Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
5. Oktober 2018


Trüffel statt Kuhmilch

Ausgabe Nummer 50 (2015)

Wenn Landwirte den Erfolg einer Trüffelplantage realistisch einschätzen und nicht nur möglichst rasch reich werden wollen, kann der Trüffel als Nischenprodukt interessant sein. Erfahrungen in der Schweiz fehlen noch.

Auf dem thurgauischen Seerücken regnet es wie aus Kübeln. «Dieses kostbare Nass hätten wir in den Sommer- und Herbstwochen gerne gehabt», sagt Jürg Truninger, (35) gelernter Landwirt und Schreiner aus Hörhausen. Vor sechs Jahren hatte er den Hof mit 14 Hektaren landwirtschaftlicher Fläche übernommen. Die einstige Milchwirtschaft wurde in Mutterkuhhaltung umgearbeitet, der Anbau von Erdbeeren intensiviert und zusätzliche Kirschbäume gepflanzt. Der einstige Milchwirtschaftsbetrieb warf zu wenig ab für eine Familienexistenz. Deshalb arbeitet Truninger neben dem landwirtschaftlichen Betrieb in seinem ehemaligen Beruf als Schreiner. Durch seinen Schwager kam er auf die Trüffelidee, die ihn dann Jahre beschäftigte, und er sich schliesslich im vergangenen Jahr an die Umsetzung machte. So besuchte der junge Landwirt zuerst einen Kurs bei der Firma TrüffelGarten in Büren an der Aare. Er liess seinen Boden analysieren, brachte zehn Tonnen Kalk aus und erreichte damit den idealen pH-Wert von 7,5. Später wurden 700 junge Bäumchen gepflanzt, bei welchen die Wurzeln mit Sporen des Burgundertrüffels und bei ungefähr 100 Bäumchen mit denjenigen des Wintertrüffels geimpft wurden. Bei den geimpften Bäumchen handelt es sich um Eichen-, Buchen-, Hasel- und Schwarzkiefern.

Vier bis fünfzehn Jahre warten
Doch mit der Vorbereitung des Bodens und dem Setzen der Bäume war noch nicht alles getan, erklärt Truninger. Um ein erfolgreiches Anwachsen der Setzlinge zu gewährleisten, sei eine ausreichende Durchfeuchtung des Bodens sicherzustellen. Deshalb hat Truninger eine Sprinkleranlage montiert. Strohsäcke, die er um die kleinen Stämmchen verteilte helfen mit, die Feuchtigkeit zu speichern. Zudem muss das Gras um die jungen Bäumchen herum entfernt werden, damit die Konkurrenzvegetation im Wurzelbereich unter Kontrolle bleibt. Zur Bodenlockerung und Unkrautentfernung wird die Anbaufläche alle drei Monate gefräst und gemäht. Zudem muss das Laub im Herbst entfernt werden, da der pH-Wert sonst absinken würde. Auch habe er das Feld rundum eingezäunt, um die Bäumchen vor Rehen, Füchsen und Wildsauen zu schützen. Ein grosses Problem seien die Mäuse. Ihnen will Truninger mit Fallen zu Leibe rücken, und für Greifvögel hat er Pfosten gesetzt, damit sie ihm beim Mausen helfen. Mit diesen Massnahmen will der Landwirt möglichst natürliche Bedingungen schaffen, die den Trüffel wachsen lassen. «Mit dem nötigen Know-how ist der Trüffel eine einfache Kultur, sie braucht keinen Dünger und ist CO2-neutral,» sagt er. Hingegen kann die erste Ernte auf sich warten lassen. «Vier bis fünfzehn Jahre kann es dauern, bis die ersten Trüffel geerntet werden können», erklärt er. Um das Risiko von knapp 30 000 investierten Franken zu minimieren, hat Truninger auf der Crowdfunding-Plattform «100- days» und auf seiner Hompage (www.erdbeeren undmehr) Trüffelpatenschaften ausgeschrieben. Damit will er Trüffelliebhaber zu Teilhabern machen, die ihn einerseits mit einer Patenschaft finanziell unterstützen und andererseits will er sie am Ertrag partizipieren lassen.

Kein schnelles Geld
Stefan Spahr betreibt seit 2014 zusammen mit seiner Frau Linda den Familienbetrieb TrüffelGarten Schweiz in Büren an der Aare. Es ist dies die Schweizer Vertretung des in Österreich und Deutschland tätigen Unternehmens. Er begleitet unterdessen 20 Plantagen in der Deutschschweiz bis zu einer Grösse von einer Hektare und unzählige kleinere in Familiengärten. Er verkauft pro Jahr zwischen zehnund fünfzehntausend geimpfte Bäume an Landwirte und private Landbesitzer. Mit umfassenden Seminaren will er Interessierte beim Realisieren einer Plantage oder Setzen einzelner, geimpfter Bäume unterstützen. «Meine wichtigste Aufgabe ist es, Landwirten und anderen Interessierten realistisch aufzuzeigen, dass mit den Trüffeln nicht auf die Schnelle viel Geld zu verdienen ist.» Die Erwartungen seien oft unrealistisch hoch, weiss Spahr. Deshalb werden seit drei Jahren auch am Strickhof, dem landwirtschaftlichen Kompetenzzentrum in Lindau, Trüffelkurse angeboten. Erfahrungen über den Ertrag der Trüffelplantagen lasse sich noch nichts sagen. Alle Plantagen seien noch zu jung, als dass sich bereits Ernten realisieren liessen. Noch gelte es abzuwarten.

Beiträge für Landwirte
Markus Bopp, der die Trüffelkurse als Verantwortlicher Pflanzenbau am Strickhof organisiert, spricht von einem riesigen Interesse. Im laufenden Jahr hätten sie den Kurs gleich doppelt mit insgesamt 100 Teilnehmern durchgeführt. Eher ein kleiner Teil der Kursteilnehmer seien Landwirte gewesen, sagt Bopp. Eine Trüffelplantantage sei ein Nischenprodukt und werde es auch bleiben, vermutet er. «Pflege und Ernte sind reines Handwerk.» Auch wenn Trüffel grosse Chancen bieten, müsse der Landwirt auch mit dem ebenso grossen Risiko leben können. Die Erträge seien nicht sofort sichtbar, es brauche viel Geduld. Bopp sieht eine Trüffelanlage nicht als wirtschaftliches Standbein, eher als Experiment mit einem möglichen Zuerwerb oder gar nur als Hobby. Trotzdem werde eine Trüffelanlage in der Schweiz neu als eigenständige Kultur auf Landwirtschaftsland anerkannt. Seit 2014 werden für diese Flächen Kulturlandschafts- und Versorgungssicherheitsbeiträge ausgerichtet. Besteht die Gefahr einer Trüffelschwemme, wenn sich zu den Hobby-Trüfflern, die mit dem eigenen Hund in den Wäldern herumstöbern nun auch noch die Landwirte mit grösseren Anlagen ins Geschäft einmischen? Für Stefan Spahr wächst die Nachfrage schneller als das Angebot, aber ein steigendes Interesse von Landwirten lasse sich sicher feststellen. Markus Bopp sieht eine Trüffelplantage nicht als wirtschaftliches Standbein, deshalb sei der Markt wahrscheinlich schon bald gesättigt.

Immer mehr wollen Trüffel
Trüffel gehört zu den teuersten Lebensmitteln überhaupt. Keine andere Delikatesse hat die Fantasie von Dichtern, Philosophen und Gourmets seit der Antike mehr angeregt. In Königs- und Kaiserpalästen sollen schon vor Jahrhunderten edle Trüffel aufgetischt worden sein. So erstaunt es wenig, dass sich immer mehr Gourmets in der heutigen Zeit auf die schwarzen Diamanten stürzen und auch bereit sind, viel Geld für diese Delikatessen auszugeben. Bei der Schweizerischen Trüffelvereinigung, welche vor fünf Jahren gegründet wurde, ist man über den immer grösser werdenden Boom nicht glücklich. Allein im Kanton Bern gebe es bereits eine dreistellige Zahl sogenannter Hobby-Trüffelsucher, welche mit ihren Hunden in den Schweizer Wäldern unterwegs sind, sagt Hans-Peter Neukomm, Presseverantwortlicher der Vereinigung. «Viele haben keine Ahnung vom Trüffeln und meinen, sie werden schnell reich», so Neukomm weiter. Um die wichtigen Grundlagen zu kennen, wie beispielsweise das Suchen, die Qualität, die kulinarische Bedeutung, das Vorkommen und exakte Bestimmen, brauche es jahrelange Erfahrung. In verschiedenen Städten werden Trüffelmärkte durchgeführt, und das steigende Interesse sei auch dort festzustellen. Der Trüffel werde nicht mehr nur in der gehobenen Gastronomie verwendet, die Anhängerschaft der schwarzen Delikatesse werde immer breiter. Gemäss Neukomm werden in diesem Herbst aber sehr wenige Schweizer Trüffel verkauft. «Es war viel zu heiss und zu trocken.»


Ruth Bossert










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