Ausgabe Nummer 21 (2008)
Tractor Pulling im Thurgau mit steigender Tendenz
4500 Besucher am Tractor Pulling auf dem Iselisberg
Dröhnende Motoren, starke Traktoren und geschickte Fahrer wussten das Publikum einmal mehr zu begeistern ? gute Thurgauer Resultate.«Für mich als gelernter Landmaschinenmechaniker ist Tractor Pulling einfach das Grösste», stellte der amtierende Schweizer Meister der 2,5-Tonnen-Sportklasse, Martin Gehri aus dem bernischen Seedorf, freudig fest. Die Zuschauer sehen nach seiner Meinung auf der Pullingpiste den kleinsten Teil seines heiss geliebten Hobbys. Während des ganzen Winters müssen die Traktoren für die Meisterschaft im folgenden Jahr hergerichtet werden. «In meiner Klasse werden die Motoren getunt. Das ist mit viel Arbeit in der Werkstatt verbunden. Wenn dann aber mein John Deere 2130, Jahrgang 1978, einwandfrei funktioniert, ist das bereits Freude pur», sagt Gehri. Er wird von seinem Bruder und einem Arbeitskollegen bei der Arbeit und während der Tour, die zwölf Tractor Pullings in der ganzen Schweiz umfasst, unterstützt. Die Piste auf dem Iselisberg sei sehr hart, aber sehr gut, schliesslich habe er im vergangenen Jahr bereits hier gewonnen. In diesem Jahr reichte es dann nur zum dritten Rang.
Auch im Thurgau im Trend
Vor zwei Jahren organisierte Andreas Roos, zusammen mit dem Pullingteam Thurgau, erstmals ein Tractor Pulling im Thurgau. Bei strömendem Regen verfolgten damals gegen 2500 Zuschauer das Spektakel, das in Amerika und Kanada zu den Volkssportarten zählt. Letztes Jahr wurde das Tractor Pulling auf dem Iselisberg durchgeführt, wo 3500 Zuschauerinnen und Zuschauer gezählt wurden. Zwar sei diese Sportart fest in den Händen der Piloten aus den Kantonen Bern und Solothurn. Aber auch in der Ostschweiz fasse das Pulling Fuss. So konnte Thomas Weber aus Sieblingen SH schon verschiedene Schweizer Meistertitel feiern. Laut Roos gibt es auch im Thurgau immer mehr Pullingpiloten. Von ihnen erwartet er in den kommenden Jahren ebenfalls Spitzenresultate. Vom diesjährigen Pulling sind aus Thurgauer Sicht zwei gute Resultate zu vermelden. Konrad Merk aus Pfyn belegte bei der Standardklasse 5 Tonnen mit seinem Deutz-Fahr 100-06, Jahrgang 1970, den dritten Rang, und Stefan Fluder, Dussnang, mit seinem Hürlimann Prestige 95, Jahrgang 2005, in der Standardklasse 6 Tonnen den vierten Rang.
Organisatoren gefordert
Während den beiden Tagen gab es viele spektakuläre Pullings zu sehen. Das Publikum feuerte die Teilnehmenden lautstark an. Es gelang nicht selten einem Fahrer, mit seinem Traktor und dem angehängten Bremswagen je nach Klasse 70, 90 oder 100 Meter weit zu kommen und somit einen «Full Pull» zu erreichen. Andere wiederum blieben schon früh kläglich stecken. Der in breitem Berndeutsch sprechende Moderator machte die Laien auf Veränderungen an Motoren oder wenn die Pneus mit Wasser statt mit Luft gefüllt waren, aufmerksam. Erstmals in der Schweiz wurde gar ein Traktor mit Dreifachbereifung gefahren. Die Organisatoren waren am Samstag gefordert, mussten sie doch die Pullingpiste immer wieder mit Plastikbahnen vor dem Regen schützen. Dies löste auch Verspätungen im Programmablauf aus. Das Publikum nahm die Unterbrüche gelassen und stärkte sich im Festzelt oder an der Bar.
Auch kritische Stimmen
Der grösste Teil des Publikums freute sich über das Traktorenspektakel, doch gab es auch kritische Stimmen, die von einem sinnlosen Sport und Umweltverschmutzung sprachen. Als es aber darum ging, mit Namen in der Zeitung Stellung zu nehmen, machten sich die Kritiker schnell aus dem Staub. Nicht so Frau Gemeindeammann Elisabeth Engel, die im Festführer den Pullingsportlern ihren Respekt zollt, und von einem Kräftemessen mit einer Gerätschaft, die dem ländlichen Raum vertraut sei, schrieb. Sie schrieb aber auch: «Das Thema Klimawandel und Umweltschutz ist zu aktuell, als dass wir nicht ein Augenmerk darauf richten möchten. Ich wünsche mir deshalb, dass jeder Gast auf seine Art einen Umweltbeitrag leistet.» Sie forderte die Besucher auf, keine Nahrungsmittelverpackungen oder andere Abfälle irgendwo in der Umgebung liegen zu lassen.
Mario Tosato

