Ausgabe Nummer 17 (2006)

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Umgängliche und nervenstarke Dreijährige

Feldtest der Freiberger und Haflinger in Niederbüren

Umgängliche und nervenstarke Dreijährige

Am letzten Samstag fand in Niederbüren auf dem Gelände von Susanne und Richard Wagner der Feldtest der Pferdezuchtgenossenschaft Thurgau statt. In vier Teilprüfungen wurden das Exterieur, die Gänge, die Reit- und Fahreignung sowie die Umgänglichkeit der dreijährigen Freiberger und Haflinger bewertet.

Die 61 vorgestellten dreijährigen Pferde gehen erst seit einigen Wochen am Wagen und unter dem Sattel. Sie haben noch einen weiten Weg vor sich, bis sie ausgereifte Reit- und Fahrpferde sind. Für den Feldtest mussten sie unter anderem lernen, das Gewicht des Reiters auszubalancieren, dessen Hilfen zu verstehen und anzunehmen und sich locker vor der Kutsche und unter dem Reiter zu bewegen.

Ursprung des Feldtests

Obwohl der Name «Feldtest» etwas Militärisches an sich hat, weist das Wort «Feld» darauf hin, dass der Feldtest im Gelände stattfindet. «Ursprünglich war der Feldtest eine Fahrtauglichkeitsprüfung der jungen Pferde. Der Richter bewertete während einer Kutschenfahrt durchs Dorf ihre Fahrtauglichkeit und ihr Verhalten im Verkehr», weiss Richter Stefan Künzli über die Anfänge des Feldtests. «Mit der zunehmenden Bedeutung der Freiberger als Reitpferde wurde der Feldtest ausgeweitet und auch die Reittauglichkeit geprüft. Feldteste, in dieser Form wie wir sie heute haben, gibt es erst seit den Neunzigerjahren», führt Künzli weiter aus. Heute finden die Prüfungen nicht mehr im offenen Gelände, sondern auf einem umzäunten Viereck statt.


Fahren: Fahreignung, Gehorsam und Willigkeit standen bei der Teilprüfung
Fahren im Vordergrund. (uhu)

Umgänglichkeit und Nervenstärke

In der ersten Teilprüfung stellten die Züchter ihre Pferde an der Hand vor. Dabei bewertete der Richter die Gänge und das Exterieur. Um ihre Umgänglichkeit unter Beweis zu stellen, mussten die Pferde die Hufe geben, und der Richter simulierte den Hufschmied: Er schlug mit einem Hammer auf die Hufeisen. Auch in der nächsten Teilprüfung, beim Einspannen, schaute der Richter auf die Umgänglichkeit. Dann wurden die Pferde einspännig am Wagen vorgestellt. Dabei standen für den Richter Fahreignung, Gehorsam und Willigkeit im Vordergrund. Um ihre Nervenstärke zu beweisen, mussten die Pferde an Plastikbändern vorbei schreiten, die sich im Wind bewegten. Die letzte Prüfung war die Reiteignung. Der Richter bewertete das Stillstehen beim Aufsteigen und die Grundgangarten. Das Überschreiten einer Plastikmatte stellte wiederum die Nervenstärke unter Beweis.
Die vielen fremden Eindrücke und die ungewohnte Umgebung machten es den jungen Pferden nicht immer leicht, sich auf das von ihnen Erwartete zu konzentrieren. Nicht alles klappte so, wie es zu Hause geübt worden war. So wollten einige Pferde nicht angaloppieren oder über die Plastikmatte schreiten.
Im Gegensatz zum letzten Jahr, als es «Katzen hagelte», zeigte sich dieses Jahr der Frühling von seiner schönsten Seite. Der strahlend blaue Himmel und die frühlingshaften Temperaturen lockten viele Pferdefreunde nach Niederbüren.

Ursina Hulmann

Ziel des Feldtests
Für den Feldtest beurteilen die Richter die Pferde linear (Typ, Körperbau, Gänge), prüfen ihre Fahr- und Reiteignung sowie Verhalten und Charakter. Vor allem für Stuten ist dieser Test wichtig: Ihre Fohlen erhalten nur einen Abstammungsausweis, wenn die Stute den Feldtest bestanden und beide Eltern anerkannte Papiere haben. Bei Wallachen ist der Feldtest vor allem für die Zucht-
werteinschätzung ihrer Eltern wichtig. Der Feldtest soll auch den Verkauf von Jungpferden fördern. So bescheinigt er Kaufinteressierten, dass das Pferd die Anforderungen der Zuchtorganisation erfüllt und eine Grundausbildung abgeschlossen hat. (uhu)