt, Geburtsbetrieb, Händler, Mastbetrieb und Vermarkter zusammen und schaffen eine gemeinsame Interessenslage. Sie wollen einen hochwertigen Schlachtkörper, hohe Nährstoffeffizienz, sehr gute Tiergesundheit (mit geringem Arzneimitteleinsatz) erreichen.

Kolostrumversorgung im Fokus
Betriebe, die sich am Projekt Colorispotop beteiligen, haben zwischenzeitlich Rückmeldungen auch an den Beratungsdienst der UFA geliefert. Ignaz Hutter berichtete, dass Landwirte feststellen, dass die Umsetzung der Massnahmen im Projekt Mehraufwand verursache, der sich jedoch bereits lohne. In den Rückmeldungen berichteten die Bauern von widerstandsfähigen Kälbern, die weniger Durchfall hatten und bessere Zunahmen zeigten. Die Projektteilnehmer bezeichneten das System mit spezifischem Tränkeprogramm insgesamt als zukunftsweisend. Ignaz Hutter wies auf die Bedeutung der Kolostrumversorgung hin, die möglichst früh erfolgen soll, um den Verschluss der Darmschranke zu erreichen. Empfehlenswert sei die Verabreichung von mindestens vier Litern Kolostrum innerhalb sechs Stunden. Zu beachten gelte es, dass 40 bis 60 % aller Kälber, die unbeaufsichtigt sind, nicht ausreichend Kolostrum trinken. Er thematisierte das Potenzial der metabolischen Programmierung: Den Kälbern wird gleich in den ersten Stunden mehr hochwertige Biestmilch verabreicht, mit der Absicht, dass sie eher zu Hochleistungstieren werden. Die Bausteine der metabolischen Programmierung sind: Kolostrumversorgung, Eisenpaste, eine Wirkstoffspezialität (unter anderem mit Vitaminen, Spurenelementen und Antioxidantien) sowie das Tränkemanagement und die Impfung gegen Kälbergrippe. In den ersten sechs Monaten seien Tageszunahmen bis zu 1 kg und mehr möglich, wenn das genetische Wachstumspotenzial ausgeschöpft wird.

Potenzial aus dem Grundfutter optimal nutzen
Einzelne Tiere können Probleme mit der Integration in die Gruppe aufweisen und haben schlechten Zugang zu Tränke und Aufzuchtfutter. Ignaz Hutter schlug vor, gleichaltrige Tiere gleich zu Beginn in kleineren Einheiten zu halten, um diesen Problemen zu begegnen. Eine gute Futterstrategie mit einem hochverdaulichen Aufzuchtfutter sei zwingend notwendig. Trockenmischungen hätten sich als besonders geeignet erwiesen. Das Ziel in der Aufzucht sei eine gesunde, robuste Kuh mit hoher Lebensleistung. Ignaz Hutter thematisierte die Aufzuchtkosten und stellte fest, dass diese hoch sind. Deshalb könne eine Spezialisierung sinnvoll sein. Jeder Betrieb müsse selber abschätzen, ob die Eigenremontierung der richtige Weg ist. Darüber entscheiden die bestehenden Strukturen, vorhandenen Arbeitskapazitäten sowie das Vertrauen in den Aufzuchtbetrieb mit. Er zeigte auf, dass die Eigenremontierung zwar teurer ist als mit Aufzuchtvertrag, aber für viele Betriebsleiter gehören die eigenen Leistungstiere nicht zuletzt auch zum Berufsstolz. Der Zukauf von Milchkühen ist am günstigsten, mit einem tiefen Erstkalbealter können Kosten gespart werden.
Samuel Brunner, UFA-Milchviehspezialist für die Zentralschweiz, präsentierte die UFA Herd Support- Jahresauswertung. Er betonte, dass dabei die Wirtschaftlichkeit zentral ist und die UHS-Werte stetig weiterentwickelt werden mit dem Ziel, Verbesserungen für die Landwirte zu erreichen. Die «Botschaft» der UHS-Betriebsauswertung lautete: Jeder Betriebsleiter sollte die Kraftfuttereffizienz berechnen und sich regelmässig mit dieser auseinandersetzen. Wichtig sei, das Potenzial aus dem Grundfutter optimal zu nutzen.


Isabelle Schwander







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