Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
9. April 2020


Umgang mit Hitzestress

Ausgabe Nummer 11 (2020)

UFA-TORO-Tagung Kesswil und Sulgen

Umgang mit Hitzestress war das Hauptthema der diesjährigen TORO-Tagung. Betriebsbesichtigungen bei den Familien Hug in Kesswil und Schönholzer in Sulgen gehörten dazu, ebenso Referate über den richtigen Umgang mit Silage, 2er Muni, ein Sommerproblem und Marktinfos.

Simona Gisler, UFA, begrüsste rund neunzig Gäste auf dem Hof der Familie René und Vroni Hug in Kesswil. Es trafen sich Mäster, Bauern, Händler und Fachleute aus der Beratung. Vorausschauend war das Thema Hitzestress, denn der nächste Sommer kommt bestimmt. Es sei wichtig, sich jetzt schon Gedanken dazu zu machen, sagte Gisler. René und Jan Hug stellten den Familienbetrieb vor mit 98 Aufzucht- und Mastplätzen, 750 Mastschweineplätzen, Obst- und Lohnarbeitsunternehmen. «Für den Mastbetrieb produzieren wir alles Raufutter auf dem eigenen Betrieb. Wir haben sogar noch Futter übrig», sagte Hug.

Hitzestress vermeiden
«Das Wichtigste, um dem Hitzestress bei den Tieren vorzubeugen, ist genügend Luft, Licht und Wasser», sagte Pirmin Thalmann vom UFA-Beratungsdienst Oberbüren beim Stallrundgang. Es gehe darum, die Luftzirkulation zu optimieren, damit Feuchtigkeit und Ammoniak abgeführt werden, ohne am Boden, wo die Tiere liegen, Durchzug zu verursachen. Der Effekt werde durch genügend offene Ställe und gezielt eingesetzte Lüftungen bewirkt. René Hug zeigte auf, wie er die Ställe bereits dahingehend optimiert hatte. Vom Betrieb in Kesswil mit Blick auf den Bodensee fuhren die Teilnehmenden der TORO-Tagung weiter nach Sulgen zum Landgasthof Löwen, wo – nach dem fachlichen Teil – beim Mittagessen weiter diskutiert wurde.

Silagestabilität im Sommer
Gastreferent Dr. Klaus Hünting, Siloprofi von der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, gab spannende Infos zur Silagestabilität im Sommer. Es gehe um fachgerechtes Anlegen der Silos und Silomieten und richtigen Vorschub nach Anbruch der Silos. Während dem Silierprozess gehöre Wärmeentwicklung dazu. Wenn bei fertigem Silofutter im Innern eine Nacherwärmung festgestellt werde, stimme etwas nicht und die Silage könne verderben: «Das teuerste Futter ist dasjenige, welches entsorgt werden muss.» Sobald Sauerstoff in angebrochene Silage eintritt, können sich schädliche Schimmelpilze entwickeln. Als optimal, aber etwas teuer in der Herstellung habe sich Maissilage in Wickelballen erwiesen. Da könne man immer genau die Menge an benötigtem Futter verwenden und der Rest bleibe hermetisch verschlossen in den Ballen.

2er Muni – ein Sommerproblem?
Jonas Salzmann von der UFA AG berichtete von Auswertungen, welche die UFA im Zeitraum von vier Jahren bei rund 24 000 Tieren auf hundert Betrieben machte. Junge, schnell wachsende Munis setzen in der Regel besser Fett an. Es habe sich gezeigt, dass besonders während der Vormast die Fütterung intensiv und optimal sein müsse für eine gute Entwicklung. Intensive Betriebe kennen 2er Munis kaum. Möglicherweise habe im Sommer der Hitzestress einen Einfluss. Tatsächlich gebe es statistisch zwischen Juni und August mehr 2er Tiere, aber es wirken auch andere Faktoren mit als die Jahreszeit. Die Genetik spiele auch eine Rolle, 2er seien im Durchschnitt bei der Schlachtung älter und schwerer. Bei 2er Munis gibt es einen Preisabzug.

Rindermast bei Familie Schönholzer
Am Nachmittag stand die Besichtigung auf dem Rindermastbetrieb der Familie Jürg und Martina Schönholzer in Sulgen auf dem Programm. Auf diesem Betrieb führte die UFA Versuche zwischen Gesundheitstränkern und Tränkern durch, die auf herkömmliche Art gehalten wurden. Dank besserer Konstitution haben sich die Gesundheitstränker nach dem Einstallen schneller und besser erholt und waren in der zweiten Hälfte der Tränkephase deutlich gesünder. Die Behandlungstage konnten bei den Gesundheitstränkern im Vergleich um rund 40 % reduziert werden. Jürg Schönholzer stellte den Familienbetrieb mit 39 ha LN vor. Die Besonderheit des Betriebes ist, dass ein grosser Teil des Landes mooriger Boden ist, auf dem nur Grassilage möglich ist. Darauf habe man sich spezialisiert. Ausserdem werden aber auch 7 ha Mais und 7 ha Weizen kultiviert für den Bedarf der Masttiere.
Nach geselligem Abschluss der Tagung bei einem stärkenden Zvieri reisten die Gäste wieder ab in alle Landesteile der Deutschschweiz auf ihre Betriebe mit den je eigenen Gegebenheiten und Anregungen, wie man das Beste daraus machen kann.


Text und Bilder:
Trudi Krieg, Salmsach










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