Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
13. April 2018


Trotz schwierigem Umfeld hat die Milchbranche eine Zukunft

Ausgabe Nummer 17 (2017)

Die Aktionäre der Thur Milch Ring AG wurden an ihrer Versammlung in der Mehrzweckhalle Unterhörstetten über den Geschäftsgang und die Situation am Milchmarkt orientiert.

Zu Beginn der Aktionärsversammlung der Thur Milch Ring AG stellte Präsident Roland Werner in seinem Jahresbericht fest, dass die heutige Situation durch einen geteilten Markt geprägt sei. Einerseits sei der Käsemarkt ohne Grenzschutz und andererseits der Milchmarkt mit Grenzschutz. Erstaunlicherweise sei in den letzten Jahren der Milchpreis für Käsereimilch viel stabiler als derjenige im Milchbereich. Also sind im Bereich ohne Grenzschutz die Preise stabiler als mit Grenzschutz. Roland Werner ist überzeugt, dass durch den fehlenden Grenzschutz die Akteure gezwungen seien eine ganz klare Qualitätsstrategie zu verfolgen. Dies bewirke gute Milchpreise und Stabilität.

«Liefere nöd Lafere»
Ganz anders sei es im Molkereimilchmarkt mit Grenzschutz. Hier werde zwar seit Jahren von einer Qualitätsstrategie gesprochen. In Wirklichkeit werde aber vor allem Systemoptimierung betrieben. Dazu verleite der Grenzschutz zur Bequemlichkeit. Beides Eigenschaften, welche durch den Markt brutal abgestraft werden. Daraus resultiere der schlechte Milchpreis für die Bauern, sagte Roland Werner. «Hier träumen viele von einer heilen Welt, für die kein Markt vorhanden ist. Oder anders ausgedrückt: Mit Ballenbergromantik erobern wir keine Märkte. Auch hier gilt der Grundsatz Liefere nöd Lafere.»

Bessere Aussichten für das laufende Jahr
Der Geschäftsführer der Thur Milch Ring AG Urs Schwizer erklärte, dass die Milcheinlieferungen in der Schweiz über das vergangene Jahr um 1,5 Prozent unter dem Vorjahr lagen. Auffallend sei, dass der Produktionsrückgang in der zweiten Jahreshälfte deutlich ausfiel. Der Rückgang lag bei der Thur Milch Ring AG bei 0,55 Prozent. Total wurden bei der Thur Milch Ring AG 63 146 271 kg Milch (inklusive Hochdorf-Direktlieferanten) gehandelt. Verkauft wurden 92,45 Prozent A-Milch, 8,25 Prozent B-Milch und 1,14 Prozent C-Milch. Urs Schwizer glaubt, dass es im laufenden Jahr wieder besser für den Schweizer Milchmarkt aussehe. Die internationalen Notierungen seien seit dem Herbst 2016 wieder leicht am Steigen. «So langsam kommt dieser Schwung auch in der Schweiz an», stellte er fest.

Marktanteile der Schweizer Landwirtschaft ausbauen
In seinem Gastreferat erklärte der aus dem Thurgau stammende Anwalt Jürg Niklaus, Geschäftsführer der Interessengemeinschaft Agrarstandort Schweiz (IGAS), dass die einheimische Landwirtschaft im handelspolitischen Seitenwagen der Schweizer Wirtschaft sitze. Seiner Meinung nach sollten die Marktanteile der Schweizer Landwirtschaft gehalten, beziehungsweise ausgebaut werden. Keine oder falsche Strategien führten zu Marktanteilsverlusten. Nach Jürg Niklaus Aussagen hat die schweizerische Agrarwirtschaft ein Strategiedefizit, welches beseitigt werden soll. Die Wertschöpfungskette müsse international wettbewerbfähig gemacht werden. Die Phase der handelspolitischen Unsicherheit soll überwunden und die handelspolitische Handlungsfähigkeit sichergestellt werden. Jürg Niklaus forderte die Entwicklung einer mehrheitsfähigen agrarhandelspolitischen Strategie.


Mario Tosato




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