Ausgabe Nummer 46 (2006)

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Treberwurstsaison beginnt wieder

Grosse Spezialität der Weinbauern

Mit der bevorstehenden Brennzeit des Traubentresters beginnt jetzt auch die Saison der Treberwürste. Viele Rebbauern, wie der Thurgauer Peter Egloff, pflegen diese Spezialität besonders.

Mit den immer kürzer werdenden Novembertagen und kühlen Temperaturen wird man auf den kommenden Winter eingestimmt. Vieles nimmt dabei den gewohnten Gang. Auch bei den Weinbauern stehen jetzt typische Vorwinter- und Winterarbeiten wie das Brennen des Traubentresters zu Marc an. Damit kommt auch wieder die Zeit der Treberwurst, welche im Traubentrester während dem Brennvorgang gegart wird.
Insbesondere am Bielersee hat diese Spezialität eine uralte Tradition, wo man gar auch genüsslich von der Schnapsidee vom Bielersee spricht. Die spezielle Treberwurst oder Saucisson gilt als traditionelle Nachahmung. So sollen früher die Rebbauern, während ihrer Arbeit im winterlichen Rebberg, ihre Pausenwurst eben so in der Schnapsbrennerei aufgewärmt haben. In der Zwischenzeit ist diese würzige Wurst, serviert mit Kartoffelsalat, Gratin oder ganz einfach mit Brot zu einem fröhlichen Gemeinschaftsessen insbesondere am Bielersee geworden. Es ist deshalb auch nicht verwunderlich, dass diese Wurstspezialität mit Weinen vom Bielersee und liebevoll abgerundet mit einem gebranntem Marc immer wieder von neuem zu einem kulinarischen Höhepunkt wird.
In der Zwischenzeit hat die Treberwurst einen Siegeszug in die Ostschweiz angetreten. Auf vielen Weinbaubetrieben, aber auch in der Gastronomie, hat man diese Spezialität übernommen und wird jetzt ebenfalls als ganz besondere kulinarische Rarität mit viel Charme und Begeisterung angeboten.

Tradition in über 25 Jahren aufgebaut
Der Fahrhöfler Winzer und Weinmacher Peter Egloff hat sich bereits vor über 25 Jahren mit dieser Wurstspezialität sehr gut anfreunden können. Während einigen Wintertagen, wenn jeweils die fahrbare Brennerei auf dem Weingut weilte, wurden die Kunden und Freunde zum Treberwurstschmaus eingeladen, wobei die Würste direkt im Brennhafen gegart wurden. Den weiblichen Gästen war aber die traditionelle Treberwurst zu fettig. Egloff suchte in der Folge die Zusammenarbeit mit dem Metzger Sepp Wild aus Wigoltingen. Nun begangen diese beiden Schwingerkollegen mit der Suche nach der idealen Treberwurst. Nach mehreren Testessen, Verbesserungen und Anpassungen war sie schlussendlich kreiert und gefunden. Die spezielle Wineo-Treberwurst war vor rund 10 Jahren entstanden. Bis heute wird das Rezept für diese Schweinswurst als strenges Geheimnis gehütet und wird es auch so bleiben, versicherte Egloff. Die Wurst, welche rund 600 Gramm wiegt, wird während rund einer Stunde in einem mit Holz beheizten Sudhafen auf Traubentrester sorgfältig gegart. Anschliessend wird sie in Tranchen geschnitten zusammen mit Kartoffeln und einem Lauchgemüse serviert. Wer den speziellen Geschmack des Schnaps etwas verstärken will, dem rät Egloff, die Wurst sorgfältig mit warmem Marc zu überträufeln. Wer diese Spezialität in seinem Wystübli auf dem Weingut Vogelsang beim Weiler Fahrhof in Niederneunforn gelegen, geniessen will, kann dies jeden Samstag gegen Voranmeldung bis Ende Februar tun.

Roland Müller


Im „Chessi“ lässt Peter Egloff seine speziellen Treberwürste während rund einer Stunde auf Traubentrester garen. (romü)
Im „Chessi“ lässt Peter Egloff seine speziellen Treberwürste während rund einer Stunde auf Traubentrester garen. (romü)