Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
12. Januar 2018


Über den Tellerrand schauen

Ausgabe Nummer 30 (2016)

Die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen für die Fachkräfte im Agrarbereich sind gross. Insbesondere neue Technologien und die Erwartungen der Bevölkerung sowie der Marktpartner erlauben keinen Stillstand bezüglich der Weiterbildung.

Auslandpraktika bieten da besonders gute Möglichkeiten, um neue Erfahrungen zu sammeln. Synergiepotenziale bestehen aber auch unter den verschiedenen Anbietern von Weiterbildungsangeboten im Berufsfeld. Unter dem Schirm der Internationalen Bodenseekonferenz (IBK) wurde ein Interreg-Kleinprojekt lanciert, welches die Zusammenarbeit und den Austausch fördern soll. Drei Lernende der Technikerschule Sigmaringen (D) haben als Pioniere über dieses Projekt die Möglichkeit genutzt, für einen zwei Wochen dauernden Einblick in Thurgauer Landwirtschaftsbetriebe.
Durch das IBK-Projekt soll eine nachhaltige Bildungspartnerschaft im Bereich der land- und hauswirtschaftlichen Weiterbildung entstehen, welche auch nach dem Ablauf der zweijährigen Förderperiode Bestand haben soll. Neben dem Bildungs- und Beratungszentrum Arenenberg sind das BZB Rheinhof (SG), das Regierungspräsidium Tübingen (D) und die Landwirtschaftskammer Vorarlberg (A) am Projekt beteiligt. Unterstützend macht auch das Kompetenznetzwerk Ernährungswirtschaft mit.

Zweiwöchige Betriebspraktika
Junge Fachkräfte mit abgeschlossener Grundbildung erhalten über das Projekt die Möglichkeit, innerhalb der Bodenseeregion über einen Praxiseinsatz die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen von land- und hauswirtschaftlichen Betrieben kennenzulernen. Die Besonderheiten in der Produktionstechnik, der Arbeitsorganisation, der Vermarktung und der Agrarpolitik im anderen Land stehen im Zentrum der Kompetenzerweiterung. Eine Nachfrage des Arenenbergs nach Praktikumsbetrieben hat ein erfreuliches Echo ausgelöst. So konnte schnell eine attraktive Liste mit Gastgeberfamilien aus dem Thurgau erstellt werden.

Schweine verbinden
Als Absolvent der Technikerschule Sigmaringen hat der 22-jährige Simon Schempp über das IBK-Projekt bewusst einen Praktikumsbetrieb mit dem Schwerpunkt Schweinehaltung gesucht. Im 70 ha umfassenden elterlichen Betrieb in Pfullendorf stehen in der Ferkelproduktion umfassende Investitionen an und der Einstieg des jungen Agrotechnikers als Partner in das Unternehmen (Partner einer GbR) steht kurz bevor. Mit der Familie Jud in Hörhausen entstand schon über die kurzen Kontakte vor dem Praktikum «ein guter Draht». Auf dem Flurhof wurden in den letzten Jahren umfassende Erfahrungen mit einer Labelproduktion gemacht. Die Vorgaben bezüglich Tierhygiene und Haltungsform sind zudem auf einem Stand, welchen der Betrieb im Landkreis Sigmaringen in Zukunft zu erfüllen hat.

So nah und doch so fern
Am Ende seines zweiwöchigen Aufenthalts in Hörhausen zieht Simon Schempp eine sehr positive Bilanz. Trotz der kurzen Zeit war es möglich, durch die praktische Tätigkeit wertvolle Erfahrungen zu sammeln. Die ergänzenden Informationen zur Produktionstechnik und zur Wirtschaftlichkeit waren eine Horizonterweiterung. Einige Erkenntnisse werden in das bevorstehende Bauprojekt in Pfullendorf einfliessen. Obwohl der Praktikant nur etwas mehr als eine Autostunde entfernt aufgewachsen ist, kannte er die Schweiz und insbesondere das dortige Umfeld der landwirtschaftlichen Produktion bisher nicht. Der enge Einbezug in die Familie Jud, verbunden auch mit einem Ausflug in den Alpstein, war darum eine spezielle Bereicherung der persönlichen Erfahrungen. Der über das IBK-Projekt hergestellte Kontakt wird auf fachlicher und persönlicher Ebene weiter gepflegt werden.

Horizonterweiterung
Mit Kevin Hergesell aus Kürnbach und Lorenz Maier aus Bösingen haben zwei weitere Absolventen der Technikerschule Sigmaringen die Möglichkeit genutzt, einen spannenden Einblick in die Thurgauer Landwirtschaft zu bekommen. Gastgeber waren für sie Beat Gügler (Kartause Ittingen) und die Familie Schmucki (BG Hörnlimann-Schmucki, Eschlikon). Auch sie sehen den Blick über den Tellerrand rückschauend als eine wertvolle persönliche und fachliche Bereicherung.
Im Rahmen des Projekts sind weitergehende Aktivitäten vorgesehen. Mit einem jährlichen Workshop und Fachveranstaltungen soll in der Bodenseeregion eine Zusammenarbeit entstehen, welche die Weiterbildungsangebote und den Wissensaustausch weiter vertieft. Angesprochen sind nun aber insbesondere junge Fachkräfte aus den Kantonen Thurgau und St. Gallen, welche während zwei Wochen in den Partnerregionen um den Bodensee ihren fachlichen und persönlichen Horizont erweitern möchten. Der Arenenberg vermittelt gerne die Kontakte zu Praktikumsbetrieben im angrenzenden Ausland.


BBZ Arenenberg, Rudolf Grunder







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