Ausgabe Nummer 45 (2007)

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Treffen der Ostschweizer Bauernverbände in Frauenfeld

Keine Zeit zum Zurücklehnen

Letzte Woche trafen sich Vertreter der Bauernverbände beider Appenzell, Graubünden, Glarus, Schaffhausen, St.Gallen, Thurgau und Zürich zum Regionalseminar in Frauenfeld. Neben AP 2011 und Regionalpolitik wurden auch die Basiskommunikation und die Entwicklung auf internationaler Ebene diskutiert.

Es geht wieder aufwärts. Dies konnte in letzter Zeit häufig gelesen werden. Den Schweizer Milchproduzenten soll mit einer Erhöhung des Milchpreises um sechs Rappen wieder eine bessere Zukunft bevor stehen. Die Stimmung unter den Ostschweizer Bäuerinnen und Bauern in Frauenfeld war dementsprechend gut. Ein Blick nach vorne verrät jedoch, dass in Zukunft einige Knackpunkte zu bewältigen sind.

Agrarpolitik 2011
Kaum wurde das erste Verordnungspaket zur AP 2011 verabschiedet und vom Parlament der Entscheid gefasst, dass der Rahmenkredit für die AP 2011 um 150 Millionen erhöht werden soll, werden wieder Kürzungen ins Auge gefasst. «Der Bundesrat spricht dabei von Ausgabenverzichtsplanung, und so war mir klar, dass die Landwirtschaft nicht ungeschoren davon kommt», erklärte Hansjörg Walter, Präsident des Schweizerischen Bauernverbandes. Im kommenden Jahr soll der landwirtschaftliche Kredit um 45 Millionen Franken reduziert werden. Besonders

Cassis-de-Dijon-Prinzip
Das Cassis de Dijon-Prinzip besagt, dass ein Produkt, welches in einem EU-Land zugelassen ist, in jedem weiteren EU-Land verkauft werden darf.
hart trifft es die Bauern, wenn die Flächenbeiträge um 23 Millionen Franken gekürzt würden. «Wir werden alles daran setzen, dass dieser Fall nicht eintrifft», versicherte Hansjörg Walter.

Druck durch WTO
Auch die internationale Politik lässt der Schweizer Landwirtschaft keine Zeit zum Zurücklehnen. Neben der Neuausrichtung der Agrarpolitik und den Sparmassnahmen des Bundes ist die Schweizer Landwirtschaft durch den Druck der WTO besonders stark gefordert. Bei den technischen Handelshemmnissen gibt das Cassis-de-Dijon-Prinzip (vergleiche Kasten) zu diskutieren. Findet dieses Prinzip auch in der Schweiz Anwendung, können abgesehen von einigen Ausnahmen alle Produkte, die nach Vorschriften des Exportlandes hergestellt werden, auch in der Schweiz verkauft werden. Produkte aus dem Ausland könnten damit noch billiger in die Schweiz importiert werden und die inländische Produktion vermehrt unter Druck setzen. Der Schweizerische Bauernverband fordert deshalb, dass die Anwendung des Cassis-de-Dijon-Prinzips zwischen der EU und der Schweiz gegenseitig erfolgt und importierte Nahrungsmittel deklariert werden müssen.

Mit Vollgas dabei
«Die Schweizer Bauern geben Gas», sagt Michael Schumacher in der neusten Imagekampagne der Schweizer Bauern. Neben Schumacher werben weitere Prominente im Edelweisshemd für ein gutes Image der Schweizer Landwirtschaft. Die Kampagne kommt in der Bevölkerung gut an. Dies beweist auch eine repräsentative Umfrage, welche kürzlich durchgeführt wurde. Während Michael Schumacher den Befragten am meisten in Erinnerung geblieben ist, gehört Michelle Hunziker zum beliebtesten Sujet. Ob die Imagekampagne mit Prominenten um ein weiteres Jahr verlängert wird, ist noch offen. «Es hängt davon ab, ob wir nochmals ausreichend bekannte Persönlichkeiten finden können», erklärte Urs Schneider, Leiter Kommunikation, SBV.

Hochsaison für Zuckerrüben
Die Zuckerrübenernte läuft auf Hochtouren. Dies können auch jene bestätigen, welche nach dem Regionalseminar an der Führung durch die Zuckerfabrik Frauenfeld teilnahmen. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts werden Zuckerrüben auch in der Schweiz angebaut und zu Zucker verarbeitet. Heute pflanzen in der Schweiz rund 7000 Landwirte auf einer Fläche von 18 000 Hektaren Zuckerrüben an. Die beiden Zuckerfabriken Aarberg und Frauenfeld stellen als einzige Unternehmen in der Schweiz Zucker her. Von den Sparübungen des Bundes werden auch sie betroffen sein. Der Bundesrat schlägt vor, den Beitrag an die Zuckerfabriken um zehn Millionen Franken zu kürzen.

Brigitte Frick, Flawil


Hansjörg Walter erklärt, dass der Schweizerische
Bauernverband alles daran setzen
wird, dass die Flächenbeiträge nicht
gekürzt werden. (Brigitte Frick)
Hansjörg Walter erklärt, dass der Schweizerische Bauernverband alles daran setzen wird, dass die Flächenbeiträge nicht gekürzt werden. (Brigitte Frick)