Ausgabe Nummer 42 (2009)

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Trends in der Rindviehmast

In der Rindviehmast sind in den letzten Jahren einige neue Trends festzustellen. Die Tendenz zu grösseren, rationelleren Betrieben sowie die Ausrichtung auf den Markt sind klar erkennbar. Schwankungen der Futtermittelpreise führen zu neuen Trends in der Fütterung der Masttiere.

 

Wie in den übrigen Produktionssparten der Landwirtschaft gibt es auch in der Rindviehmast verschiedene Entwicklungen und Trends auf allen Stufen. Beschleunigt wird dieser Prozess durch den erhöhten Druck auf den bisherigen Grenzschutz. Der Betriebsleiter darf sich diesen Veränderungen nicht verschliessen und muss für seinen Betrieb die optimale Strategie ableiten:

Grosse Marktsegmentierung
Neben der grossen Aufteilung des Marktes in Label- (BTS/RAUS) und QM-Produktion gibt es zusätzliche grössere und kleinere Segmentierungen mit speziellen Anforderungen wie zum Beispiel:

  • tiefe Schlachtgewichte (Swiss Quality Beef, Bell Prime Beef usw.)
  • Herkunft, Region, zum Beispiel «Aus der Region für die Region»
  • Rassenvermarktung (Angus Beef).

Diese «neuen» Segmentierungen bieten einigen Rindfl eischproduzenten allfällig einen besseren Absatzkanal. Leider sinkt durch die vermehrte Vertragsproduktion die Markttransparenz.

Für den Markt produzieren
Die Nachfrage bestimmt die Produktion! Je nach Vermarktungskanal ist eine Kombination von diversen Anforderungen die Regel. Gleichzeitig steuern die Abnehmer mit ihrer Preismaske die Fleischigkeitund Fettklasse. So wünschen sich gewisse Grossbetriebe eine T3-Qualität während andere wiederum möglichst nur H3- und C3-Muni einkaufen wollen. Diese Situation führt dazu, dass der Landwirt diejenigen Tränker beschafft, welche ihm auch die entsprechende Endqualität liefern. Verantwortlich dafür ist die grosse Preisspanne im Ankauf zwischen den masttauglichen Tränkekälbern aus Milchrassenanpaarungen (A) und den Mastkreuzungen (AA).

Grössere Produktionseinheiten
Auch in der Rindviehmast ist der Trend zu grösseren Tierbeständen und somit grösseren Vermarktungstranchen festzustellen. Momentan werden 300 bis 400 Tiere pro Betrieb angestrebt, was einer Verdoppelung der jetzigen Situation (durchschnittlich 130 Tiere) im Thurgau gleichkommt. Die Vorteile liegen bei der höheren Effi - zienz der eingesetzten Arbeitszeit und des Maschinenkapitals sowie den Preisvorteilen in Ankauf der Futtermittel und dem Verkauf durch die grösseren Vermarktungseinheiten.

Technik reduziert Arbeitsaufwand
Weit verbreitet ist der Einsatz von Milchtränkeautomaten für die Fütterung der Tränkekälber in den ersten Wochen nach dem Ankauf. Die Kombination des Tränkeautomaten mit einem Kraftfutterautomaten in der Aufzuchtphase hat sich etabliert. Zusätzlich ist eine Mechanisierung in der Grundfutter- und der Kraftfutterverabreichung festzustellen. Die bis anhin bekannten selbstfahrenden Kraftfutterautomaten können heute auch mit dem Grundfutter kombiniert werden, so dass eine vollautomatisierte Fütterung machbar ist. Vorteile wie Arbeitszeiteinsparungen, Arbeitserleichterungen, sowie genauere Dosierung und mehrfache Applikation, was zu einem höheren Verzehr führt, werden immer stärker gewichtet.

Arbeitsteilung
Wie in der Milchproduktion (Aufzuchtund Produktionsbetrieb) kann eine Arbeitsteilung auch in der Fleischproduktion eine Alternative bieten. Durch die Möglichkeit einer Spezialisierung in den Bereichen Fresseraufzucht oder Ausmast kann das erworbene Know-how optimal eingesetzt werden. Die Weiterverbreitung der Arbeitsteilung ist stark vom angestrebten Schlachtgewicht und von den Betriebsdistanzen abhängig.

Erhöhung Energiedichte
Die tiefere Rentabilität im Ackerbau macht den Maisanbau für den Mastbetrieb wieder interessanter. Es besteht so die Möglichkeit, die Energiedichte im Grundfutter zu erhöhen. Dies geschieht mittels Hochschnittmais oder der Beimischung CCM (Corn-Cob-Mix), einer Mais-Spindel- Mischung, in die Futterration. Folglich kann die Tageszunahme erhöht oder der Kraftfuttereinsatz verringert werden.

Senkung Milchpulverbrauch
Der im Verhältnis zum jetzigen Ertragsund Kostenumfeld immer höhere Milchpulverpreis belastet die Aufzuchtkosten der Grossviehmast enorm. Darum wird in der Kälberaufzucht für die Grossviehmast, wie teilweise auch in der Kälbermast, der Milchpulververbrauch sukzessive reduziert und mit anderen nährstoffreichen Futtermitteln kompensiert. Gleichzeitig exportiert die Milchbranche ihre derzeitigen Überschüsse mit grossen Verbilligungsaktionen zu Schleuderpreisen auf dem Weltmarkt. Die aufgeführten Trends zeigen klar, dass in der Fleischproduktion die Produktionstechniken weiterentwickelt und Neues ausprobiert wird, denn ein Stillstand ist gleichbedeutend mit einem Rückschritt.

Oliver Engeli, Rindermäster BBZ Arenenberg, Michael Schwarzenberger