Ausgabe Nummer 19 (2006)
Trend zu grösseren Betrieben hält an
Landwirtschaftliche Investitionskredite und Betriebshilfen steigen
Trend zu grösseren Betrieben hält an
Bei den Investitionskrediten wurden im Durchschnitt 161 474 Franken (Vorjahr: 147 157 Franken) der Thurgauer Genossenschaft für landwirtschaftliche Investitionskredite und Betriebshilfe (Glib) gesprochen. Was der Trend zu grösseren Betrieben beweist.

Markus Gubler, Werner Aus der Au
und Regierungsrat Kaspar Schläpfer
(von links) sehen in der Glib ein
wertvolles Instrument für Thurgauer
Bauernfamilien. (tos)
Im 2005 wurden in der Landwirtschaft weitere Kurskorrekturen vorgenommen, was auch in diesem Jahr andauern dürfte, glaubt Markus Gubler, Verwaltungsrats-präsident Thurgauer Genossenschaft für landwirtschaftliche Investitionskredite und Betriebshilfe (Glib), an der Generalversammlung in Wängi. Auch im vergangenen Jahr wurden die Bauernfamilien mit 16,063 Mio. Franken mit Investitionskrediten und Betriebshilfedarlehen unterstützt. «Wird mit der Agrarpolitik (AP) 2011 wie vorgesehen die Belastungsgrenze und das bäuerliche Bodenrecht aufgehoben und die Standardarbeitskraft (SAK) von 0,75 auf 1,25 angehoben, wird das auch auf die Glib Auswirkungen haben», ist Gubler überzeugt. Er hofft deshalb, dass die eidgenössischen Räte Korrekturen an dem vom Bundesrat vorgeschlagenen Kurs in der AP 2011 vornehmen werden.
Trend zu grösseren Betrieben
Geschäftsführer Werner Aus der Au sprach von einem guten Landwirtschaftsjahr 2005, wobei der Thurgau von grossen Unwetterschäden zum grössten Teil verschont blieb. Von den 135 eingegangenen Gesuchen konnte die Geschäftsstelle 103 (Vorjahr 100) dem Verwaltungsrat in Form eines Antrages vorlegen. Bei den Investitionskrediten wurden im Durchschnitt 161 474 Franken (Vorjahr: 147 157 Franken) gesprochen. Laut Aus der Au mussten dem Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) 37 Entscheide (Vorjahr 20) mit bewilligten Darlehen von über 250 000 Franken vorgelegt werden. Gegen die von der Glib beantragten Darlehen wurde vom BLW kein Einspruch erhoben. Als Grund für die markanten Zunahmen nannte der Geschäftsführer die immer grösser werdenden Betriebe. Hier sieht Ruedi Schnyder, Präsident Thurgauer Milchproduzenten, grosse Gefahren. Er glaubt, dass viele Betriebsleiter mit grösseren Betrieben überfordert sind.
Claus Ullmann, Vizepräsident Thurgauer Bauernverband, betrachtet die neue Regelung der Importe für Geflügelfleisch kritisch, da der Branche viel Geld verloren gehe und so Verarbeitungsbetriebe von Pouletfleisch an den Rand der Existenz gedrängt werden.
90,182 Millionen Franken Investitionskredite
Nach Angaben von Aus der Au weisst die Bestandesrechnung per 31. Dezember 2005 Investitionskredite von 90,182 Millionen Franken aus. Bei den Betriebshilfedarlehen liegt der Bestand bei 2,686 Millionen Franken. Der Geschäftsführer betonte ausdrücklich die gute Zahlungsmoral der Investitionskredit- und Darlehensnehmer. Er glaubt, dass mit der AP 2011 weitere Herausforderungen auf die Bauern zukommen. «Diese zwingen uns, die betriebliche und familiäre Situation ohne Scheuklappen zu analysieren und teilweise auch unliebsame Schlussfolgerungen daraus zu ziehen», sagte Aus der Au. Regierungsrat Kaspar Schläpfer, der dem Verwaltungsrat der Glib als Vizepräsident angehört, sieht in der Institution ein wertvolles Instrument für die Thurgauer Bauernfamilien.
