Ausgabe Nummer 30 (2005)
Trends beim Kirschenbau
Thurgauer Steinobstring auf «Schulreise»
Trends beim Kirschenbau
Am 30. Juni 2005 reisten zwölf Steinobstinteressierte aus dem Thurgau ins Baselbiet. Sie besichtigten die Frunoba AG in Gelterkinden mit ihrer Kirschenkalibrieranlage sowie den Steinobstbetrieb von Hansruedi Wüthrich in Ramlinsburg.
Beat Gisin, der Geschäftsführer der Frunoba AG, empfing die Reisegruppe und führte sie durch den Betrieb. Die Nordwestschweiz produziert rund Dreiviertel der Schweizer Tafelkirschen. Die Frunoba handelt mit 600 Tonnen, was mehr als der Hälfte der Region entspricht. Sie gehören zur Fenaco und übernehmen die Kirschen und Zwetschgen der drei Landis Oberbaselbiet, Reba (Region Basel) und Frila (Fricktal), die rund 1000 Produzenten umfassen. Gegenwärtig produzieren 90 Betriebe mit Anlagen unter Regendach grossfrüchtige Sorten, die hier sortiert und kalibriert werden. Es werden 150 Tonnen erwartet.
Neue Kalibrieranlage in Betrieb

Die modernste Sortieranlage für Kirschen steht
in Gelterkinden BL.
Die australische Kirschenkalibrieranlage mit Wasserbad ist heuer die dritte Saison in Betrieb. Sie war die erste ihrer Art in Europa und kostete 500 000 Franken. Die Stielauftrennung geschieht mit rotierenden Messern. Da die Stiele der Kirschen unterschiedlich lang sind und zum Teil verletzt werden, wird demnächst auf einen Wasserstrahl-Stieltrenner gewechselt. Die Anlage kalibriert 3 Tonnen pro Stunde, mit rund 30 Personen, also 100 Kilogramm pro Person und Stunde. Das ist mindestens viermal mehr als bei Handsortierung und lässt sich bei guter Qualität noch auf 4 Tonnen pro Stunde steigern. Während der achtwöchigen Kirschensaison sind vorwiegend Frauen, Schüler und Studenten der näheren Umgebung als Sortierpersonal stundenweise angestellt.
Die Sortierkosten für den Produzenten sind 60 Rp./kg bei Klasse 1 und 40 Rp./kg bei Klasse Extra und Premium. Im Durchschnitt liegen die Sortierkosten bei 43 Rp./kg. Der Anteil Premiumklasse über 28 mm liegt bei 10 bis 20 Prozent.
Die Vorteile dieser Anlage strich Beat Gisin wie folgt heraus: Es wird nur frisch sortierte Ware ausgeliefert. Weil Freitag und Samstag die nachfragestärksten Tage sind, war dies früher nicht möglich. Das Gebinde kann kurzfristig geändert werden. Die einheitliche Grösse und hohe Qualität regt die Nachfrage an. Der erfahrene Profiproduzent erzielt mit grösseren Kirschen einen Mehrpreis, mit dem Nachteil, dass der Preis Klasse 1 21 bis 23 mm unter Druck geraten wird. Für Gebinde ab 5 kg gibt es automatische Kartonfüller. Alle kleineren Einheiten werden von Hand gefüllt. 90 Prozent der Sortierware stammt von gedeckten Kulturen.
Abdeckungen haben Sturm überstanden
Der Betrieb von Hansruedi Wüthrich lieg auf 600 m ü. M. in Ramlinsburg. Seine Fläche von 18 ha teilt sich auf in 3,5 Hektaren Kirschen, 3,5 Hektaren Zwetschgen, 60 Aaren Apfel und 3 Hektar Acker. Der Rest sind Weiden für seine Warmblut- Pferdezucht. Die Böden sind schwer und tonig. Bei 850 Millimeter Regen kann schon mal die Fruchtgrösse bei einer Sommertrockenheit leiden. Deswegen wird demnächst in eine Bewässerung investiert.
Die Kirschenanlagen haben verschiedene Alter von zwei bis zehn Jahren. Die Unterlagen Gisela 5 und 6 sind für Hansruedi Wüthrich zu schwach. Damit Fruchtgrösse durch einen «Stauschnitt» provoziert wird, braucht er mindestens Wuchsstärke der Unterlage Maxma. Zur Ernte sind drei Praktikanten und ebenso viele Verwandte und Nachbarn angestellt. Hauptsorten sind Kordia und Regina. Jetzt werden gerade Summit, Karina und Techlovan gepflückt. Die Reisegruppe begutachtete die verschiedenen Abdeckungen. Dieser Betrieb hat jede Entwicklung mitgemacht. Die vergangene Sturmnacht unterzog alle Abdecksysteme einem Härtetest. Die Vöen-Abdeckung hat am besten gehalten. Die Pfähle sind 5 m und 80 cm im Boden, ohne Querseile, jedoch mit
einer seitlichen Verankerung der Randreihe.
Auf der Heimfahrt gingen die angeregten Diskussionen weiter. Die Frage bleibt: Wo sind wie, welche Trends auszumachen? Ein Dank gehört den Organisatoren Max Pfäffli und Patrick Stadler sowie dem Chauffeur Beda Wismer.
